BSH erneut mit Rekordjahr

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Am Standort von BSH in Giengen entwickeln und produzieren 2750 Menschen Kühlgeräte, vorrangig, aber nicht nur für den europäischen Markt.
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Trotz Corona und gestörten Lieferketten fährt der Konzern ein fabelhaftes Ergebnis ein. Auch der Standort in Giengen profitiert von der Entwicklung. Die Chipkrise und der Ukraine-Krieg bleiben aber Risiken.

Giengen

Die Entwicklung des Hausgeräteherstellers BSH in den vergangenen Jahren ist verblüffend: Vor der Corona-Pandemie war der Umsatz im Jahr 2019 sogar leicht zurückgegangen. Seit 2020 indes, als einige Firmen mit sinkenden Erlösen zu kämpfen hatte, kennt die Entwicklung bei dem Unternehmen, das einen großen Standort in Giengen an der Brenz betreibt, nur eine Richtung: nach oben. 2021 hat die BSH, die ihren Sitz in München hat, einen Rekordumsatz von 15,6 Milliarden Euro erzielt, ein Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Ich freue mich, dass es uns 2021 trotz zahlreicher Herausforderungen gelungen ist, erneut ein Rekordergebnis zu erzielen. Es war das erfolgreichste Jahr in unserer 55-jährigen Unternehmensgeschichte“, sagte Dr. Carla Kriwet, CEO und Vorsitzende der Geschäftsführung der BSH Hausgeräte GmbH, bei der Bilanzpressekonferenz vor einigen Wochen. Allerdings war es auch ihr letztes Jahr bei BSH. Etwas überraschend hat sich die Managerin, die den Posten erst 2020 von Uwe Raschke übernommen hatte, bereits wieder verabschiedet, ab kommendem Jahr wird sie Vorstandschefin des börsennotierten Konzerns Fresenius Medical Care. Ihre Aufgaben hat Gerhard Dambach übernommen, seit 2019 verantwortlich für die Finanzen.

Auf den Ukraine-Krieg hat BSH bereits reagiert und die Lieferung von Teilen für die Produktion sowie die Lieferung von Hausgeräten aus der Europäischen Union nach Russland unterbrochen. Darüber hinaus wurde die Produktion in den beiden Werken in St. Petersburg ausgesetzt. Der Krieg in Osteuropa wirkt sich auf die Lieferketten von BSH aus. Laut BSH werde es zunehmend schwieriger, diese aufrechtzuerhalten. Die resultierenden Materialengpässe würden mehrere BSH-Fabriken in Europa treffen – so etwa das  Werk in der Türkei, wo der Hausgerätehersteller einen großen Teil seiner Produktionstätigkeit vorübergehend aussetzen muss. Die damit verbundenen Engpässe bei der Lieferung von fertigen Produkten dürften weltweit spürbar sein. Ein Fabel-Jahr wie 2021 wird der BSH also heuer mutmaßlich nicht gelingen – auch wenn der Konzern sich im ersten Quartal 2022 auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums bewegt hat.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen in allen Regionen den Umsatz deutlich gesteigert. Die Nachfrage nach Hausgeräten hatte sich während der Corona-Krise deutlich beschleunigt, vor allem hochpreisige Produkte, wie sie BSH herstellt, waren weltweit begehrt. In Europa, wo das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit Marken wie Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff Marktführer ist, wächst der Umsatz um neun Prozent. In Amerika legt der Umsatz sogar um 23 Prozent zu, in der Region Asien/Pazifik beträgt das Plus 18 Prozent. Auf dem chinesischen Markt, dem größten der Region, hat die BSH den Umsatz um 17 Prozent im Vorjahresvergleich  gesteigert. In China bleibe man damit der führende, nicht-chinesische Hersteller von Hausgeräten. „Um langfristig erfolgreich zu sein, stellen wir unser Geschäft breit auf und wollen unseren Umsatz auch in kleineren Märkten steigern, in denen wir eine hohe Zunahme der Nachfrage erwarten“, sagt Matthias Ginthum, als CMO für die weltweiten Märkte von BSH zuständig. „In Europa möchten wir unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. In Amerika ist unser Wachstumskurs darauf ausgerichtet, vor allem für Konsumentinnen und Konsumenten im Luxus- und Premiumsegment die erste Wahl zu sein.“

Auch zwei Schwellenmärkte hat man bei BSH fest im Blick: „Afrika und Indien sind zentrale Standorte für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie“, erklärt Ginthum. Während das Unternehmen im indischen Chennai bereits Kühlschränke produziert, starte in Ägypten derzeit der Bau der ersten BSH-Fabrik auf dem afrikanischen Kontinent.  Auch in Mexiko hat die Firma massive Investitionen angekündigt und wird ein neues Werk bauen. „Die Fabrik wird ein strategischer Pfeiler für unser globales Produktionsnetzwerk sein“, hatte Kriwet im März erklärt.  Mit der Investition wolle man das Geschäft auf dem amerikanischen Kontinent unterstützen und ausbauen. 

Der Standort in Giengen profitiert von der guten Entwicklung. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen, das in der Region Kühlgeräte herstellt, 100 neue Stellen geschaffen. 2022 soll eine ähnliche Anzahl hinzukommen. Im vergangenen Jahr haben die die 2750 Mitarbeitenden in Giengen rund 1,5 Millionen Kühlschränke, Kühlgeräte und Kühl-Gefrierkombinationen hergestellt, die vor allem für den mitteleuropäischen Markt entwickelt und produziert werden. Darüber hinaus finden diese aber auch Absatz in China und Nordeuropa.

Der Standort in Giengen ist nicht nur ein wichtiger Fertigungsstandort, sondern das weltweite Entwicklungszentrum für Kühlgeräte und Heimat des größten deutschen Logistikzentrums der Gruppe. In Giengen werden auf einer Fläche von mehr als 20 Fußballfeldern Hausgeräte gelagert und die in die ganze Welt versendet – täglich sind es rund 21 000 Groß- sowie 100 000 Kleingeräte, der Großteil übrigens über den betriebseigenen Gleisanschluss, der den Standort per eigener Bahnlinie mit dem Tiefseehafen in Triest verbindet. 

„Afrika und Indien sind zentrale Standorte für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie“

Matthias Ginthum, BSH

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