Beschäftigte sind schockiert

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Der Standort von Andritz Ritz in Schwäbisch Gmünd.
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IG Metall und der Betriebsrat von Andritz Ritz üben harsche Kritik am Konzern, der den Standort in Gmünd massiv verkleinern will.

Schwäbisch Gmünd

Rund die Hälfte der 120 Mitarbeiter am Schwäbisch Gmünder Standort von Andritz Ritz soll gehen, die Fertigung komplett an einen anderen Standort verlagert werden. Betriebsrat und Gewerkschaft haben sich nun zu den Plänen geäußert und kritisieren die Konzernführung in einer Mitteilung scharf. "Frustration, Zukunftsangst und Ungewissheit machen sich bei der Belegschaft von Andritz Ritz breit", heißt es darin. Betriebsrat, die Belegschaft und die IG Metall hätten von den Plänen aus der regionalen Presse erfahren. Und sie werfen dem Unternehmen vor: Andritz sei bis jetzt nicht den gesetzlich vorgeschriebenen und umfassenden Informationsrechten des Betriebsrats nachgekommen.

Andritz Ritz hatte vor einigen Tagen über die konkreten Pläne der Produktionsverlagerung informiert. Der Grazer Konzern begründet den Schritt mit der fehlenden Rentabilität des Standorts, der in den vergangenen Jahren Verluste erwirtschaftet haben soll. Das bestreitet der Betriebsrat.

Im vergangenen Jahr habe der Standort ein operatives Ergebnis von rund einer Million Euro erwirtschaftet. Zudem gebe es eine positive Prognose für das laufende Geschäftsjahr, heißt es von Seiten des Betriebsrats um dessen Vorsitzenden Thimo Schabel. "Deshalb kann eine solche Entscheidung aus Graz von der Belegschaft nicht nachvollzogen werden."

Eine offizielle Mitteilung von Andritz steht noch aus

Die Belegschaft kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Thimo Schabel Betriebsrat Andritz Ritz

Laut Darstellung der Arbeitnehmervertreter habe Andreas Schulte, Geschäftsführer der Firma Andritz Ritz, dem Betriebsrat im Dezember 2020 mitgeteilt, dass die Produktion am Standort Schwäbisch Gmünd auf dem Prüfstand stehe. Laut Schulte werde vom Konzern bewertet, welche Kosteneinsparung die Verlagerung der Fertigung und fertigungsnahen Bereiche nach Graz bringen würden. Die Belegschaft sei anschließend über das Vorhaben der Geschäftsführung in Kenntnis gesetzt gewesen. Um die Verlagerung zu verhindern, wollte der Betriebsrat daraufhin gemeinsam mit den Führungskräften des Standortes damit beginnen ein Konzept auszuarbeiten, um den Standort in seiner bisherigen Fertigungstiefe nachhaltig zu sichern.

"Dieser Vorschlag wurde jedoch von Herrn Schulte Mitte Januar abgelehnt, da das Konzept des Betriebsrates in seinen Augen nicht erfolgversprechend wäre", erklärt Schabel weiter. Schulte wolle an seiner Empfehlung einer Schließung und Verlagerung gegenüber dem Vorstand der Andritz AG weiterhin festhalten. "Eine offizielle Mitteilung hat der Betriebsrat bis heute nicht erhalten", stattdessen hätten Betriebsrat, Gewerkschaft und die Mitarbeiter von der beschlossenen Schließung schlussendlich aus der regionalen Presse erfahren.

Die örtliche Geschäftsführung habe nun angekündigt, am 11. Februar den Betriebsrat offiziell zu informieren. "Damit würde im Anschluss der Prozess einer geplanten Betriebsänderung im Sinne der gesetzlichen Verfahrensweise (gemäß Betriebsverfassungsgesetz) beginnen", schreiben die Arbeitnehmervertreter weiter. Hier sollen detaillierte Informationen und Fragen geklärt und im Anschluss die Vorschläge und Einwände des Betriebsrates der Geschäftsführung präsentiert werden. Erst danach könne eine endgültige Entscheidung und deren Umsetzung erfolgen.

Die ehemalige Pumpenfabrik Ritz gehört seit 2010 zum österreichischen Konzern, der weltweit rund 27 000 Mitarbeiter an 280 Standorten beschäftigt.

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