Chip-Mangel bremst auch Voestalpine

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Der Standort von Voestalpine in Schwäbisch Gmünd. Hier arbeiten fast 800 Menschen für den österreichischen Konzern mit Sitz in Linz.
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Der österreichische Konzern kommt insgesamt gut durch die Corona-Krise. Die Lage am Standort Schwäbisch Gmünd ist komplizierter. Teilweise steht die Produktion still.

Schwäbisch Gmünd

Der Voestalpine-Konzern ist zurück in den schwarzen Zahlen. Im Geschäftsjahr 2020/21 sank der Umsatz zwar um 11,4 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro, doch das Betriebsergebnis sei mit 115 Millionen wieder „klar positiv“, so der Konzern. „Neben dem konjunkturellen Rückenwind lieferten vor allem unsere internen Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung einen entscheidenden Beitrag zum positiven Jahresabschluss“, erklärt Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Selbst die Automobilindustrie sei überraschend stark aus dem Coronatief zurückgekehrt und habe die Nachfrage nach hochqualitativen Stahlprodukten deutlich wachsen lassen. Am Standort Schwäbisch Gmünd, wo fast 800 Menschen für die Österreicher arbeiten, ist die Lage jedoch komplizierter.

Im Januar hatte der Konzern angekündigt, aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage 46 Stellen zu streichen. Der Standort hat im Geschäftsjahr 2020/21 einen Umsatz von 193 Millionen Euro erwirtschaftet, doch leide die Fabrik laut einer Konzernsprecherin nicht nur an den Folgen der Corona-Pandemie. Die stelle den Bereich Automotive Components, zu dem die Gmünder gehören, vor „große wirtschaftliche Herausforderungen“ ebenso wie die Chip-Versorgungs-Probleme in der Automobilindustrie. Werden zu wenig Halbleiter geliefert, drosseln die Autohersteller ihre Produktion und fordern bei Zulieferern wie Voestalpine weniger Komponenten an. Kurzfristige Produktionsstillstände durch Chip-Versorgungsprobleme versuche man laut Voestalpine durch Überstunden- oder Urlaubsabbau zu kompensieren. „Die langfristigen Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich der fehlenden Materialversorgung seitens Chiphersteller, sind derzeit unklar“, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung.

Weil zusätzlich die Nachfrage in dem Bereich Prototypen- und Werkzeugbau eingebrochen sei, habe der Konzern Anfang des Jahres ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt, das den Abbau der 46 Stellen in Gmünd vorsieht. „Zudem sind bis Ende des laufenden Kalenderjahres etwa ein Drittel der Mitarbeiter des Standortes zur Kurzarbeit angemeldet“, heißt es in Linz weiter. Während also die gesamte Automobilsparte von Voestalpine vor allem von der steigenden Nachfrage nach Stahlprodukten profitiert, gibt es in einzelnen Bereichen noch Probleme.

Gute Nachrichten gibt es aber dennoch für die Beschäftigten. So erklärt Peter Yay-Müller, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall, dass sich seine Gewerkschaft auf Bundesebene auf einen zweiten gemeinsamen Tarifvertrag mit dem Konzern geeinigt habe, der auch die sogenannte Corona-Prämie von 500 Euro beinhalte. In Zukunft wolle die IG Metall zudem weitere Gespräche mit der Konzernleitung führen, um die Zukunftsperspektiven der deutschen Standorte bis zum Jahr 2030 zu erörtern.

Den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffte Voestalpine zum Teil dank einer deutlichen Reduzierung der Investitionen. Statt 777 Millionen Euro im Vorjahr flossen 2020/21 nurmehr 612 Millionen Euro in das Unternehmen. In Linz hat Voestalpine eine neue Beizanlage in Betrieb genommen, in Donawitz eine Stranggussanlage, die das neue Herzstück der dortigen Stahlproduktion werden soll.

Am Standort Schwäbisch Gmünd investiere man derzeit in die Digitalisierung und Automatisierung, erklärt eine Sprecherin weiter. Vor fünf Jahren hatte man zudem die weltweit erste Phs-Directform-Anlage am Standort in Betrieb genommen. Mit dieser können pressgehärtete, höchstfeste und korrosionsbeständige Karosserieteile für Fahrzeuge aus verzinktem Stahlband in nur einem Prozessschritt (eben einem direkten Verfahren) gefertigt werden. Voestalpine reagierte damals auf die steigenden Anforderungen der Automobilhersteller, die immer leichtere, festere und sicherere Bauteile wollten.

„Wir werden uns weiterhin auf Hightech-Segmente mit höchstem Qualitätsanspruch konzentrieren und gemeinsam mit unseren Kunden Innovationen vorantreiben“, gibt Eibensteiner die Richtung für die Zukunft vor. Für das Geschäftsjahr 2021/22 rechnet er mit einem operativen Ergebnis von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Die Krise sei jedoch noch nicht überwunden. Insgesamt sind derzeit 48 700 Menschen für den Konzern tätig.

Wir werden uns weiterhin auf Hightech-Segmente konzentrieren.“

Herbert Eibensteiner, Vorstandschef

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