Corona-Delle bei Meditec

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Mit Systemen für die Augenheilkunde wie hier dem Zeiss Artevo 800 erwirtschaftet Zeiss Meditec rund drei Viertel seines Umsatzes.
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Die Pandemie sorgt beim Medizintechnik-Unternehmen Carl Zeiss Meditec für einen spürbaren Rückgang von Umsatz und Gewinn.

Oberkochen

Die Börse reagierte enttäuscht auf die jüngsten Zahlen von Carl Zeiss Meditec: Der Umsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um 8,5 Prozent auf 1,335 Milliarden Euro zurückgegangen. Auch der Gewinn fiel. Für das kommende Geschäftsjahr erwartet nicht nur Meditec eine Erholung. Die Analysten der LBBW gehen davon, dass die gesamte Branche wieder spürbar zulegt.

"Das Geschäftsjahr 2019/20 stand ganz im Zeichen der Covid-19-Pandemie", kommentiert Dr. Ludwin Monz, Vorstandsvorsitzender von Meditec. Oberste Priorität habe die enge Zusammenarbeit mit Kunden sowie der Schutz der Mitarbeiter gehabt. "Wir haben schnell auf den kurzfristigen Nachfragerückgang reagiert, unsere Produktions- und Lieferfähigkeit gesichert und Kosten angepasst", so Monz weiter. Zudem habe ein in Summe stabiles Geschäft mit chirurgischen Verbrauchsmaterialien dazu beigetragen, den Rückgang bei Umsatz und Ergebnis zu begrenzen.

Viel stärker als der Umsatz litt der Gewinn. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach von 264,7 auf 177,6 Millionen Euro ein. Sowohl Umsatz- als auch Ergebnisrückgang verursachten vor allem die Märkte in Europa und Amerika.

Wir haben schnell auf den kurzfristigen Nachfragerückgang reagiert.

Dr. Ludwin Monz Vorstandschef Zeiss Meditec

Die Erlöse in Europa und dem Mittleren Osten sanken um 13,1 Prozent auf 362,4 Millionen Euro. Am stärksten davon betroffen waren die Märkten Westeuropas, Großbritanniens, der Türkei und der Region Mittlerer Osten. In Deutschland hatte sich die Nachfrage zum Ende des Geschäftsjahres hin wieder erholt. In Amerika entwickelten sich insbesondere die USA und Brasilien "deutlich rückläufig", nachdem diese Regionen im ersten Halbjahr noch Wachstum erzielt hatten.

In Asien sowie dem Pazifik-raum wiederum erreichte Meditec annähernd wieder sein Vorjahresniveau. Hier sank der Umsatz um lediglich 1,8 Prozent auf 589 Millionen Euro. Vor allem die Märkte China und Südkorea haben sich laut Meditec robust erholt. In Japan, Indien und Südostasien gingen die Erlöse indes zurück. Grundsätzlich erwartet Monz im Geschäftsjahr 2020/21 eine Erholung der Märkte und damit eine Rückkehr zu erneutem Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Allerdings könnten erneute Belastungen durch die Pandemie zu Beginn des neuen Geschäftsjahres nicht ausgeschlossen werden. Deshalb geht Meditec davon aus, dass die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres bei Umsatz und EBIT hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben werden.

Mit dem Rückschlag ist Meditec indes nicht allein: Der Medizintechnikmarkt verzeichnet 2020 eine Delle im langjährigen Wachstumstrend, so die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg in einer Mitteilung. Die grundsätzliche Entwicklung sei aber intakt. Deshalb erwarten die Banker, dass die gesamte Medizintechnik-Branche im kommenden Jahr um rund acht Prozent wachsen wird. "Fast alle Produktsegmente entwickeln sich erfreulich und profitieren von technologischen Innovationen", so die Bank weiter. Zudem werde in Zukunft der Anteil der Medizintechnik am Gesamtbudget der Gesundheitsausgaben weiter steigen, weil Technologie ein ertragreicher Wachstumstreiber ist. "Die Produkte der deutschen Hersteller sind weltweit technologisch konkurrenzfähig." Ein guter Teil der Unternehmen wachse daher ähnlich schnell wie der Weltmarkt oder gar schneller.

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