Energiepreise bremsen wirtschaftliche Erholung aus

+
IHK-Indikatoren im Verlauf.

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hat einen herben Dämpfer erlitten. Ein Grund sind die hohen Energie- und Rohstoffpreise. Die drohen den Aufschwung nach Corona abzuwürgen.

Heidenheim

Dreimal pro Jahr fragt die IHK Ostwürttemberg die Stimmung in ihren Mitgliedsbetrieben ab. Bei der jüngsten Umfrage bewerten 48 Prozent der 500 befragten Unternehmen in Ostwürttemberg ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2021. 13 Prozent beschreiben ihre Lage mit „schlecht“. Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber dem Herbst 2021 (5 Prozent). Vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise machen den Unternehmen in Ostwürttemberg zu schaffen. Die Industrie schlägt sich gut, ist jedoch besonders von dem starken Preisanstieg betroffen. Hinzu kommt die durch Omikron verursachte Unsicherheit zum Jahreswechsel, die das Stimmungsbild trübt, schreibt die IHK in einer Mitteilung.

Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass der im Herbst 2021 aufkeimende Optimismus zu Beginn des Jahres 2022 ausgebremst wird: Der Geschäftslageindikator sinkt um 14 Prozentpunkte. Auch der Geschäftserwartungsindikator liegt 10 Prozentpunkte niedriger als noch im Herbst 2021. Relativ gesehen liegen beide Indikatoren jedoch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.

Ein Blick auf die Lage zeigt, dass die Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal bei 47 Prozent der befragten Betriebe gestiegen sind. 30 Prozent melden gefallene Umsätze. Für die nächsten zwölf Monate rechnen nur noch 44 Prozent der Betriebe mit einer Umsatzsteigerung, das sind 10 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2021.

„Die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie, die anhaltenden Lieferengpässe und die Unsicherheit, die durch die Corona-Pandemie zum Jahreswechsel verursacht wurde, hemmen die Geschäfte und wirken sich auf die Geschäftserwartungen im Befragungszeitraum aus“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler. Das größte Risiko stellten die Energie- und Rohstoffpreise dar, dicht gefolgt von der Corona-Pandemie und dem Fachkräftemangel. Im Vergleich zur Herbstumfrage wurde die Pandemie bei der aktuellen Umfrage wieder als verstärktes Risiko wahrgenommen.

Rentschler betont, dass die Pandemie derzeit zwar noch im Vordergrund stehe, der Fachkräftemangel bald alle anderen wirtschaftlichen Risiken überschatten werde. „Die Region braucht branchenübergreifend gut qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte, um die zentralen Herausforderungen im Kontext der Digitalisierung, des demografischen Wandels und der Dekarbonisierung erfolgreich zu bewältigen“, erklärt er.

Die Industrie ist nach Angaben der Unternehmen zu 82 Prozent in ihren Kapazitäten ausgelastet, im Herbst 2021 waren es noch 86 Prozent. Die Geschäftslage beurteilen 43 Prozent als gut, das sind 9 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2021. Die Exporterwartungen der nächsten zwölf Monate fallen für Asien besonders hoch aus. Kein Betrieb geht von sinkenden Exporten aus, während 46 Prozent steigende Exportquoten prognostizieren.

Der Handel bewertet die Geschäftslage zwar mit 51 Prozent als „gut“, das Kaufverhalten der Kunden wird deutlich zurückhaltender eingeschätzt. Als kauffreudig schätzen 10 Prozent der Betriebe das Kundenverhalten ein. Die Hälfte der befragten Betriebe bewerten das Kundenverhalten als „zurückhaltend“. „Der Wegfall der 3G-Zutrittsbeschränkung für den Einzelhandel ist eine Erleichterung für Händler und Kunden und trägt sicherlich auch wieder zu einer Normalisierung des Kaufverhaltens bei“, so Rentschler.

Die Lageeinschätzung der Dienstleister fällt im Vergleich zum vergangenen Herbst ebenfalls nüchterner aus. Die aktuelle Geschäftslage beurteilen knapp die Hälfte der Betriebe mit „gut“, das sind 7 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst. Die Ertragslage bewerten 39 Prozent mit „gut“, das sind rund 14 Prozentpunkte weniger als im Herbst 2021. Die Corona-Pandemie stellt für die Branche das größte Risiko dar (62 Prozent), gefolgt vom Fachkräftemangel (47 Prozent) und den Energie- und Rohstoffpreisen.

35 Prozent der Verkehrsbetriebe in Ostwürttemberg bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, ein Viertel meldet eine „schlechte“ Geschäftslage. Die Fracht-/Beförderungskapazitäten sind zu 64 Prozent ausgelastet, im Herbst lag die Auslastung noch bei 86 Prozent. Als die beiden größten wirtschaftlichen Risiken werden die hohen Energie- und Rohstoffkosten und der Fachkräftemangel angegeben (80 Prozent). Die Corona-Pandemie schließt mit etwas Abstand als drittgrößtes Risiko an.

Ein Blick in die Landkreise:

Im Landkreis Heidenheim bewertet eine knappe Mehrheit der Betriebe die aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Das sind 18 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2021. 45 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung der Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten (Herbst 2021: 43 Prozent). Der Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal ist bei 42 Prozent der Betriebe gestiegen; von einer Steigerung der Umsätze in den nächsten zwölf Monaten gehen zum Jahresbeginn 2022 lediglich 49 Prozent der Unternehmen aus (im Herbst 2021 waren es noch 68 Prozent). 25 Prozent der befragten Betriebe in Heidenheim gehen von steigenden Inlandsinvestitionen aus.

Im Ostalbkreis wird die Lage etwas verhaltener bewertet. 46 Prozent der befragten Betriebe bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Der Anteil derer, die eine „schlechte“ Geschäftserwartung angeben, ist im Vergleich zur Herbstumfrage um 10 Prozentpunkte gestiegen. 27 Prozent gehen von einer Verbesserung der Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten aus, die große Mehrheit erwartet keine Veränderung der Geschäftslage. Der Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal ist bei 47 Prozent der befragten Betriebe gestiegen. In den nächsten zwölf Monaten rechnen 44 Prozent der Betriebe mit steigenden Umsätzen. Positiv ist die Einschätzung vor allem bei den Inlandsinvestitionen: 34 Prozent der befragten Betriebe gehen von steigenden Investitionen aus. Eine Steigerung der Beschäftigtenzahlen wird sowohl für den Landkreis Heidenheim als auch für den Ostalbkreis erwartet.

Vor allem die Industrie entwickelt sich im Ostalbkreis zum Zugpferd der Wirtschaft: Keines der befragten Unternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage mit „schlecht“, das ist ein Rückgang um 20 Prozentpunkte im Vergleich zum Frühjahr.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare