Einigung bei Metallern: alle zufrieden

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Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie gibt es mehr Geld – die Arbeitgeber auf der Ostalb begrüßen flexiblere Regelungen.
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Auf der Ostalb begrüßen sowohl der Arbeitgeberverband Südwestmetall als auch die IG Metall die Vereinbarungen für die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie.

Aalen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich auf ein Tarifwerk für die rund eine Million Beschäftigten in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Auf der Ostalb begrüßen Vertreter beider Seiten die Einigung, die unter anderem eine Lohnsteigerung um 2,3 Prozent über Einmalzahlungen vorsieht.

Markus Kilian, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall in Ostwürttemberg, ist froh, dass noch vor Ostern eine Einigung erzielt werden konnte: "Das beendet die Unsicherheit und verleiht unseren Betrieben Handlungsfähigkeit." Tausende Beschäftigte der Metall- und Elektrobetriebe auf der Ostalb hatten sich im März an Warnstreiks beteiligt, zu denen die IG Metall aufgerufen hatte.

Was zuvor als Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen vereinbart worden war, übernahmen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auch die Tarifparteien im Südwesten weitgehend: Für die Beschäftigten gibt es ein Transformationsgeld, den sogenannten Trafobaustein, das einer Tarifsteigerung von 2,3 Prozent entspricht: Es wird entweder im Februar 2022 und 2023 jeweils einmalig ausbezahlt oder, wenn zur Sicherung der Arbeitsplätze Arbeitszeit reduziert wird, für einen teilweisen Entgeltausgleich verwendet.

Im Jahr 2021 ist aber zunächst eine Corona-Prämie von 500 Euro fällig. Über eine mögliche Kürzung des Weihnachtsgeldes um die Hälfte können Unternehmen und Betriebsräte selbst und eigenständig verhandeln. Eine weitere Sonderzahlung, das tarifliche Zusatzentgelt, wird nur dann ausgezahlt, wenn die Umsatzrendite eines Unternehmens einen bestimmten Wert überschreitet.

Arbeitgeber: "sportlich", aber "hoffentlich verkraftbar"

Kilian hat bereits am Mittwochmorgen erste Rückmeldungen aus den Betrieben erhalten: Positiv werteten diese vor allem, dass das Tarifwerk für Baden-Württemberg mehr Flexibilisierung vorsehe. So wurden die Arbeitszeitregelungen vereinfacht, Wochenarbeitsstunden können individueller vereinbart werden. Zudem werden bei der Berechnung des durchschnittlichen Leistungsentgelts eines Betriebs nicht mehr niedrigeren Einsteigergehälter berücksichtigt. "Hier wird eine gewisse Kostendämpfung erreicht", sagt Kilian.

Wir haben zu allen Themen etwas erreichen können.

Kai Burmeister IG Metall

Die Kostensteigerung durch den Trafobaustein sei zwar "sportlich", aber "hoffentlich verkraftbar": "Wir hoffen, dass die meisten Betriebe in Ostwürttemberg diese überschaubaren Einmalzahlungen verdauen können." Kilian kritisiert, dass die erste Einmalzahlung bereits im Februar 2022 – und damit seiner Ansicht nach relativ früh –- fällig ist: "Die meisten Betriebe rechnen damit, die Krise erst gegen Ende 2022 durchschritten zu haben."

"Der ganz große Wurf ist vielleicht noch nicht gelungen", so Kilians Fazit, "die Gesprächsverpflichtung für eine weitere Modernisierung der Tarifverträge ist aber positiv." Dass für dual Studierende in Baden-Württemberg, die Auszubildenden gleichgestellt werden, nun auch der Tarifvertrag gilt, hätte Kilian "für nicht erforderlich gehalten." Auch eine längere Laufzeit der Vereinbarungen als bis September 2022 hätte sich der Arbeitgebervertreter gewünscht.

Für die IG Metall hat es sich gelohnt, unter Pandemie-Bedingungen für die Rechte der Arbeitnehmer zu kämpfen. Statt klassischer Kundgebung hatte die Gewerkschaft auf der Ostalb viele neue Aktionsformate, von der Frühschluss-Aktion über den Autokorso bis zum digitalen Warnstreik für Beschäftigte im Home-Office auf die Beine gestellt. "Unter diesen Corona-Gesichtspunkten bin ich schwer zufrieden", sagt der Erste Bevollmächtigte auf der Ostalb, Kai Burmeister, über das Ergebnis "Wir haben in diesem schwierigen Umfeld zu allen unseren Schwerpunktthemen etwas erreichen können." Das gelte besonders für das vordringliche Ziel der Beschäftigungssicherung.

"Mit ihren Angriffen auf Schichtpausen, Schichtzulagen und Alterssicherung sind die baden-württembergischen Arbeitgeber nicht durchgekommen", bekräftigt Burmeister. Auch die Lohnerhöhung von 2,3 Prozent, die zwar nicht über ein höheres Monatsentgelt, aber über den Trafobaustein fließt – und damit auch Reaktion auf Krisensituationen im Betrieb erlaubt – begrüßt der Gewerkschafter.

Dass das Weihnachtsgeld nun flexibler gehandhabt wird – es kann im Einvernehmen auch um 50 Prozent erhöht werden – biete Chancen, aber auch Risiken, so Burmeister. "Besonders wichtig ist uns, dass wir einen Fuß in die Tür bekommen haben, um über betriebliche Zukunftstarifverträge zu reden." Diese tariflichen Regelwerke sollen die Zukunftsperspektiven von Betrieben gerade in Zeiten der Transformation im Zusammenklang von Belegschaft und Unternehmen ausloten.

Gültig ist das Vertragswerk bis September 2022 – im Oktober nächsten Jahres werden sich beiden Tarifparteien voraussichtlich wieder gegenüber sitzen. "Wir hätten uns einen früheren Zeitpunkt gewünscht", räumt Burmeister ein.

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