Die Ostalb entdeckt die Aktie

+
Der Vorstand der KSK Ostalb von links: Dr. Christof Morawitz, Markus Frei, Dr. Tobias Schneider.
  • schließen

Gute Zahlen zum runden Geburtstag: Die KSK Ostalb absolviert ein solides 2021. Das Wertpapiergeschäft boomt, die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist weiter riesig.

Aalen

Runde 170 Jahre wird die Kreissparkasse Ostalb 2022 alt – und in das Geburtstagsjahr startet die Bank dank eines starken Kreditgeschäfts mit ordentlich Rückenwind, hat aber dennoch auch mit dem weiter sinkenden Zinsüberschuss zu kämpfen. „Insgesamt war 2021 ein sehr gutes Jahr für uns“, erklärte Vorstandschef Markus Frei am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanzzahlen des vergangenen Jahres in der Aalener Haupstelle. Die Kunden auf der Ostalb wiederum entdeckten 2021 ihre Liebe zu einer Anlageform, die in Deutschland in der Vergangenheit lange auf verlorenem Fuß stand. Doch die zähe Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat es schließlich doch geschafft: Die Aktie ist auf der Ostalb endgültig angekommen.

Fast eine halbe Milliarde Euro haben die Kunden der KSK Ostalb allein im vergangenen Jahr in Wertpapiere angelegt, ein Plus von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vorstandsmitglied Dr. Christof Morawitz sieht hier einen „Dammbruch“. Jahrelang war die Aktie der Deutschen Stiefkind, nun wird auch dem konservativsten Anleger klar, dass angesichts der Inflation eine Rendite ohne Unternehmensanteile nicht mehr möglich ist.

Der Run auf die Aktien hat der KSK wiederum ein kräftig gestiegenes Provisionsergebnis beschert. Es legt um 11,6 Prozent auf 35,1 Millionen Euro zu. „Wir haben allein im vergangenen Jahr rund 2200 neue Wertpapierkunden gewonnen und 5500 Wertpapiersparpläne neu angelegt“ so Dr. Tobias Schneider, der gemeinsam mit Frei und Morawitz den Vorstand bildet.  Gleichzeitig ging das Wachstum klassischer Einlagen zurück, zwar sind sie laut Morawitz „stärker gestiegen als wir wollten“, nämlich um 1,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, doch das liegt auch den Kunden: „Die Sparquote ist weiter exorbitant hoch, die Sparneigung unserer Kunden ist ungebrochen“, erläutert er.

Beide Entwicklungen sind vor allem vor dem Hintergrund wichtig, da der Zinsüberschuss als wichtigste Einnahmequelle einer jeden Bank, weiter gehörig unter Druck steht. Jene der KSK Ostalb sank um 7,6 Prozent von 79,3 Millionen Euro auf 73,3 Millionen Euro. „Die Erträge aus dem klassischen Zinsgeschäft sind weiter rückläufig“, erklärt Schneider, der allerdings erwartet, dass 2021 die Talsohle erreicht worden ist. Für die kommenden Jahre dürfte sich der Wert stabilisieren. Umso wichtiger sei es für die Bank deshalb, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.  

Beim Zinsüberschuss wird der KSK im Prinzip ihre eigene Solidität zum Verhängnis: Denn als einlagenstarkes Institut ist die KSK darauf angewiesen, einen Teil der Einnahmen als Kredite zurück in den Markt zu bringen. Unter dem Strich hat die KSK zwar mehr als 700 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben, absolut stieg das Kreditvolumen nur um 100 Millionen Euro an. Die Kunden tilgen fleißig – oder bestreiten Investitionen aus Eigenmitteln.

So ist die Investitionsneigung der Unternehmenskunden zwar weiter vorhanden, doch viele Firmen bestreiten die Ausgaben von ihrem finanziellen Polster. Das gesamte Volumen der Ausleihungen an Unternehmenskunden steigt leicht um 3,9 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, die Entwicklung sei aber spürbar durch die Corona-Pandemie geprägt, wie Vorstandschef Frei erläutert. Für 2022 sieht er allerdings „Erholungstendenzen“ bei der Nachfrage nach Firmenkrediten. „Wir erwarten einen Anstieg der Unternehmensinvestitionen für das zweite und dritte Quartal, wenn sich die Lieferkettenproblematik und die Materialknappheit entspannt haben dürfte.“

Ganz anders sieht die Lage beim Kreditgeschäft mit Privatkunden aus. Die Nachfrage nach Baufinanzierungen befeuert hier die Nachfrage. Allein für den Kauf oder den Bau der eigenen vier Wänden der Kunden hat die KSK 2021 rund 400 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben. „Die Nachfrage ist weiter wahnsinnig groß“, sagt Morawitz.  „Ein klasse Wert“, beurteilt Frei diese Entwicklung. Bei klassischen Konsumentenkrediten (etwa fürs neue Auto) arbeitet die Bank seit Juli mit dem S-Kreditpartner der Sparkassengruppe zusammen. „Dieses Kooperationsgeschäft ist deutlich über unseren Erwartungen angelaufen“, führt Morawitz aus. Für 2022 rechnet er weiter mit einer großen Nachfrage nach Baufinanzierungen, auch das Bausparen würden angesichts der gestiegenen Eigenkapitalanforderungen eine Renaissance erleben.

Als Jahresüberschuss weist die KSK rund vier Millionen Euro aus. Laut Schneider ist das angesichts einiger Sonderfaktoren ein „sehr zufriedenstellendes Ergebnis“. So habe man 2021 deutlich mehr Steuern gezahlt als noch im Vorjahr. Das Eigenkapital hat die KSK ebenfalls gestärkt. Auf der umgangssprachlichen hohen Kante liegen inzwischen rund 679 Millionen Euro. Das sind ebenfalls grundsolide Werte. Der 170. Geburtstag kann also kommen.

Finanzkennzahlen in Euro (in Klammern Veränderung zum Vorjahr)

Bilanzsumme 6,272 Mrd. (+3,2 %)

Kundeneinlagen 4,783 Mrd. (+1,7 %)

Kundenkredite 3,795 Mrd. (+2,8 %)

Zinsüberschuss 73,3 Mio. (-7,6 %)

Provisionsüberschuss 35,1 Mio. (+11,6 %)

Jahresüberschuss 4,0 Mio. (unv.)

Mitarbeiter 934 (-6)

Die Sparquote ist weiter exorbitant hoch."

Dr . Christof Morawitz, Kreissparkasse Ostalb

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare