Der Campingplatz der Zukunft

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Andreas Kolb (links) und Axel Woisetschläger haben das Start-up Campkit gegründet.
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Mehr als 2800 Campingplätze gibt es in Deutschland. Die Aalener Firma Campkit will deren Betreiber fit für die Zukunft machen – denn die liegt in der Digitalisierung.

Aalen

Urlaub auf dem Campingplatz boomt seit vielen Jahren. Davon profitieren natürlich auch die Betreiber dieser Plätze, alleine knapp 2800 gibt es inzwischen in Deutschland. Das Geschäft läuft gut, auch in – oder gerade wegen der Pandemie. Wo viele Betreiber indes Nachholbedarf haben, ist im Bereich der Digitalisierung. „Viele arbeiten noch mit Magnettafel und Excel-Tabelle, wenn es darum geht, den Platz zu organisieren“, erklärt Axel Woisetschläger. Auch Webseiten und weitere Elemente einer digitalen Infrastruktur werden von vielen eher stiefmütterlich behandelt. Woisetschläger und Andreas Kolb, beides Informationsdesigner und Inhaber der Digitalagentur Understood in Aalen, haben deshalb ein Unternehmen gegründet: Campkit soll das Camping auf die nächste Stufe der Digitalisierung bringen.

Das „Campkit“ ist ein digitaler Werkzeugkasten, um den Campingplatz vollständig zu digitalisieren und im Web zu vermarkten: von der Anfrage und Buchung über die Website bis hin zur Platzverwaltung und der Abrechnung. Betreiber können dabei einzelne Programmmodule des Campkit frei wählen, das reicht von einem Buchungssystem hin zum komplett digitalen Campingplatz mit Sensoren, die die Einfahrt von Fahrzeugen anhand deren Kennzeichen kontrollieren oder volle Mülleimer erkennen. „Aktuell stehen acht Module zur Verfügung“, erklärt Kolb. „Wir unterstützen Campingplätze entlang der gesamten digitalen Prozesskette – von der Vermarktung, Anfrage und Buchung bis zur digitalen Platzverwaltung und Abrechnung.“ Auf die Idee gekommen sind die Beiden während eines Auftrags für die Agentur Understood.

Anfang 2020 sollten die Aalener für einen Kunden eine umfassende Marktrecherche über die Digitalisierung der Tourismusbranche erstellen. Aus einem Artikel im DTV-Magazin konnte das Potential für die Digitalisierung  in der Campingbranche mit aktuellen Statistiken entnommen werden. Danach entstand im Sommer 2020 ein Kontakt mit Alexej Ortlepp, der den Campingplatz Hirtenteich in Essingen-Lauterburg betreibt. Das erste Pilotprojekt war geboren, Kolb und Woisetschläger legten los, ein erstes Konzept lag im Herbst vor, anschließend startete die Suche nach Partnern. Denn: Die Unternehmer verstehen Campkit auch als Teamwork. „Wir sehen uns als Partner in einem vielfältigen Netzwerk“, betont Kolb. Es gehe nicht darum, bestehende Player auf dem Markt herauszufordern oder zu verdrängen, sondern um die Integration verschiedener Dienstleister, zu denen auch das Zentrum für digitale Entwicklung (ZDE) aus Westhausen gehört, zu einem „Rundum-Sorglos-Paket“, wie es die beiden Gründer nennen.

Für den Campingplatz Hirtenteich hat das Duo bereits eine Lösung entwickelt. Anfang 2021 wurde dann die Submarke von Understood, Campkit, entworfen, danach kamen weitere Partner hinzu. Gegründet haben Kolb und Woisetschläger das Unternehmen im August 2021. Sitz des Unternehmens ist das Innovationszentrum INNO-Z in Aalen.

„Die Digitalisierung ist unser tägliches Brot und eine Herzensangelegenheit“, umschreibt Woisetschläger die Motivation. Als Unternehmer lässt er aber natürlich auch die wirtschaftliche Komponente nicht außer Acht. Das Marktpotenzial von Campkit ist groß, schätzt er. „Die Campingbranche hat im Bereich der Digitalisierung eindeutig Nachholbedarf, aber auch das Budget, um sich hier weiterentwickeln zu können.“ Rund ein Drittel der knapp 2800 Campingplätze in Deutschland will man mit Campkit erreichen – zuerst Baden-Württemberg, dann deutschlandweit. Zupasskommen könnte den beiden Gründern der demografische Faktor. „Viele Campingplätze stehen jetzt zur Übergabe an die nächste Generation an, die deutlich digitalaffiner ist“, so Kolb. Das Duo hat laut eigenen Angaben bereits mehrere Großanfragen. Die Campingplätze in Deutschland könnten also bald um einiges smarter werden als bislang.

Trotz des guten Starts von Campkit wollen die beiden Designer das gemeinsame Unternehmen Understood, für das aktuell acht Beschäftigte angestellt sind, nicht vernachlässigen. „Die Agentur läuft gut und wird unsere Basis bleiben“, betonen die beiden Geschäftsführer. Das Unternehmen haben die beiden im Jahr 2010 gegründet. Mit Campkit ist nun das nächste Projekt erfolgversprechend gestartet.  

Wir unterstützen Campingplätze entlang der gesamten digitalen Prozesskette."

Gründer, Campkit, 

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