Coronakrise trifft den Autohandel

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Im Januar und Februar gingen die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel zurück. Händler hoffen auf Nachholeffekte und stellen Boom der Elektroantriebe fest.

Aalen

Die Coronakrise trifft den Autohandel hart. Nachdem bereits 2020 die Branche beutelte, sind die Verkaufszahlen im Januar und Februar 2021 deutschlandweit nochmals um rund ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Die Autohändler der Region kämpfen mit Einschränkungen und Kaufzurückhaltung, stellen sich aber auch auf neue Vertriebskanäle, veränderte Kundenanforderungen und einen Boom der Elektromobilität ein. Vor allem hoffen sie auf Nachholeffekte, wenn die Krise vorbei ist.

"Nicht nur im Handel müssen wir uns auf ein desaströses Autojahr 2021 einstellen", prophezeit Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in einer aktuellen Pressemitteilung: "Viele Existenzen im mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbe stehen auf dem Spiel." Seit Dezember sind die Showrooms der Autohäuser größtenteils dicht – wobei es Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Lisa Widmann, als Geschäftsführerin verantwortlich für die Widmann-Gruppe, die in vier Bundesländern und 14 Landkreisen insbesondere als Mercedes-Benz-Händler tätig ist, bemerkt "eine gewisse Unübersichtlichkeit der zahlreichen Verordnungen". Auch Daniel Barban, Geschäftsführer der sechs Bierschneider-Autohäuser (vor allem Volkswagen) in Ostwürttemberg, beobachtet den Umbruch: "Wie jeder stationäre Handel haben wir uns Gedanken über die Umsetzung unserer Vertriebskonzepte und Serviceangebote gemacht und unter Berücksichtigung der Coronamaßnahmen neue Wege erarbeitet, um unsere Kunden zu bedienen."

Für Widmann stehen die Zeichen nun auf "schnelleren und intensiveren Einsatz neuer digitaler Kommunikationskanäle und schnellerer Digitalisierung von Arbeitsprozessen, die eventuell schon etwas überfällig waren". Die Widmann-Gruppe hat in der Coronakrise bereits "eine erhebliche Anzahl von Mitarbeitern" im Homeoffice eingesetzt. Das soll auch nach der Krise so bleiben, wenn auch in geringerem Ausmaß. Die Geschäftsführerin beobachtet zudem ein verändertes Kundenverhalten durch die neuen, digitalen Kommunikationskanäle "Dies bietet für uns aber auch immense Chancen, unsere Kunden schneller, direkter und besser zu betreuen", betont sie.

Beide Autohausgruppen haben in verschiedenen Bereichen und Abteilungen das Instrument der Kurzarbeit eingesetzt, aber kein Personal abgebaut. Die Autowelt Marton+, die ein Seat-Autohaus mit 17 Mitarbeitern in Schwäbisch Gmünd betreibt, konnte bislang auf Kurzarbeit verzichten. "Der Markt hat stark eingebüßt", stellt Geschäftsführer Bernd Marton fest. In seinem Betrieb seien die Verkaufszahlen aber stabil geblieben,

Nicht nur die Auflagen, auch die Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten macht sich bemerkbar. Bierschneider-Geschäftsführer Daniel Barban betont: "Unsicherheit in der Bevölkerung und das Zurückstellen von Investitionen wie Autokauf und fälligen Reparaturen haben bis heute merkliche Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft." Überdies ersetzen Homeoffice und Videokonferenzen Pendler-Fahrten und Geschäftsreisen mit dem Auto.

Die gesamte automobile Welt wird vielschichtiger.

Lisa Widmann Geschäftsführerin

Lisa Widmann zieht für ihre Gruppe eine gemischte Zwischenbilanz: "Im Transporter- und Lkw-Service waren die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich, mittlerweile verzeichnen wir an den meisten Standorten wieder einen nahezu normalen Geschäftsverlauf. Im Verkauf hatten wir sowohl bei Pkw als auch Transportern und Lkw kurzfristig mit Rückgängen zu tun." Mittlerweile, so Lisa Widmann, könne das Unternehmen auch im Verkauf in nahezu allen Regionen und Sparten wieder einen normalen Geschäftsverlauf verzeichnen. Wie sich steigende Inzidenzzahlen auswirken, kann niemand voraussagen. Der Verband ZDK kritisiert unterdessen die neuerliche Verlängerung des Lockdowns und fordert stattdessen eine Öffnungsstrategie mit flächendeckenden Schnelltests und Systemen digitaler Kontaktnachverfolgung.

Der Automarkt ändert sich nachhaltig

Wie andere Branchen hoffen die Autohändler auf Nachholeffekte, wenn die Krise ausgestanden ist. Bernd Marton sagt: "Die jährliche Inspektion muss ja ohnehin gemacht werden und Besitzer älterer Fahrzeuge müssen sich irgendwann ein neues kaufen. Aber das Konsumentenverhalten wird sich ändern, das Geschäft wird insgesamt weniger."

Überdeutlich ist der Trend zur E-Mobilität. Jedes fünfte in Deutschland neu zugelassene Fahrzeug im Februar war entweder ein reines Elektro- oder ein Hybridfahrzeug. Der hohe Anteil hat allerdings mit dem Einbruch bei klassischen Verbrennern zu tun. Bei Marton drehen sich seit der Jahreswende knapp 70 Prozent der Aufträge, Beratungen und Anfragen um Elektro- und Hybridfahrzeuge - bei Gewerbekunden sogar noch mehr.

Lisa Widmann sieht die gesamte Kfz-Branche im Wandel. Eine neue "Mobilitätswelt" mit dem Einsatz neuer, alternativer Antriebe werde die Zukunft beeinflussen: "Nicht zu vergessen, die Möglichkeiten, die sich durch die enorme Entwicklung bei der Vernetzung von Fahrzeugen ergeben. Die gesamte automobile Welt wird dadurch vielschichtiger."

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