Einigung bei Bosch AS

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Das Verhandlungsteam von Bosch AS (v. l. n. r.): Andreas Reimer, Benjamin Weiss, Bianca Honold, Wilma Kauke, Claudio Bellomo, Philipp Nestele, Marc Ströbel, Kai Burmeister, Hueseyin Ekinci. Nicht im Bild: Anna Hofmann, Siegfried Scholz.
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Die Verhandlungen waren zäh, doch nun gibt es einen Kompromiss: Schwäbisch Gmünds größer Arbeitgeber will mit dem vereinbarten Maßnahmenpaket die Personalkosten senken.

Schwäbisch Gmünd

Vor einigen Wochen schienen die Fronten bei Bosch Automotive Steering noch verhärtet. Der Betriebsrat beklagte öffentlich die festgefahrenen Verhandlungen zum Abbau der Personalkosten und die Forderungen des Unternehmens. Nun ist das Maßnahmenpaket, mit dem der Standort Schwäbisch Gmünd fit für die Zukunft gemacht werden soll, unter Dach und Fach und die grundsätzliche Einigung, die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter bereits im vergangenen Jahr getroffen hatten, endgültig ausformuliert.

Für Claudio Bellomo, den Vorsitzenden des Betriebsrats von Bosch AS, ist nach den monatelangen Verhandlungen „ein wichtiger Schritt“ getan: „Mit den vereinbarten Maßnahmen sind wir unseren Verpflichtungen aus dem Eckpunktepapier und der Verantwortung gegenüber der Belegschaft gerecht geworden. So können wir betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausschließen, was unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit für die Zukunft gibt.“

Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro bis 2026 in Produkte, Softwareentwicklung, Fertigungstechnologien und Digitalisierung sollen dabei helfen, die 2850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die 2026 noch am Standort beschäftigt sein werden, abzusichern. Langfristig haben sich die Parteien das Ziel gesetzt, ein Niveau von mindestens 3000 Beschäftigten am Standort zu halten. „Damit langfristig verbindliche Zusagen für unseren Standort möglich sind, mussten wir Lösungen finden, um bei den Personalkosten auf Industriestandard zu kommen“, erklärt Bellomo. „Das ist uns nach langen Verhandlungen gemeinsam gelungen.“

Allerdings müssen die Arbeitnehmer Einbußen hinnehmen. Übertarifliche Lohnbestandteile werden teils gestrichen. Dieses Abschmelzen werde laut Bellomo dazu beitragen, das Kostenniveau vergleichbarer Bosch-Werke in Deutschland zu erreichen. Dies war eine der Kernforderungen der Arbeitgeberseite. Der Standort gilt im internen Konzernvergleich bislang als zu teuer.

Zufrieden äußert sich auch das Unternehmen. „Es liegen intensive Verhandlungen hinter uns. Das Eckpunktepapier und die jetzt geschlossenen Vereinbarungen stehen für unser Bekenntnis zum Standort“, erklärt Stefan Grosch, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor. Er sieht den Weg des Gesamtstandorts, mit Werk, Entwicklung und Zentralfunktionen, in Richtung Wettbewerbsfähigkeit bestätigt. „Die Inhalte der Betriebsvereinbarungen bilden die Werkzeuge, die wir benötigen, um die Zukunft unseres Standorts aktiv zu gestalten und flexibel auf Herausforderungen der Transformation zu reagieren.“ Dank dieser sei es künftig möglich, die Personalkosten etwa in konjunkturell schwierigen Situationen zu senken, ohne erneut Stellen abbauen zu müssen. „Auf Herausforderungen, wie die Corona-Pandemie oder den aktuellen Halbleiterengpass, antworten wir mit gezielten, passenden Lösungen, statt einen weiteren Stellenabbau in Betracht zu ziehen“, erklärt Grosch.

„Es war nicht immer einfach, aber wir haben den richtigen Weg beschritten und einen guten Kompromiss gefunden“, zeigt sich Gewerkschaftsvertreter Kai Burmeister zufrieden mit den Ergebnissen. „Mit dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, der Sicherung der Ausbildung und zukunftssichernden Investitionen gibt es Sicherheit für die Beschäftigten in der nächsten Dekade in Zeiten des Wandels.“ Ein weiteres Anliegen sei es gewesen, alle Menschen durch Weiterentwicklung in der Transformation zu unterstützen und zu begleiten, so der erste Bevollmächtigte der IG Metall. Die für die Bosch-Beschäftigten in Gmünd erarbeitete neuartige „lernende Betriebsvereinbarung“ bilde den passenden Rahmen, um Beschäftigte zu qualifizieren. Nur so gelinge die Transformation der Automobilindustrie und der Region. Auch die Zukunft der Ausbildung am Standort sei gesichert.

Ebenfalls Bestandteil der Einigung ist die Einrichtung eines Zukunftsrats. Dort sollen sich künftig Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter austauschen. „Wir werden die Zukunft unseres Standorts nur erfolgreich gestalten können, wenn wir das gemeinsam tun“, erklären Grosch und Bellomo.

In den vergangenen Monaten hatten beide Seiten bereits mehrere Vereinbarungen zu verschiedenen Punkten des im vergangenen Jahr verabschiedeten Eckpunktepapiers geschlossen, die nun erzielte Einigung bei den Personalkosten gilt dennoch als Meilenstein. Die Beschäftigten wurden am Donnerstag in einer Betriebsversammlung über den Kompromiss informiert.

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