Der Kampf der Hüttenwerke mit den Energiepreisen

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Eisenguss bei SHW in Königsbronn.
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Energieintensive Betriebe wie die Königsbronner Firma stehen in diesen Zeiten unter enormem Druck. Warum sich das traditionsreiche Unternehmen dennoch gut schlägt.

Königsbronn.

Eigentlich laufen die Geschäfte bei den Hüttenwerken Königsbronn glänzend. Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage nach den riesigen Gussprodukten, zum Beispiel Walzen für Papiermaschinen, sehr gut. „Wir können uns wirklich nicht beklagen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Heiko Hesemann, der das 1365 gegründete und 2019 aus der Insolvenz heraus übernommene Unternehmen seit Ende 2019 führt und mit dem langjährigen Führungsteam auf stabile, gesunde Beine gestellt hat. Was Hesemann allerdings zunehmend Sorgen bereitet sind die Energie- und Rohstoffpreise. „Während sich die Lage auf dem Rohstoffmarkt zuletzt etwas beruhigt hat, ist der rasante Anstieg der Energiepreise für ein energieintensives Unternehmen wie das unsere natürlich eine große Belastung“, sagt Hesemann.

Bereits im vierten Quartal 2021 hatten die Preise für Gas und Strom deutlich angezogen, doch in diesem Jahr hat sich die Entwicklung nochmals deutlich verschärft. Bereits Ende Juli sind die gesamten Energiekosten des Vorjahres erreicht. „Wir können zwar einen Teil der Kosten an unsere Kunden weitergeben“, erläutert Hesemann. Allerdings würden die Energiepreise konkrete Kalkulationen erschweren.

Die Projekte, etwa Walzen für Papiermaschinenkalander oder hochverschleißfeste Bauteile für Mühlen, haben lange Durchlaufzeiten, von der Auftragserteilung bis zur Fertigung vergehen teils mehrere Monate, in denen der Preis für Strom, mit dem die Hüttenwerke ihre Öfen betreiben, zuletzt stets weiter gestiegen ist. Das drückt einerseits auf die Margen, andererseits auf die Liquidität. Gefahr für die Hüttenwerke bestehe aber nicht: „Trotz der Herausforderungen stehen wir auf einem finanziell stabilen Fundament“, sagt der Geschäftsführer.

Das liegt auch an einem trotz der Energiepreise weiter intaktem Markt, vor allem aus der Papierbranche kommen derzeit viele Aufträge. Dass die Hüttenwerke die höheren Kosten weitergeben können, liegt unter anderem an der Struktur des Marktes; die relevante Konkurrenz kommt aus Deutschland, die mit den gleichen Problemen und Rahmenbedingungen zu kämpfen hat. „Wir haben auch aufgrund der Komplexität und Qualitätsanforderung unserer Produkte keine Wettbewerber aus Osteuropa oder Asien, die mit niedrigeren Lohn- und Energiekosten natürlich billiger produzieren könnten“, betont Hesemann.

Dennoch sind die Energiepreise eine massive Belastung. „Setzt sich die Entwicklung so fort, werden wir wahrscheinlich unter Preisdruck geraten,“ sagt der Geschäftsführer. Hilfe vom Staat gibt es derzeit vor allem in Form des sogenannten Energiekostendämpfungsprogramm, kurz EKDP, das laut Wirtschaftsministerium „temporäre Zuschüsse zu gestiegenen Erdgas- und Strompreisen in besonders betroffenen Branchen“ vergibt. Hesemann: „Das Problem am EKDP für viele Betriebe ist der Rechenschlüssel des Programms, der auch eine Reaktion auf Konstruktionsfehler früherer Subventionen ist.“

Die Basis der Berechnung bilden die (im Vergleich zu den Vorjahren ohnehin erhöhten) Energiekosten des Jahres 2021. Dieser Wert wird verdoppelt. Jene Kosten, die über dieser Summe sind hernach bis zu 30 Prozent förderfähig. „Aus Sicht des Staates ist das natürlich nachvollziehbar, aber es deckt die erheblichen Mehrkosten nur zu einem kleinen Bruchteil“, sagt der Unternehmer, der deshalb vorschlägt, ein vereinfachtes KfW-Programm aufzusetzen, damit gefährdete Firmen mit günstigen Darlehen etwaige Finanzierungslücken füllen und diese überbrücken können. Dabei muss das Programm auch von jungen Unternehmen gut in Anspruch genommen werden können.

Die Hüttenwerke selbst haben auf die aktuelle Lage am Energiemarkt bereits reagiert. Die Gasheizung, mit der aktuell die Räume erwärmt werden, hat ausgedient, stattdessen wurde ein Öltank, der zuletzt als Notfallreserve diente, und die Ölheizung reaktiviert. „Durch die Entwicklung des Gaspreises rechnet sich das in jedem Fall und macht uns unabhängiger von der Lage am Gasmarkt“, sagt Hesemann.

Die Hüttenwerke Königsbronn wurden 1365 gegründet.
In Königsbronn werden zum Beispiel Walzen für Papiermaschinenkalander produziert.
Eisenguss bei SHW in Königsbronn.

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