Bosch AS: Bekenntnis zum Standort Gmünd

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Wilfried Weidner von Bosch AS am Steuer eines Golf 8, in den ein Prototyp der neuen Lenkungsgeneration Steer-by-Wire verbaut wurde.
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Wie Dr. Gerta Marliani Gmünds größten Arbeitgeber Bosch AS in die Zukunft führen will – und welche Rolle dabei eine revolutionäre Lenkungstechnologie spielt.

Der Standort Gmünd ist und bleibt die Wiege sowie das Herz von Bosch AS.“

Dr. Gerta Marliani, Vorsitzende der Geschäftsführung
  • Bosch AS und der Standort Gmünd
  • Unternehmen Bosch AS beschäftigt derzeit weltweit 12 700 Menschen, 7070 davon in Europa und mehr als 4000 in Schwäbisch Gmünd. „Damit ist Gmünd noch immer einer der größten Bosch-Standorte weltweit“, erklärt Dr. Gerta Marliani. Im Jahr 2020 seien rund 26,5 Millionen Euro in die Gmünder Fabriken investiert worden. Die Fläche aller drei Teilwerke beträgt 385 000 Quadratmeter. Weltweit betreibt Bosch AS 19 Standorte in 12 Ländern.
  • Digitalisierung Das Unternehmen investiert derzeit ebenso in digitale Prozesse und Industrie 4.0. Ein Beispiel ist das sogenannte „Active Cockpit“. Mit 20 interaktiven Bildschirmen seien alle Werke ausgestattet, erklärt Fertigungsleiter Markus Zebisch. „Über die digitale Plattform informieren wir täglich unsere Mitarbeiter.“ Da reicht von der Schichtplänen über Infos über die Pandemie hin zu Produktivitätskennzahlen.
  • Kooperation Das Standortkonzept, um das so viele Monate gerungen wurde, ist nun besiegelt. „Es ist eine gute Basis für die Zukunft“, so Marliani, die seit 1. Januar Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch AS ist. Sie will sich künftig enger mit dem Arbeitnehmervertretern abstimmen.

Schwäbisch Gmünd

Offener und transparenter soll Gmünds größter Arbeitgeber, Bosch Automotive Steering (AS), werden. Zugleich will Dr. Gerta Marliani, seit 1. Januar Vorsitzende der Geschäftsführung von AS, langfristig an der Produktion am Standort festhalten und Forschung und Entwicklung ausbauen sowie für einen neuen „Spirit“ in den Werken sorgen. „Der Standort Gmünd ist und bleibt die Wiege sowie das Herz von Bosch AS“, erklärte sie am Montag bei einem Pressegespräch. Eine besondere Rolle bei der Zukunft des Standorts spielt die nächste Lenkungsgeneration Steer-by-Wire (deutsch: Lenken per Kabel), an der gerade in Gmünd gearbeitet wird.

„Ich bin überzeugt, dass wir tolle Produkte und ein tolles Team haben, mit dem wir hier die Zukunft erfolgreich gestalten können“, sagt Marliani. In den Standort sollen in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen Euro investiert werden. Der Stellenabbau sorge beim Aufbruch in die Zukunft zwar für ein Spannungsfeld, jedoch sagt sie: „Ein Unternehmen kann nur wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich sein, wenn es Geld verdient. Wir sind durch den Umbau nun so aufgestellt, dass wir die Zukunft gestalten können.“

Das Unternehmen beschäftigt aktuell noch mehr als 4000 Menschen in den drei Gmünder in Gmünd. Bis 2026 sollen es 3000 sein. „Andere Hersteller produzieren ihre Lenkungen überhaupt nicht mehr in Deutschland“, so Marliani. Ein ähnliches Vorgehen schloss sie für Gmünd aus. „Sowohl ein Teil der Produktion als auch die Produktentwicklung bleiben in Schwäbisch Gmünd.“ Diese Kombination sichere die Innovationskraft des Standorts. Zugleich hebt sie die Bedeutung der Mitarbeitenden heraus. „Gmünd bleibt das Leitwerk und das Hauptquartier von AS.“ So investiere man derzeit in den Standort auf dem Gügling, wohin bald die Fertigung von Pkw-Lenkungen verlagert werden soll. Die freiwerdende Fläche im Schießtal nutze man anschließend für die Produktion der Nutzfahrzeuglenkungen. Deren aktueller Standort ist in die Jahre gekommen, wie Fertigungsleiter Markus Zebisch erklärt.

Wegen der Halbleiterkrise hatte Bosch AS im Oktober für einen Teilbereich der Produktion Kurzarbeit angemeldet. Ende Oktober sei die Maßnahme aber wieder ausgelaufen, erklärt Marc Ströbel, kaufmännischer Werkleiter. Bis Ende des Jahres sei die Versorgung mit Chips sichergestellt, die weltweiten Versorgungsengpässe werden die Gmünder Firma aber noch eine Weile beschäftigten. „Der Halbleitermangel und die Corona-Pandemie haben unser Geschäft zuletzt stark beeinflusst“, führt Marliani aus. Die Lage sei „eine große Herausforderung“.

Langfristig sei die Chipkrise jedoch „eine Chance“, denn Bosch will bald auf eigene Chips setzen. „Wir entwickeln auch für Bosch AS Halbleiter“, so Marliani. Diese könnten ab dem Jahr 2025 zum Einsatz kommen. Ebenfalls in vier bis fünf Jahren soll die neue Lenkungstechnologie Steer-by-Wire serienmäßig in Pkw verbaut werden können. „Wir sind dank dieser Technologie exzellent positioniert, die Rückmeldungen unserer Kunden sind sehr erfreulich“, sagt Marliani, die seit 2014 bei Bosch AS tätig ist und vor ihrem Wechsel nach Gmünd das chinesische Joint Venture der Firma geleitet hat. Steer-by-Wire sei der nächste Schritt im Lenkungsbereich. Mit ihm entfalle die mechanische Verbindung vom Lenkrad zum Lenkgetriebe: Der Lenkrad- und der Zahnstangenaktuator kommunizieren künftig per Kabel miteinander.

Das Lenkrad kann so in das Cockpit versenkt werden, was vor allem Vorteile bringt, wenn Autos künftig autonom fahren können. Der Innenraum von Fahrzeugen ist flexibel nutzbar, der Fahrersitz bekäme den nötigen Raum, um etwa gedreht werden zu können. „Der Innenraum wird künftig bei der Differenzierung der Hersteller eine entscheidende Rolle spielen“, erklärt Wilfried Weidner vom Costumer Team von Bosch AS. Vorteile habe das System überdies in den Bereichen Sicherheit, Komfort und Agilität. „Zugleich ermöglicht es die Plattform, das Lenkungssystem zu standardisieren.“ Heißt: Mussten wegen der mechanischen Verbindung der Komponenten früher zum Beispiel Rechtslenker für den japanischen oder britischen Markt separat gebaut werden, entfalle dies bei der nächsten Generation. Das senkt die Kosten für die Autohersteller. Aktuell wird derzeit intensiv an der Technologie gearbeitet.

Dr. Gerta Marliani, Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch AS

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