Druck auf Krankenkassen steigt

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Die AOK Ostwürttemberg legt bei der Zahl der Versicherten zu.
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Die AOK Ostwürttemberg legt bei der Zahl der Versicherten zu. Die Ausgaben an die regionalen Kliniken sind überraschend stark gesunken.

Schwäbisch Gmünd

Mit einem Marktanteil von 46 Prozent ist die AOK Baden-Württemberg weiter unangefochtener Marktführer – und daran wird sich so bald nichts ändern. „Wir haben 2021 unseren Wachstumskurs moderat fortgesetzt“, sagte der Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, Hans-Joachim Seuferlein, bei der Vorlage der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres in Gmünd. Die Zahl der Versicherten steigt, der finanzielle Druck auf die gesetzlichen Krankenversicherungen ebenso: Die AOK Baden-Württemberg weist für 2021 ein Minus von 667 Millionen Euro aus.

Finanzen. Wie alle gesetzlichen Krankenkassen ist die AOK finanziell nicht auf Rosen gebettet. So haben sich die Ausgaben im Land 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Milliarden auf 16,6 Milliarden Euro erhöht. Dem stehen Einnahmen von 15,9 Milliarden Euro gegenüber. Das Finanzergebnis sei mit einem Minus von 667 Millionen Euro zwar „besser als geplant“, wie Seuferlein erklärt. Er mahnt dennoch eine grundlegende Reform der Finanzierung an. Das geplante GKV-Finanzstabilisierungsgesetz sei genau das nicht, sondern zehre die nicht üppigen Finanzreserven der Kassen auf und gehe auf Kosten der Beitragszahler.

Markt. In der Region liegt der Marktanteil der AOK bei 43 Prozent, bei der Krankenkasse sind mehr als 175 000 Menschen versichert, fast 500 mehr als 2020. Im aktuellen Jahr dürfte das Plus deutlicher ausfallen. Grund sind unter anderem die ukrainischen Geflüchteten, die zusammen mit dem Anspruch auf Arbeitslosenhilfe II bei den Krankenkassen versichert werden. Viele Wechsel zwischen den Krankenversicherungen gab es 2021 nicht. „Die Wettbewerbssituation ist wenig dynamisch“, sagt Seuferlein. Das könnte sich angesichts der aktuellen Lage mit steigenden Kosten für die Verbraucher bald ändern.

Digitalisierung. Die digitalen Angebote hat die AOK während der Corona-Pandemie ausgebaut. Die Digital-Beratung erfreue sich ebenso steigender Beliebtheit wie das Online-Kundencenter, das im Land bereits eine halbe Million Versicherte nutzen. „Unser Ziel sind zwei Millionen Nutzer bis Ende 2023“, so Seuferlein, der parallel die persönliche Beratung an den Standorten ausbauen will, um etwa „komplexere Anliegen“ zu klären.

Kliniken. Gesunken sind die Ausgaben der AOK Ostwürttemberg an die Kliniken, um 1 Million auf 115,8 Millionen Euro. Zentraler Grund: „Die Zahl der Behandlungen im Stauferklinikum und in der St.-Anna-Virngrund-Klinik ist relativ stark zurückgegangen“, erklärt Seuferlein. In Mutlangen sank die Zahl der von der AOK finanzierten Behandlungen um 600 auf rund 7500, in Ellwangen um mehr als 300 auf rund 3000. Seuferlein führt das zum einen auf den Personalmangel in den Kliniken, zum anderen auf die Patienten zurück, die nur zwingend notwendige stationäre Leistungen in Anspruch genommen haben.

Prävention. Die digitalen Kanäle bieten zusätzliche Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Online-Kurse können auf Abruf oder interaktiv besucht werden. Auch analog steigt die Nachfrage nach Präventionskursen nach der Corona-Delle wieder: in der Rückenschule wurden 3000 Trainingseinheiten angeboten. Pro Versicherten gibt die AOK rund 7,35 Euro pro Jahr aus. Bei den Firmen erfreut sich das betriebliche Gesundheitsmanagement großer Beliebtheit: 2021 habe man 220 Unternehmen beraten, so Seuferlein.

Nachhaltigkeit. Das Logo ist grün, auch die AOK will es bei den CO2-Emmissionen werden. Bis 2030 will die Krankenkasse klimaneutral sein, seit 2020 ist sie Mitglied des Klimabündnisses Baden-Württemberg. Pro Jahr emittiert die AOK im Land 18 700 Tonnen CO2. Um diesen Wert zu reduzieren, wird lokal investiert: So wird der Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umgestellt, am Standort in Aalen wird eine PV-Anlage installiert, in Gmünd ist Ähnliches geplant.

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