Das ist dran am Hype um Scoperty

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Denkbar einfach gelangen Nutzer beim Portal Scoperty zu möglichen Preisen für Immobilien im ganzen Land.
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Die neue Immobilien-Plattform Scoperty sorgt für Furore. Bettina Winter-Schulligen erklärt, welches Geschäftsmodell sich dahinter verbirgt – und wo die Grenzen des Portals liegen.

Schwäbisch Gmünd

Nur ein paar Klicks, ein schneller Zoom in die Karte, schon weiß man, wie viel die eigene Immobilie wert ist – oder die der Nachbarn. Eine Anmeldung, wie bei anderen Portalen, ist nicht nötig: Das Immobilienportal Scoperty lockt derzeit viele Immobilienbesitzer und -sucher mit einem denkbar einfachen Konzept. Das Portal, das eigenen Angaben zufolge Informationen (sprich: Preise) zu 35 Millionen Immobilien in Deutschland zur Verfügung stellt, wirft dennoch einige Fragen auf. Im Interview erklärt Bettina Winter-Schulligen, Regionaldirektorin des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft (bvfi) und Geschäftsführerin von GAMUNDIA Immobilien, ob der Hype um Scoperty berechtigt ist.

Frau Winter-Schulligen, was ist das Geschäftsmodell von Scoperty?

Bettina Winter-Schulligen: Scoperty ist eine der vielen sogenannten Property-Tech-Firmen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind und schnelle, kostenlose und einfache Immobilienbewertungen versprechen. Neu ist, dass die Informationen in einer für jeden zugänglichen Karte dargestellt werden. Jeder Eigentümer kann dort nicht nur sehen, was die eigene Immobilie, sondern auch die der Nachbarn, wert sein soll. Scoperty möchte hier eine Art von Vormarkt für Immobilien schaffen – bevor der eigentliche Verkaufsprozess beginnt – und gibt keine genauen Preise an, sondern Schätzwerte mit Spannen von bis zu 300 000 Euro pro Immobilie. Die Plattform bedient natürlich auch den klassischen Immobilien-Voyeurismus: Was ist mein Häuschen wert, wie viel das meiner Freunde und Bekannten? Das ist für viele Nutzer reizvoll.

Woher bezieht Scoperty die Daten?

Die Plattform bedient den klassischen Immobilien-Voyeurismus.

Bettina Winter-Schulligen Regionaldirektorin bvfi

In erster Linie ruft Scoperty diese aus Geodatenportalen oder von Kataster- und Liegenschaftsämtern ab. Hinzu kommen Daten des Immobiliendienstleisters Sprengnetter, ein Kooperationspartner von Scoperty, sowie von der Großbank INGDiba. Beide Firmen sind zudem an dem Portal beteiligt. Transparent ist die Berechnung nur bedingt. Die bereits genannten großen Spannen resultieren aus fehlenden Daten: Viele entscheidende Kriterien wie zum Beispiel die tatsächliche Wohnfläche, Baujahr, Ausstattung und Modernisierungen oder Details aus dem Grundbuch, die den Wert einer Immobilie entscheidend definieren, werden nicht oder kaum berücksichtigt.

Auf Internetportalen sind die Bewertungen der Plattform bisher wenig schmeichelhaft, viele wittern Verstöße gegen den Datenschutz…

Ich bin keine Datenschutz-Expertin, kann den Ärger vieler Nutzer jedoch nachvollziehen. Auf Scoperty tauchen in Einzelfällen Daten auf, bei denen man sich schon die Frage stellen darf, wie das Portal an diese gekommen ist. Der Datenschutz spielt in Deutschland auch in der Immobilienbranche eine wichtige Rolle, ich selbst verbringe als Geschäftsführerin mehrere Stunden in der Woche allein mit der Erfüllung der Richtlinien, etwa der Datenschutzgrundverordnung. Aber ich kann nicht seriös abschätzen, ob hier Verstöße vorliegen.

Die Plattform verspricht einen einfachen Verkauf von Immobilien und will Immobilienmakler überflüssig machen…

Für einen erfahrenen Immobilienverkäufer oder die Veräußerung einer gewöhnlichen Immobilie könnte die Plattform eine interessante Option sein. In diesen Fällen benötigte man aber auch vor Scoperty nicht zwingend einen Makler. Zudem kann es reizvoll sein, den Markt einfach mal auszutesten, zu schauen, ob es vielleicht einen Interessenten gibt, der mir einen Wunschpreis, den ich auf der Plattform nach Registrierung angeben kann, zahlen will. Scoperty vergibt Verkaufsanfragen bei Bedarf an Makler, die dafür eine Gebühr entrichten. Wenn der Verkauf hingegen etwas komplexer wird, etwa mehrere Wohnparteien in der Immobilie betroffen sind, eine Erbengemeinschaft ins Spiel kommt oder es sich bei dem Objekt nicht um eine reine Wohnimmobilie handelt, dürfte das System schnell an seine Grenzen stoßen. Da reicht die Check-Liste, die das Portal Käufern oder Verkäufern an die Hand gibt, meiner Erfahrung nach nicht aus. Eine Immobilientransaktion ist nicht nur immer mit Risiken und dadurch drohenden Kosten, etwa, was die Haftung oder eine mögliche Rückabwicklung betrifft, sondern auch mit umfangreichen, teilweise sehr spezifischen Tätigkeiten verbunden.

Denkbar einfach gelangen Nutzer beim Portal Scoperty zu möglichen Preisen für Immobilien im ganzen Land.
Denkbar einfach gelangen Nutzer beim Portal Scoperty zu möglichen Preisen für Immobilien im ganzen Land.

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