Eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben

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Ausbildung
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Für viele Jugendliche steht die Wahl des Ausbildungsplatzes an. Was es für Bewerber wie Firmen zu beachten gilt.

Aalen. Schülerinnen und Schüler haben sich längst schlau gemacht: Besonders diejenigen, bei denen heuer die Abschlüsse ins Haus stehen. Wie geht es weiter nach der Schule? Welche der zahlreichen Möglichkeiten für eine Ausbildung, ein Studium oder eine Kombination aus beiden, ist richtig für mich? Nie waren die Chancen so gut wie jetzt, einen Ausbildungsplatz in einem zukunftsfähigen Job nach Wunsch zu ergattern.

Wie kaum anders zu erwarten, bestimmt Corona auch den Ausbildungsmarkt, wie die Agentur für Arbeit Aalen auf Anfrage mitteilt. So war die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Beratungsjahr 2020/21 weiterhin stark von den Folgen der Pandemie-Maßnahmen geprägt. Von Oktober 2020 bis September 2021 ist sowohl die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber, als auch die Zahl der Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Viele Einschränkungen und fehlende Möglichkeiten – wie zum Beispiel Praktika und Ausbildungsmessen – wurden durch digitale Angebote ersetzt, um die Folgen abzumildern und den Jugendlichen ein möglichst großes Angebot an Beratung und Informationsquellen zu bieten.

Aber auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn war auf dem Ausbildungsmarkt noch einiges los. Der 1. September darf nicht als alleiniger und statischer Startschuss wahrgenommen werden. „Für Kurzentschlossene, Spätstarter, oder junge Menschen, die sich nochmals umentschieden haben, gibt es noch ein gewisses Zeitfenster, um doch noch einen anderen Weg einzuschlagen“, betont Claudia Prusik, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Aalen. Die Arbeitsagentur spricht hier vom sogenannten 5. Quartal. Zusammenfassend könne man nach diesem 5. Quartal vor allem folgendes Fazit ziehen: Auf dem Ausbildungsmarkt blieben 2021 viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Das liegt daran, dass Stellen und Bewerber regional, von der Qualifikation oder beim Berufsfeld nicht zusammenpassen.

Der befürchtete Corona-Jahrgang, der in 2021 keine Ausbildung oder Studium fand, ist zwar nach den Erfahrungen der Arbeitsagentur ausgeblieben. Gleichzeitig wächst jedoch die Zahl der jungen Menschen, die pandemiebedingt ihre Ausbildung verschieben und stattdessen weiterhin die Schule besuchen, ein Studium aufnehmen oder jobben. „Vor dem Hintergrund des hohen Fachkräftebedarfs kann ich allen Jugendlichen nur empfehlen, das Thema Berufsorientierung nicht auf die lange Bank zu schieben und allen Unternehmen ihre Ausbildungsbereitschaft beizubehalten“, sagt Claudia Prusik und fügt hinzu: „Die Region wird jede einzelne Fachkraft brauchen. Die Agentur für Arbeit Aalen unterstützt nicht nur mit der Berufsberatung die Jugendlichen, sondern auch die Unternehmen mit dem Arbeitgeber-Service.“

In welchen Bereichen werden besonders Auszubildende gesucht? Ganz oben bei den in der Region gemeldeten Ausbildungsstellen stehen die Kaufleute im Einzelhandel. Hier wurden seit Beginn des Berichtsjahres 212 Stellen gemeldet: Das macht 5,9 Prozent aller gemeldeten Ausbildungsstellen aus. Es folgen Verkäuferinnen und Verkäufer, Kaufleute für Büromanagement und Industriekaufleute. Mit den Ausbildungsberufen Industriemechaniker/in, Zerspanungsmechaniker/in und Mechatroniker/in folgen in der Top-Ten-Liste gleich drei technische Ausbildungsberufe.

 Auch bei der Wunsch-Rangliste der Lehrstellen gibt es klare Tendenzen: Jugendliche haben sich im vergangenen Berichtsjahr besonders häufig für den Ausbildungsberuf Kaufmann/frau für Büromanagement gemeldet. Es folgen Industriemechaniker/innen, Kfz-Mechatroniker/innen, Kaufleute im Einzelhandel und Industriekaufleute.

 „Besonders erwähnenswert ist hier noch der Hotel- und Gaststätten-Bereich, der in den Top 10 zahlenmäßig nicht auftaucht, sondern im Bereich ,übrige Berufe‘ enthalten ist“, erläutert Claudia Prusik von der Agentur für Arbeit. Diese Branche habe sich – verstärkt durch Corona – besonders schwer getan ihren Bedarf an Auszubildenden und auch an Fachkräften zu decken.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – das ist nicht nur, aber auch bei der Berufswahl entscheidend. „Zum einen gibt es natürlich bestimmte Bewerbungsfristen, die man nicht verpassen sollte“, sagt Claudia Prusik: „Zum anderen sollte man sich aber auch rechtzeitig mit dem Thema befassen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Die Berufswahl ist nichts, was zwischen Tür und Angel entschieden werden sollte. Je früher ich dran bin, desto mehr Informationen und Eindrücke kann ich erlangen.“

Nicht nur reine Beschreibungen, die im Internet oder in Broschüren und Flyern zu finden sind, sondern auch Praktika und Gespräche mit Fachleuten geben die entscheidenden Impulse. So haben Interessentinnen und Interessenten nicht nur eine ziemlich genaue Vorstellung vom Beruf, sondern können sich obendrein rechtzeitig Gedanken über mögliche Alternativen machen. Niemand ist nur für einen einzigen, bestimmten Beruf geeignet.

Auf der Suche nach Alternativen kann das Tool „Check-U“ der Bundesagentur für Arbeit die Jugendlichen gut unterstützen (https://www.arbeitsagentur.de/bildung/welche-ausbildung-welches-studium-passt ).

Aber auch für Firmen ist es unerlässlich, die beste Köpfe für ihre Zukunftsfähigkeit zu gewinnen: „Hier gibt es viele unterschiedliche Faktoren für die richtige Strategie der Azubigewinnung“, erklärt Claudia Prusik: „Eine pauschale Regel oder Checkliste für Firmen gibt es da eigentlich nicht. Das kommt auch immer ein bisschen auf den Betrieb und die Branche an und wie sich der Betrieb vermarktet.“

Die Palette der Möglichkeiten ist reichhaltig und geht von klassischen Methoden wie Stellenanzeigen in der Tageszeitung oder Ausbildungsmessen bis hin zur rein digitalen Suche über beliebte Social-Media-Kanäle wie TikTok oder Instagram. „Die Auswahl ist groß und auch sicher nicht immer einfach“, sagt Claudia Prusik. Zusätzlich komme es aber natürlich auch darauf an, welche Schwerpunkte der einzelne Jugendliche setze und was ihm oder ihr wichtig sei. Neben der reinen Entscheidung für einen Beruf spielten dabei immer auch Themen wie Bezahlung, Innovation oder Karrieremöglichkeiten eine große Rolle. „Da kommt es immer auf den einzelnen Betrieb an, und mit welchen Faktoren er punkten kann“, so Prusik: „Die beste Möglichkeit für beide Seiten einen persönlichen Eindruck zu gewinnen, ist und bleibt das Praktikum.“ Nicht selten favorisieren Ausbildungssuchende einen Betrieb, bei dem sie bereits hineinschnuppern konnten.

 

Claudia Prusik Agentur für Arbeit

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