Bosch AS erwartet 2021 keine Normalität

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Bosch-AS-Chefin Gerta Marliani.
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Hinter Schwäbisch Gmünds größtem Arbeitgeber liegt ein unruhiges Jahr. Nun äußert sich die neue Vorsitzende der Geschäftsführung zur aktuellen Lage des Unternehmens.

Schwäbisch Gmünd

Besser als erwartet ist das Jahresergebnis des Bosch-Konzerns ausgefallen: Das Unternehmen mit großem Standort in Schwäbisch Gmünd (Bosch Automotive Steering) hat 2020 einen Umsatz von 71,6 Milliarden Euro erwirtschaftet, ein Minus von acht Prozent. Der operative Gewinn erreichte rund 1,9 Milliarden Euro. Nach einer deutlichen Delle im ersten Halbjahr habe sich der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte erheblich erholt. "Mit der Geschäftsentwicklung im Krisenjahr 2020 sind wir insgesamt sehr zufrieden", sagte Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung.

Die Zahlen der einzelnen Tochterunternehmen veröffentlicht Bosch traditionell nicht. Bei Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd war 2020 vor allem von den Verhandlungen über den massiven Stellenabbau geprägt. Mit Ablauf des Jahres gab es zudem einen Wechsel an der Spitze von AS: Christian Sobottka hat das Unternehmen verlassen, seine Nachfolgerin ist Dr. Gerta Marliani. Während der Gesamtkonzern relativ gut durchs Krisenjahr kam, litt Bosch AS unter der Entwicklung der Autobranche. Auch die Bosch Mobility Solutions, die größte Sparte des Konzerns, zu der auch AS gehärt, schrumpfte 2020 um fast zehn Prozent auf 42,3 Milliarden Euro. "Die Automobilwirtschaft wurde hart von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie getroffen, insbesondere durch den Shutdown in 2020", erklärt Marliani auf Anfrage dieser Zeitung. Dennoch habe es Bosch AS geschafft, die Lieferketten am Laufen zu halten und flexibel auf Abrufe der Kunden zu reagieren.

Jedoch schränkt sie ein: "Auch für 2021 erwarten wir keine Normalität", so die Vorsitzende der Geschäftsführung. "Aber wir können von Erfahrungen aus dem letzten Jahr profitieren. Wir rechnen damit, dass die Kundenabrufe wieder anziehen werden." Einen weiteren Stellenabbau schließt sie jedoch aus. "Bosch Automotive Steering wird den kurzfristigen konjunkturellen Effekten der Corona-Pandemie nicht mit einem weiteren Stellenabbau begegnen."

350 Millionen Euro Investitionen in den Standort Gmünd

Wir können von Erfahrungen aus dem letzten Jahr profitieren.

Dr. Gerta Marliani Geschäftsführung Bosch AS

Stattdessen werde aktuell daran gearbeitet, das im Juli 2020 gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung verhandelte Eckpunktepapier in Betriebsvereinbarungen zu gießen. "Wichtige Kernelemente des Konzepts um den Standort Schwäbisch Gmünd zukunftsfähig aufzustellen betreffen Investitionen und die Kostenstruktur", so Marliani weiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind wie berichtet bis Ende 2026 ausgeschlossen, die Bosch-Managerin betont zudem, dass der Standort durch Investitionen gestärkt werden soll. "Bosch Automotive Steering investiert bis 2026 über 350 Millionen Euro in die Zukunft des Standorts Schwäbisch Gmünd", sagt sie.

Marliani selbst arbeitet bereits seit vielen Jahren bei Bosch, die vergangenen sechs Jahre leitete sie ein Joint-Venture in China. "Ich freue mich auf meinen neuen Arbeitsplatz hier in Schwäbisch Gmünd. Mein Ziel ist es, dass wir gemeinsam Bosch Automotive Steering weiter voranbringen und hier sind wir schon auf einem guten Weg." Durch die Einigung mit den Arbeitnehmervertretern auf ein Eckpunktepapier für den Standort Schwäbisch Gmünd sei im vergangenen Jahr der Grundstein für die Zukunft gelegt worden. "Nun gilt es, die Maßnahmen umzusetzen, damit wir das gemeinsame Zielbild für 2026 erreichen und der Standort Schwäbisch Gmünd sein volles Potenzial ausschöpfen kann."

Dazu gehören Investitionen in Forschung und Entwicklung. Jüngst verkündete Bosch AS etwa eine Entwicklungskooperation im Bereich Hinterachslenkung mit dem Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach. Schaeffler liefert dabei die mechatronische Hinterachslenkung. Bosch AS steuert den intelligenten Antrieb in Form einer Steering Control Unit bei, die Steuergerät, Elektromotor und Software in einem Bauteil vereint.

Nicht nur am Standort Gmünd gab es im Bosch-Konzern im vergangenen Jahr einen Stellenabbau. So sank die Zahl der weltweit tätigen Bosch-Mitarbeiter 2020 um 4500 auf 394 500, der Großteil wurde in den deutschen Werken abgebaut. Dem gegenüber stehen Einstellungen in anderen Bereichen. In Summe ging die Zahl der Beschäftigten im Inland um 3400 auf 129 900 zurück. Diese Zahl dürfte auch 2021 sinken, da die an den Standorten beschlossenen Sparmaßnahmen über mehrere Jahre laufen.

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