Bitcoin, Börsen-Boom und Bundestag

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Fondsexperte Herbert Fischer

Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt im Gespräch Stellung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten.

Aalen

Das Interesse am Börsenhandel nimmt auf der Ostalb immer weiter zu. Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, gibt im Interview Auskunft über aktuelle Entwicklungen.

Herr Fischer, blickt man als Anleger derzeit an die weltweiten Börsen, zeigt sich ein durchaus erfreuliches Bild. Hierzulande konnte der DAX trotz anhaltender Pandemie im ersten Halbjahr rund 14 Prozent zulegen. Wie stufen Sie die aktuellen Entwicklungen ein?

Die EZB hat 2020 den Markt mit viel Geld geflutet. Dieses Kapital sucht auch nach Anlagemöglichkeiten an der Börse. Hinzu kommt noch die anhaltende Nullzinspolitik. Es gibt außer Aktien kaum noch Rendite versprechende Geldanlagen. In der Bevölkerung wächst, wenn auch bescheiden, die Bereitschaft zur Kapitalanlage in Aktien. Das sind zusätzliche, stimulierende Faktoren für eine positive Kursentwicklung.

Das Impftempo nimmt in Deutschland nach anfänglicher Euphorie weiter ab. Experten zweifeln am Erreichen einer Herdenimmunität von 85 Prozent und prognostizieren eine vierte Welle. Was würde ein vierter Lockdown für Anleger bedeuten?

Der Ausbruch der Pandemie und der erste Lockdown waren ein Schock für die Wirtschaft und die Börse. Nach einem halben Jahr waren an der Börse die Verluste wieder eliminiert. Der zweite und der dritte Lockdown waren begleitet von einer hohen Volatilität der Kurse mit sinkender Tendenz. In dieser Richtung sehe ich auch die Auswirkung eines möglichen vierten Lockdown. Mutige Anleger hätten dann eine erneute Möglichkeit günstig einzusteigen. Wir sollten nicht übersehen, dass wir trotz Pandemie und Volatilität in vielen Bereichen historische Höchstkurse erreicht haben. Auch bei unserem Investmentfonds.

Am 26. September wählt Deutschland eine neue Bundesregierung. Nach dem vorzeitigen Scheitern der Finanztransaktionssteuer auf europäischer Ebene forderte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bereits im Frühjahr einen Alleingang Deutschlands. Was halten Sie von dieser zusätzlichen Besteuerung?

Für den Finanzminister wird es wohl ein bescheidener Erfolg sein. Treffen sollte es schwerpunktmäßig den Hochfrequenzhandel der Spekulanten. Die werden den Handel in das Ausland verlegen, um dieser Steuer zu entgehen. Betroffen bleiben die kleinen Anleger, die sich mit Aktien eine zusätzliche Alterssicherung aufbauen wollen.

In den vor uns liegenden Wochen vor der Bundestagswahl werden wohl auch steuerpolitische Forderungen diskutiert. SPD, Grüne sowie die Linke wollen die Abgeltungssteuer abschaffen und Kapitalerträge wie Einkommen besteuern. Wie bewerten Sie diesen Vorstoß?

Für Kapitalanleger, deren Steuersatz oberhalb der Abgeltungssteuer liegt, bedeutet die Maßnahme eine zusätzliche Steuererhöhung. Für die vermutlich kleinere Gruppe mit niedrigen Steuersatz eine Steuerentlastung.

Der von Ihnen verwaltete WAC Fonds erfreut sich einer mittlerweile großen Bekanntheit im Ostalbkreis. Ende Juli erreichte der Fonds mit einem Kurs von 216,96 Euro einen neuen Höchststand. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Unsere Statuten erlauben uns, dass wir weltweit investieren. Wir haben ein deutlich breiter gestreutes Depot, eine größere Auswahl an Aktien als die wichtigsten Indizes, zum Beispiel der DAX oder der Dow Jones. Der Kurs von 216,96 Euro bedeutet einen Kursanstieg seit Jahresbeginn von 18,44 Prozent. Damit haben wir beide Indizes mit positivem Ergebnis übertroffen.

Mit einem verwalteten Vermögen von rund 16,5 Millionen Euro gehört der WAC zu den kleineren Fonds in Deutschland. Welche Vorteile hat eine Anlage in Ihren WAC Fonds im Vergleich zu einem Investment in einen großen Publikumsfonds?

Wir stehen natürlich im harten Wettbewerb zu den großen Publikumsfonds. Entscheidend für den Anleger ist aber das langfristige Ergebnis. Nicht umsonst haben wir eine *****-Bewertung von der Ratingagentur Morning Star erhalten. In puncto Sicherheit unterliegt unser Investmentfonds den gleichen Kontrollmechanismen wir die großen Fonds. Auf regionaler Ebene bevorzugen Anleger den möglichen, persönlichen Kontakt zu den Entscheidungsträgern, der bei großen Publikumsfonds nicht gegeben ist.

Der Trend um die Anlageklasse Kryptowährungen geht auch in diesem Jahr munter weiter. Der wohl bekannteste Vertreter Bitcoin ist mittlerweile ein fester Bestandteil in vielen Depots. Was hält Sie davon ab, Bitcoin und Co. In den WAC Fonds mit aufzunehmen?

Betrachten Sie bitte nachfolgende Bitcoin-Kursentwicklung im Jahr 2021: Am 4. Januar lag er bei 26 105 Euro, am 13. März bei 50 273 Euro; am 20. Juli bei 25 394 Euro. Hier haben wir es mit einem sehr volatilen, risikoreichen Finanzinstrument zu tun, deren Wert von keiner Zentralbank oder öffentlichen Stelle emittiert oder garantiert wird. Wir haben selbstverpflichtend in der Anlagepolitik Risikominimierung eingeführt, keine Optionsscheine, eine Mindestmarktkapitalisierung von Aktiengesellschaften. Der Bitcoin-Handel passt nicht in die Grundsätze unserer Anlagepolitik.

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