Druck auf Autobranche wächst

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Vollbremsung: Die Zahl der verkauften Autos wird weltweit in diesem Jahr bei rund 70 Millionen liegen. Vor drei Jahren waren es noch fast 100 Millionen. Symbolbild: Lothar Wandtner/Pixabay
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Die SHW AG vermeldet wegen der Pandemie einen Umsatzeinbruch. Die großen Konzerne streichen tausende Stellen, Experten sorgen sich vor allem um kleine Firmen der Branche.

Aalen

Die Corona-Krise macht sich auch in der Halbjahresbilanz der Aalener SHW AG spürbar bemerkbar. Wie das Unternehmen mitteilt, ist der Umsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf 168,4 Millionen Euro zurückgegangen, der operative Gewinn brach sogar um 75 Prozent ein, auf 4,7 Millionen Euro. Allerdings habe man nach einem Tiefpunkt im April zuletzt "einen leichten Aufschwung verzeichnet", wie Vorstandschef Wolfgang Plasser erklärt.

"Dank rasch eingeleiteter Gegensteuerungsmaßnahmen konnten wir den Einfluss der Covid-19-Pandemie auf die SHW AG begrenzen", erläutert er weiter. "Aufgrund des herausforderndes Marktumfelds können wir derzeit noch nicht abschätzen, wann das Niveau vor der Krise wieder erreicht werden kann." Deshalb gelte es, vorausschauend zu agieren, sich auch ein konsequentes Kostenmanagement zu fokussieren und den Kunden auch weiterhin ein optimales Produktportfolio anzubieten, wie der Chef des Herstellers von Pumpen, Motorkomponenten und Bremsscheiben weiter ausführt.

Die Krise führt bei SHW in allen wichtigen Absatzregionen zu einem Absatzrückgang, der Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten schrumpfte um 23,3 Prozent, das Segment Bremsscheiben um 26,3 Prozent. Eine Prognose für das Gesamtjahr sei weiterhin nicht möglich. Zwar sehe man eine Stabilisierung der Rahmenbedingungen, allerdings ließen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen für 2020 "aktuell weder ausreichend ermitteln noch verlässlich beziffern", schreibt die AG weiter.

Tausende Jobs in Gefahr

Mit der Unsicherheit und den Umsatzrückgängen ist SHW natürlich nicht allein, blickt man auf die Entwicklung der Autobranche, die deutschlandweit laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 823 000 Mitarbeiter beschäftigt und für zehn Prozent der Wertschöpfung sorgt. Von Januar bis August dieses Jahres ist die Automobilproduktion weltweit laut einer Studie des Auto-Instituts um 36 Prozent zurückgegangen. Die Branche erwartet in diesem Jahr weltweit 70 Millionen verkaufte Fahrzeuge – nach 98 Millionen 2017. "Die Corona-Krise hat bestimmte Trends beschleunigt, die aber vorher schon da waren", erklärte Automobilexperte Stefan Bratzel vom Auto Institut in Bergisch Gladbach dem SWR. "Schon 2019 wussten wir, dass die Branche Überkapazitäten hat und dass die fetten Jahre vorbei sind." Die Handelskonflikte mit den USA und China, der Brexit, all dies waren dunkle Wolken am Autohorizont." Nun droht das Gewitter.

Zuletzt haben wir einen leichten Aufschwung verzeichnet.

Wolfgang Plasser Vorstandschef SHW AG

ZF, Bosch AS, Mapal und zuletzt Mahle, das den Standort Gaildorf geschlossen und in Lorch 35 der 190 Stellen abbauen will – die ersten Automobilzulieferer haben in der Region bereits einen Stellenabbau beschlossen, auch national ziehen nicht nur Konzerne wie Continental oder Schaeffler nach. Daimler will allein am Standort Untertürkheim 4000 der 19 000 Arbeitsplätze abbauen – trotz einer bestehenden Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2029.

Mehr noch sorgt die Experten allerdings die Zukunft der kleineren Zulieferer. "Von den kleinen und mittelständischen Zulieferern sind viele ernsthaft in ihrer Existenz bedroht", erklärt Automobilexperte Bratzel.

Kein Wunder also, dass von Seiten von SPD, Grünen und der IG Metall jüngst staatliche Hilfen für die Branche im Gespräch waren.

Die stoßen aber beim Verband Südwestmetall auf wenig Gegenliebe. "Ich halte von einem Mittelstandsfonds überhaupt nichts", erklärte Südwestmetall- und Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf in einem Radio-Interview. Auch Ökonomen lehnen derartige Hilfen ab, direkte staatliche Beteiligungen an Autofirmen und Kaufprämien für Verbrennungsmotoren wären laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), "kontraproduktiv, denn sie würden den Strukturwandel bremsen und nicht fördern". Dieser Ansicht ist auch Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

Er warnte im Handelsblatt: "Die Krise der Autobauer hat schon lange vor Corona eingesetzt. Sie ist struktureller, nicht konjunktureller Natur." Südwestmetall-Chef Wolf geht davon aus, dass weitere Jobs verloren gehen. "Die Situation ist extrem schwierig. Es wird massiven Abbau von Arbeitsplätzen geben."

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