Chipkrise kostet ZF Wachstum

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Der Konzern hat 2021 dennoch kräftig zugelegt. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind noch nicht absehbar. Konzernchef Wolf-Henning Scheider kündigt Abgang an.

Alfdorf

Auf rund 2,7 Milliarden Euro schätzt ZF-Finanzchef Dr. Konstantin Sauer allein den Umsatz, der ZF im vergangenen Jahr durch die globale Chipkrise entgangen ist. Dennoch hat der Konzern hat im vergangenen Jahr seine gesetzten Ziele übertroffen: Trotz der Auswirkungen durch Corona-Pandemie und Lieferkettenproblemen wächst der Umsatz des Konzerns, der in Alfdorf einen Standort mit rund 1700 Beschäftigten betreibt, um 17,5 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn verdoppelt sich auf rund 2 Milliarden Euro. „Trotz des im Jahresverlauf einsetzenden starken Gegenwinds sind wir auf Kurs geblieben und haben unsere bereits zu Jahresbeginn gesetzten Ziele erreicht“, erklärt Konzernchef Wolf-Henning Scheider bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens.

Wie sich der Ukraine-Krieg auf den Konzern und die Märkte auswirkt, ist laut Scheider noch nicht komplett absehbar. Die Sanktionen des Westens haben indes bereits jetzt direkte Auswirkungen auf das Geschäft von ZF: Rund zwei Prozent des Umsatzes erzielt die Firma laut Scheider in Russland. „Das wird in diesem Jahr auf 0 sinken“, sagt er. Durch den geringen Anteil am Gesamterlös habe das allerdings angesichts des Wachstums für das Unternehmen „keine große Tragweite“.

ZF betreibt in Russland unter anderem ein Joint-Venture, an dem der Konzern die Mehrheit besitzt. An dem Unternehmen mit 100 Beschäftigten will Scheider festhalten, so lange dies möglich ist. Auch die Gehälter der Mitarbeitenden in Russland werden solange weiterbezahlt, wie dies angesichts der Sanktionen zu finanzieren sei. „Unsere Mitarbeitenden sind ZFler – unabhängig von der Regierung des Landes, in dem sie leben“, so Scheider weiter.

Der Ukraine-Krieg ist indes nicht die einzige Herausforderung für den Konzern. Die globale Chipkrise und die Störungen in den weltweiten Lieferketten haben sich vor allem im zweiten Halbjahr 2021 deutlich bemerkbar gemacht. Während der Umsatz in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent gewachsen ist, lag der Konzern in der zweiten sogar unterhalb des Niveaus von 2020.

Dennoch sind Scheider und Sauer mit dem Jahr 2021 zufrieden. Scheider sagt: „Wir haben uns an die neue Normalität angepasst und sind noch agiler, flexibler und digitaler geworden.“ Beim Umsatz sei man bereits auf Vorkrisenniveau angekommen. Allerdings nehmen die Widrigkeiten zu, was einen Ausblick für das aktuelle Jahr laut Scheider schwer macht. Er nennt neben dem Ukraine-Krieg und der Pandemie die steigende Inflation, die Chipkrise und die Lieferkettenprobleme als bedeutendste Faktoren.

Trotz der globalen Widrigkeiten in den Märkten hat ZF kräftig investiert: 2021 flossen 8 Prozent des Umsatzes, also rund 3,1 Milliarden Euro, in Forschung und Entwicklung. „Diese Investitionen sind elementar, um ZF in den für uns relevanten Zukunftsthemen voranzubringen“, sagt Scheider, der drei große Themenbereiche nennt: Elektromobilität, autonomes Fahren sowie Software. ZF sei dabei, sich in einen Software- und Cloud-basierten Konzern zu verwandeln.

Das Unternehmen profitiert nach eigenen Angaben zudem vom Wandel zur Elektromobilität. Laut Scheider sei damit zu rechnen, dass bereits im Jahr 2028 weltweit mehr Elektroautos fahren als klassische Verbrenner. Neben dem Umdenken der Verbraucher würde dies auch an den starken Förderungen in vielen Staaten liegen.

Der Konzernchef kündigte zum Abschluss der Pressekonferenz seinen Abgang von ZF ankündigte. „Es war die schönste Zeit meiner Karriere“, so Scheider. Er werde bald 60 und wolle nach 35 Jahren in der Automobilindustrie „etwas komplett anderes machen“. Scheider wird noch bis Auslaufen seines Vertrags in zehn Monaten Vorstandsvorsitzender der ZF bleiben.

Blick nach Alfdorf

In Alfdorf, dem Hauptsitz der Division Passive Sicherheitstechnik, bündelt ZF die Entwicklung seiner Insassenschutzsysteme für die Mobilität von heute und morgen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf innovativen Airbag- und Sicherheitsgurttechnologien, für die der Konzern in Alfdorf auch Komponenten fertigt. ZF beschäftigt hier insgesamt rund 1700 Mitarbeitende. „Der Schutz von Fahrzeuginsassen und anderen Verkehrsteilnehmern ist eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Mobilität – sowohl beim manuellen als auch beim autonomen Fahren. Die ZF-Division Passive Sicherheitstechnik mit ihrem Hauptsitz in Alfdorf kann wichtige Lösungen für elektrisch angetriebene und automatisiert fahrende Fahrzeuge anbieten und daher investieren wir auch weiterhin in Zukunftstechnologie am Standort Alfdorf“, sagt Dirk Schultz, Geschäftsführer von ZF Automotive Germany in Alfdorf.

Wir sind trotz des Gegenwinds auf Kurs geblieben."

Wolf-Henning Scheider, ZF-Vorstandschef

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