Das FEM macht sich fit für die Zukunft

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Das FEM forscht unter anderem im Bereich der additiven Fertigung.
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Die Planungen für die Erweiterung in Gmünd laufen auf Hochtouren, die Fördermittel sprudeln: Wie das FEM an der Industrie der Zukunft forschen will.

Schwäbisch Gmünd

Rund eine halbe Million Euro erhält das Gmünder Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie (FEM) vom Land für den Ausbau der Energieforschung. „Die Materialforschung, insbesondere in Zukunftsbereichen wie Batterie- und Wasserstoffforschung, ist ein Schlüsselbereich für die Entwicklung des gesamten Wirtschaftsstandorts Deutschland im internationalen Wettbewerb“, sagt Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. „Kleine und mittlere Unternehmen sind von Änderungen im technologischen Umfeld besonders betroffen. Gerade in diesem Bereich kann das FEM mit seinem wirtschaftsnahen Forschungsansatz kompetente Unterstützung leisten.“ Für das Institut ist die Zusage ein wichtiger Schritt, allerdings nicht der einzige. Denn am Gmünder Institut laufen die Forschungen zu Zukunftsthemen der Industrie auf vollen Touren – und ebenso die Planungen für den Erweiterungsbau, der bereits 2023 fertig sein soll.

„Aktuell forschen wir an 27 geförderten Projekten“, erklärt Institutsleiter Dr. Andreas Zielonka. Hinzu kommen die Entwicklungskooperationen mit den Unternehmen aus den Bereichen Edelmetalle und galvanische Oberflächenveredlung. Mit den Projekten leiste man einen wichtigen Beitrag auf wichtigen Zukunftsfeldern wie Energietechnik, Digitalisierung und Recycling und Materialforschung. Einen besonderen Schwerpunkt bildet am FEM die Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellenforschung.

Für Aufsehen hatte im vergangenen Jahr die Arbeit des Instituts an einem Wasserstofffahrrad gesorgt. „Es ist zwar unwahrscheinlich, dass in einigen Jahren nur noch wasserstoffbetriebene Fahrräder in Gmünd fahren werden, aber im Laufe des kommenden Jahres wollen wir einen Prototyp präsentieren.“ Angetrieben werde das Fahrzeug von einer am FEM entwickelten Mini-Brennstoffzelle, an der die Gmünder bereits seit zehn Jahren arbeiten und die nun in der vierten Generation vorliegt. Ganze 400 Gramm wiegt die Brennstoffzelle und leistet dabei 400 Watt. „Aktuell arbeiten wir an einem passenden Wasserstofftank“, erklärt Zielonka. Auch der darf nicht zu klobig sein, schließlich wolle man kein Moped, sondern ein Fahrrad entwickeln, das auch einem ansprechenden Design gerecht werden soll.

Auf die Idee kam Zielonka gemeinsam mit dem ehemaligen Radsportprofi Mike Kluge, der für das Vorhaben ein eigenes Unternehmen, die Bike-ovation, gegründet hat. „In einem zweiten Schritt können wir die Technologie nutzen, um sie etwa bei Lastenfahrrädern einzusetzen“, sagt Zielonka. Die Forschung könne einen wichtigen Beitrag zur urbanen Mobilität der Zukunft leisten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

„Wir freuen uns über die zahlreichen Förderzusagen“, erklärt Zielonka. Die zugesagten Mittel lägen deutlich über den Planungen. „Das sorgt für Sicherheit und Stabilität in schwierigen Zeiten.“ Immerhin beschäftigt das Institut rund 90 Mitarbeitende, die meisten davon verfügen über, anders als bei anderen Forschungseinrichtungen, unbefristete Arbeitsverträge. „Das garantiert Kontinuität und Know-how, erfordert aber auch einen steten Mittelfluss.“ Das FEM finanziert sich aus drei Quellen: ebenjene Förderzusagen, Projekte mit und für die Industrie und einem Landeszuschuss. Wegen der Corona-Pandemie seien die Einnahmen durch Projekte mit Firmen zuletzt etwas gesunken, allerdings weniger stark als befürchtet. „Auch hier liegen wir oberhalb der Planungen, so dass wir in Summe ein erfolgreiches Jahr 2021 bilanzieren können.“

Im nächsten Jahr feiert das FEM seinen 100. Geburtstag. Rechtzeitig zum großen Fest gehen die Vorbereitungen für einen weiteren Meilenstein in die heiße Phase: Das FEM will seinen Standort in Schwäbisch Gmünd vergrößern. Rund 14 Millionen Euro soll das kosten, finanziert wird es komplett aus Mitteln der EU. „Im Rahmen der Förderinitiativen RegioWIN und dem Corona-Programm React werden vor allem innovative Einrichtungen gefördert“, erklärt Zielonka. Rund 50 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Im Anbau ist im Erdgeschoss ein großer Konferenzsaal, der multifunktional genutzt werden kann, geplant, in den oberen Etagen ist Platz für Büros und Labore. Die unbebaute Fläche wird begrünt, die Parkplätze verschwinden, ebenso wie die Autos, für die dann Platz in der Tiefgarage ist.

„Geplant ist eine klare, ruhige Architektur“, sagt Zielonka. „Die Metallfassade wird einen silbernen Kontrapunkt zum goldenen Forum in Gmünd bilden.“ Der Bauantrag ist bereits gestellt, sobald die Baugenehmigung da ist, könne es losgehen. Fertig sein soll das Gebäude bereits 2023. Mit der Erweiterung ist das FEM auch gerüstet für das geplante Wachstum. Weiteren Schwung erwartet sich der Institutsleiter von der neuen Bundesregierung. „Wir verfolgen die politischen Aktivitäten mit großem Interesse und sind überzeugt, dass wir mit unseren Forschungsfeldern zentrale Zukunftsthemen aufgreifen.“ Die nächsten Förderzusagen dürften also nur noch eine Frage der Zeit sein.

Wir können in Summe ein erfolgreiches Jahr 2021 bilanzieren."

Dr . Andreas Zielonka, Leiter FEM

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