Bosch AS findet Käufer für Pumpensparte

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Am Standort Schwäbisch Gmünd sind 70 Mitarbeiter betroffen.

Schwäbisch Gmünd. Im Sommer 2019 hatte Bosch Automotive Steering (AS) erklärt, das eigene Pumpengeschäft verkaufen zu wollen. Nun hat der Konzern einen Abnehmer gefunden: Der Finanzinvestor Fidelium wird die Sparte kaufen. Alle Standorte sollen erhalten bleiben und alle Mitarbeiter übernommen werden. In Deutschland beschäftigt die Pumpensparte 600 Mitarbeiter, der Großteil davon im Werk Berlin. 70 Mitarbeiter sind in Schwäbisch Gmünd tätig. Auch dieser Standort im Bosch-Werk im Schießtal soll bestehen bleiben. Laut einer Sprecherin wird der Investor das betreffende Gebäude auf dem Areal anmieten.

Zum Kaufpreis machen weder Bosch AS noch Fidelium Angaben. Die Übernahme soll im dritten Quartal vollzogen werden. Der neue Eigentümer gewährt laut Angaben von Bosch AS eine dreijährige Bestandsgarantie auf die beiden deutschen Standorte. Das Pumpengeschäft umfasst die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von Lenkungspumpen für Pkw- und Nkw-Anwendungen sowie von Getriebepumpen. Entwicklung und Vertrieb sind hauptsächlich in Schwäbisch Gmünd und Berlin angesiedelt, produziert wird in Berlin und Nanjing (China). Hinzu kommen Standorte in Brasilien und den USA. "Das Geschäft mit Lenkungs- und Getriebepumpen verfügt über ein großes Potenzial und gute Wachstumschancen", sagt Dominik Beck, Managing Partner von Fidelium. Der Investor habe bereits positive Erfahrungen mit Übernahmen von Automobilzulieferern gemacht.

Bosch AS will sich auf Lenkungsproduktion konzentrieren

Fidelium mit Sitz in Bayern sieht sich laut eigenen Angaben als erfahrener "Partner für Unternehmen, die einen operativen, langfristigen Investor suchen". So gehören unter anderem die Reutlinger RET sowie die Urbacher VS Lighting Solutions zu den Firmen, die der Investor bislang übernommen hat.

Rolf Herkommer, Leiter des Pumpengeschäfts, erklärt: "Mit Fidelium haben wir einen zuverlässigen neuen Eigentümer gefunden." Man wolle gemeinsam die nachhaltige Entwicklung des Geschäfts vorantreiben, dazu zähle insbesondere die Weiterentwicklung des Produktportfolios. Auch der Verkäufer der Sparte, Bosch AS, äußert sich: "In den Verhandlungen hat Fidelium mit einem nachhaltigen Übernahmekonzept überzeugt", erläutert Hanns-Bernd Ketteler, Vorstandsmitglied von Bosch AS. "Wir sehen in der neuen Konstellation für das Pumpengeschäft die Möglichkeit, gezielter auf die Bedürfnisse des Marktes einzugehen", so Ketteler.

Bosch AS hatte den Verkauf der Sparte bereits seit zwei Jahren geplant, die Sparte galt als wenig rentabel. Nach dem Verkauf will sich Gmünds größter Arbeitgeber auf die Entwicklung und Produktion elektrischer Lenksysteme konzentrieren, laut des Unternehmens eine Schlüsseltechnologie für hochautomatisiertes und elektrisches Fahren. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen an seinen weltweiten Standorten noch 13 000 Mitarbeiter.

Gewerkschaft und Betriebsrat erwarten Vertragstreue

Skeptischer beurteilt die IG Metall die Übernahme: "Für alle Beschäftigten der Bosch-Business-Unit Pumpe braucht es Sicherheit und verlässliche Perspektiven, das ist unsere klare Forderung an beide Unternehmen", so Kai Burmeister von der IG Metall Schwäbisch Gmünd. Die Gewerkschaft sehe beide Unternehmen in der Pflicht, um langfristig, verlässlich und verbindlich für diese Sicherheit zu sorgen. Die Ankündigung von Fidelium Partners, alle Mitarbeiter zu übernehmen, nehme die IG Metall beim Wort. "Nicht an den Worten, an den Taten werden wir die Käufer beurteilen", sagt Burmeister.

Gewerkschaft und IG-Metall-Betriebsräte erwarten laut Burmeister "klipp und klar die Einhaltung der vereinbarten Überleitungsvereinbarungen". Die Arbeitnehmervertreter kündigen zudem eine "eine kritische Begleitung des anstehenden Prozesses" an. Bosch-AS-Betriebsratschef Claudio Bellomo erklärt, man weise "ausdrücklich darauf hin, dass eine vierjährige Tarifbindung und die Übernahme aller Vereinbarungen für drei Jahre vereinbart wurden".

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