„Die Potenziale sind riesig“

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Das Team von Syfit um Gründer und Geschäftsführer Zoltan Demeter (2. von rechts).
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Die Aalener Firma Syfit hat ein System entwickelt, mit dem sich der Mittelstand schneller digitalisieren kann – auch die Deutsche Telekom ist von dem Konzept überzeugt.

Aalen

Ende des Jahres ist es soweit: Dann gilt Syfit nicht mehr als Start-up. 2016 als Ausgründung der RUD-Gruppe in Aalen-Unterkochen gestartet, hat das Unternehmen die ersten Stadien der Gründung hinter sich. 16 Mitarbeitende, darunter Software-Entwickler und Mediengestalter, beschäftigt Geschäftsführer Zoltan Demeter, als Standort hat man sich den Kubus in der Aalener Innenstadt ausgesucht. Die Idee hinter Syfit ist im Prinzip einfach – und doch ziemlich komplex und einzigartig.

Das Unternehmen hat ein System entwickelt, das vom Grundsatz her Dinge trackt, also verfolgt. Apple hat vor einigen Monaten die AirTags vorgestellt, die man an Geldbeutel oder Schlüssel heften und diese finden kann, falls man sie verlegt. Das Prinzip Syfit ist raffinierter: Die Aalener haben nicht nur eine Plattform entwickelt, mit der man Objekte in verschiedensten Weisen verwalten kann. „Dazu werden die Produkte oder Geräte mit RFID- oder NFC-Chips, GPS-Tracker oder im einfachsten Fall einem QR-Code versehen“, so Demeter. Sein Unternehmen bietet dafür sowohl die Software als auch die Hardware an. Das eröffnet den Firmen zahlreiche Möglichkeiten.

Beispiel: Eine Firma leiht Baugeräte oder Werkzeuge an andere Unternehmen oder Privatpersonen aus. Mit der Hardware bleibt das Gerät immer im Blick, die Software hilft bei der Verwaltung, zeigt den Standort an und berechnet nach Rückgabe etwa die Miete. Auch beim Service und der Wartung von Objekten hilft Syfit. Weiteres Beispiel: Ein Fensterbauer versieht seine Produkte mit einem NFC-Chip. Der kann im Servicefall von einem Techniker ausgelesen werden, der alle Infos zu dem Fenster auf sein Mobilgerät bekommt.

„Es gibt zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für fast jede Branche“, sagt Demeter. Das System vereinfacht nicht nur das Tracking sowie Service oder Wartung, sondern kann auch als klassisches Informationsmanagement oder als Absicherung gegen Produktfälschungen eingesetzt werden. So können Bestellvorgange vereinfacht werden und Materialplanungen kosteneffizient und zeitsparend erfolgen.

Auf die Idee kamen Demeter und sein Team, als sie noch bei RUD tätig waren. Das Unternehmen wollte seinen Kunden einen Mehrwert bieten und ließ die IT Pläne für eine Wartungsmanagement-Software für RUD-Ketten ausarbeiten. „Die Kunden haben das gut angenommen und wollten mehr davon“, erläutert Demeter. Aus diesem Projekt entstand 2016 Syfit. Beteiligt sind an dem Start-up nicht nur Demeter als geschäftsführender Gesellschafter, sondern RUD – und die Deutsche Telekom, die die Technologie als vielversprechend sieht. Das Syfit-System ist ein perfektes Beispiel für die fortschreitende Digitalisierung der Industrie, sagt Gründer Demeter.

„Wir stehen allerdings erst am Anfang dieser Entwicklung“, sagt der Geschäftsführer. Das Internet der Dinge werden ganze Branchen verändern, für Syfit könnten sich angesichts der dynamischen Entwicklung ebenfalls neue Geschäftsfelder öffnen. Natürlich gibt es in der Syfit-Nische auch Konkurrenten. Die beunruhigen Demeter allerdings nicht. „Unser System ist einzigartig, weil wir zum einen herstellerunabhängig sind.“ Zum anderen stellt Syfit nicht nur die entsprechende Hardware, sondern auch die nötige Software bereit. „Es gibt kaum ein Unternehmen, dass beide Perspektiven vereint.“ Zudem habe man ausschließlich den Kundennutzen im Blick – im Gegensatz etwa zu vielen Herstellern, bei denen die eigenen Produkte im Vordergrund stünden.

Die Idee hinter Syfit ist bestechend, doch trifft das Unternehmen auf manches Hindernis. „Natürlich ist es eine Herausforderung, das System so einfach wie möglich zu erklären“, sagt Demeter. Zum anderen seien viele deutsche Firmen noch nicht in der digitalen Welt angekommen. „Viele agieren bei dem Schritt in die Digitalisierung als Einzelkämpfer. Jeder ist so auf sich fokussiert, dass er den anderen und seine Idee gar nicht richtig wahrnimmt.“ Firmen sollten zudem den Mut haben, bei der Digitalisierung Vorreiter sein zu wollen.

Doch gerade die Zusammenarbeit zwischen Firmen, das Netzwerken, die Kooperation, sei wichtig und nötig, um den disruptiven Wandel der Digitalisierung zu bestehen und zu bestehen. „In den USA haben das viele Konzerne schon vor vielen Jahren verstanden.“ Dieses Klima der Innovation und die Netzwerke mache es für junge Firmen um einiges einfacher, um durchzustarten. Bereut hat er den Schritt vom angestellten Abteilungsleiter zum Gründer dennoch nie. „Das ist eine unglaubliche spannende Zeit und ein wahnsinnig interessantes Thema, das wir mit Syfit verfolgen“, sagt Demeter. „Die Potenziale sind riesig.“

Anlässlich der MAKE Ostwürttemberg am 25. und 26.9. an der Hochschule Aalen stellen wir wöchentlich ein Start-up aus der Region vor. Am kommenden Samstag geht es um Blackpin, die einen smarten und sicheren Messaging-Dienst für Firmen entwickelt haben.

Viele agieren bei dem Schritt in die Digitalisierung als Einzelkämpfer.“

Zoltan Demeter, Gründer von Syfit

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