Die häufigsten Fehler beim Vererben

+
Mario Costa ist Generationenberater bei der Kreissparkasse Ostalb.
  • schließen
  • Robert Schwarz
    Robert Schwarz
    schließen

Mario Costa, Generationenberater, Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter bei der Kreissparkasse Ostalb, erklärt, was es zu beachten gilt.

Aalen

Mario Costa ist Generationenberater, Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter bei der Kreissparkasse Ostalb. Im Interview verrät er, was beim Thema Testament zu beachten ist.

Löst nicht bereits die gesetzliche Erbfolge die wesentlichsten Probleme?

Nun, die gesetzliche Erbfolge führt in den seltensten Fällen zu den gewünschten Resultaten. Sie kann dazu führen, dass unerwünschte Personen erben, die Quoten unangemessen sind, heikle Erbengemeinschaften entstehen, der Ehepartner nur unzureichend beteiligt wird und erbschaftsteuerliche Nachteile die Folge sind. Bei dieser Gemengelage wird mehr als deutlich, warum eine eingehende Beratung erforderlich ist. In der Konsequenz bleibt dem potenziellen Erblasser nur, seine individuellen Wünsche in einem Testament oder Erbvertrag zu regeln.

Was sollte man in jedem Fall als ersten Schritt unternehmen?

Wichtig ist es, sich rechtzeitig um Vollmachten und Anordnungen zu kümmern. Zur Verfügung stehen hier Generalvollmachten, Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen. Außerdem kommt der Absicherung der Hinterbliebenen große Bedeutung zu. Hierbei unterstützt die Sparkasse zum Beispiel durch die Erstellung einer Vermögensübersicht als Grundlage aller weiteren Planungen. Es bietet sich an, einen Notfall-Ordner anzulegen in dem alle für die Erben wichtigen Informationen enthalten sind. Außerdem erstellen wir eine Ist-Situation anhand des Familienstammbaums und klären über Vorsorgemöglichkeiten für den Notfall auf, stellen die Einnahmen- und Ausgabensituation dar – und sichern so auch die Altersversorgung.

Welche Fehler passieren Vererbenden am häufigsten?

Kein Testament aufsetzen, bei Schenkungen nicht an den Pflichtteil denken, keinen Testamentsvollstrecker bestimmen, steuerliche Freibeträge nicht ausschöpfen.

Wie lässt sich zum Beispiel Streit unter Erben vermeiden?

Absehbare Schwierigkeiten vor dem Tod regeln, bereits das Entstehen einer Erbengemeinschaft verhindern, die Testamentsvollstreckung anordnen, Teilungsanordnungen im Testament treffen, die Erben durch Auflagen lenken und leiten, Teilungsverbote anordnen, wichtige Teile des Vermögens zu Lebzeiten übertragen, zum Beispiel durch Schenkungen.

Gibt es Möglichkeiten, Abgaben zu Lebzeiten zu reduzieren?

Es gibt ganz verschiedene Wege. Neben Freibeträgen sind vor allem Schenkungen zu Lebzeiten eine gute Möglichkeit. Durch das geschickte Nutzen der Freibeträge lässt sich die Steuerlast erheblich senken. Es können sowohl Immobilien als auch Geldsummen verschenkt werden. Auch Versicherungen bieten durch die flexiblen Möglichkeiten der Vertragsgestaltung diverse Optionen, um die Freibeträge bei Erbschaft und Schenkung optimal auszuschöpfen. Durch die Wiederverfügbarkeit des Schenkungsfreibetrags nach zehn Jahren lohnt es sich besonders, frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Die genaue Gestaltung von Erbe und Schenkung sollte immer in enger Absprache mit dem Steuerberater erfolgen.

Was gibt es beim Thema Erbrecht generell zu beachten?

Viele Erbfälle sorgen für Streit in der Familie und nicht selten landen sie auch vor Gericht. Deswegen sollte sich jeder frühzeitig informieren – ob als potenzieller Erbe oder als Erblasser, also als derjenige, der vererbt. Erbstreitigkeiten verhindert man, indem man Erbengemeinschaften vermeidet und eine professionelle Testamentsvollstreckung frühzeitig einbindet. Generell sollte sich jeder über folgende Fragen Gedanken machen: Muss ich überhaupt ein Testament machen? Wie gestalte ich ein Testament? Passt die gesetzliche Erbfolge? Was ist meine aktuelle Situation? Wie hoch ist die Steuerlast bei den Erben? Und wer erbt bei Patchwork-Familien? Kommt eine Schenkung in Frage, sozusagen das Vererben „mit warmer Hand“?

Immer mehr Menschen vermachen ihr Vermögen an gemeinnützige Organisationen.

Bei der Kreissparkasse Ostalb kann eine gemeinnützige Stiftung ab einem Stiftungskapital von rund 25.000 Euro errichtet werden. Wir kümmern uns dabei zuallererst um die Prüfung der Umsetzbarkeit des Stiftungszwecks und dann umfassend um die Errichtung und Begleitung einer Stiftung. Beim Stiften im Testament ist die Vorbereitung das A und O. Name, Sitz und Zweck der Stiftung, die Höhe des einzubringenden Vermögens sowie die Bildung des Vorstands gehören ins Testament. Unser umfassendes Wissen und unsere langjährige Erfahrung in der Betreuung sparkasseneigener Stiftungen und zahlreicher Kundenstiftungen kommt unseren Kunden hierbei zugute. Interessenskonflikten und Missverständnissen unter den Erben oder mit Nachlassrichtern lässt sich vorbeugen, indem man einen professionellen Testamentsvollstrecker mit der Errichtung der Stiftung beauftragt.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare