Bilanz: Starkes Halbjahr für Voith

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Der asiatische Papierhersteller Sun Paper hat eine Papiermaschine von Voith am Standort Beihai, im Südosten Chinas, in Betrieb genommen. Die Papier-Sparte der Heidenheimer ist im ersten Halbjahr weitergewachsen.
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Trotz globaler Krisen wächst der Voith-Konzern kräftig. Konzernchef Haag sieht die eingeschlagene Strategie mit Fokus auf Zukunftsbranchen bestätigt.

Heidenheim. Bereits bei der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Dezember hatte sich Dr. Toralf Haag trotz eines eher bescheidenen Wachstums im Geschäftsjahr 2020/21 optimistisch für die Zukunft gezeigt. Die nun veröffentlichten Halbjahreszahlen des Heidenheimer Konzerns geben ihm recht: Voith hat die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2021/22 mit einem überraschend starken Wachstum abgeschlossen. Alle drei Konzernbereiche haben dazu beigetragen, den Umsatz um 14 Prozent auf nun 2,34 Milliarden Euro zu steigen. Das operative Ergebnis legt um 15 Prozent auf 94 Millionen Euro. 

„Vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Krisen, die bereits deutliche Auswirkungen auf unsere Märkte haben, können wir mit unserer Entwicklung im ersten Halbjahr zufrieden sein“, erklärt Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmens. Voith befinde sich weiterhin in einer operativ und finanziell robusten Verfassung. „Unsere breite sektorale und geografische Aufstellung hat hierzu ebenso beigetragen wie unser Fokus auf nachhaltigen Technologien, die eine immer größere Bedeutung bekommen.“

In allen drei Sparten des Kerngeschäfts, Hydro, Paper und Turbo, hat Voith schwarze Zahlen geschrieben und konzernweit sowohl Umsatz als auch EBIT deutlich gesteigert. Der Auftragseingang übertraf nochmals den bereits starken Vorjahreswert und befindet sich auf einem Allzeithoch: Voith hat Auftrage im Wert von 6,8 Milliarden Euro in den Büchern stehen. 

Haag hatte bereits vor einigen Jahren entschieden, verstärkt Megatrends wie die Decarbonisierung und Digitalisierung in den Blick zu nehmen. So wollte Voith neue Wachstumsfelder erschließen. Dazu gehören etwa die Bereiche Wasserstofftechnologie, Energiespeicherung, elektrische Antriebssysteme und digitale Zugkupplungen.

„Die aktuelle Diskussion über den schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiesicherheit macht deutlich, dass wir mit unserem strategischen Schwerpunkt auf nachhaltigen Technologien in allen unseren drei Geschäftsbereichen – mit Wasserkraft als wichtigste erneuerbare Energie, mit einer ressourcenschonenden Papierherstellung und mit alternativen Antriebstechnologien – gut aufgestellt sind“, erklärt Haag. Voith werde sein Portfolio in diesen Bereichen kontinuierlich weiterentwickeln und damit einen Beitrag zu industrieller Nachhaltigkeit leisten. „Das schlägt sich auch positiv in unseren Zahlen nieder.“

So schaffte es auch das einstige Sorgenkind, die Wasserenergie-Sparte Hydro wieder in die schwarzen Zahlen. Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr sei mit 3 Millionen Euro positiv gewesen, so das Unternehmen. Der Umsatz liegt stabil bei 487 Millionen Euro, allerdings ist der Auftragsbestand niedriger als im Vorjahr. Die Papier-Sparte bleibt wiederum der größte Unternehmensbereich, hier stieg der Umsatz um fast 200 Millionen Euro auf 1,07 Milliarden Euro – was auch am weltweiten Papierboom liegt. Voith Turbo bilanziert ein Plus von 5 Prozent auf 742 Millionen Euro. 

Trotz der positiven ersten sechs Monaten gibt sich Voith zurückhaltend beim Blick auf die Zukunft. „Die zunehmenden Unsicherheiten aufgrund des aktuell sehr herausfordernden und volatilen Marktumfelds – Krieg in der Ukraine, Lockdowns in China, Materialpreissteigerungen, Störung der Lieferketten – beeinträchtigten das operative Ergebnis des Voith-Konzerns bereits im ersten Halbjahr 2021/22“, heißt es weiter. Die weitere Entwicklung sei daher aktuell schwer einzuschätzen, man halte jedoch am Ziel fest, „Umsatz und Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr zu steigern und damit den Pfad profitablen Wachstums fortzusetzen“. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei rund 4,3 Milliarden Euro. 

Voith hatte erst in der vergangenen Woche angekündigt, die Schweizer-Argo-Hytos-Gruppe zu übernehmen. Das Unternehmen stellt industrielle Ventile her und beschäftigt weltweit rund 1600 Menschen, darunter mehr als 400 am Standort in Kraichtal bei Karlsruhe. Es ist eine der größten Übernahmen in der Geschichte von Voith. Zu finanziellen Details gab es keine Angaben. Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte Voith die komplette Übernahme aller Anteile am österreichischen Motorenbauer Elin bekanntgegeben.

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