Energiewende im Blick

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Die Energiewende braucht einen Ausbau der Stromnetze in Nord-Süd-Richtung. Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur in Bonn, sprach in Heidenheim vor der IHK-Vollversammlung.

Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, erklärt in Heidenheim die Herausforderung des Stromtrassen-Ausbaus.

Heidenheim

Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur in Bonn, hat in Heidenheim vor der IHK-Vollversammlung über "Energieversorgung im Spannungsverhältnis von Versorgungssicherheit und Preisgünstigkeit" gesprochen. Aufgrund der räumlichen Entkopplung der Erzeugung und des Verbrauchs an elektrischer Energie sei ein massiver Ausbau bundesweit großräumiger Stromnetze in Nord-Süd-Richtung unumgänglich, so Franke. Er ist seit 2005 bei der Bundesnetzagentur, seit März 2012 ihr Vizepräsident.

IHK-Präsident Markus Maier sagte, man brauche Energie, Netze und Infrastruktur, weil in Ostwürttemberg jeder zweite in F&E-intensiven Industrien oder in wissensintensiven Dienstleistungen arbeite. Ziel müsse es sein, dass dort, wo die Netze benötigt werden, auch eine Versorgung gewährleistet sei.

Das Ziel der Energiewende, so Peter Franke von der Bundesnetzagentur, sei nach Fukushima in der Formulierung einfach gewesen, nämlich der Ausstieg aus der Stromerzeugung auf Basis der Kernenergie und den Anteil Erneuerbarer Energien auf 80 Prozent bis 2050 zu erhöhen.

Netzbooster haben großes Potenzial

Im künftigen Energieversorgungssystem wird der Wasserstoff eine viel aktivere Rolle einnehmen müssen.

Peter Franke Bundesnetzagentur

Der komplette Umbau des Versorgungssystems habe zwei Konsequenzen. Dies sei die räumliche Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch des Stroms. Franke: "Und hieraus folgt die Notwendigkeit großräumiger Nord-Süd-Stromtrassen. Prognosen für 2030 sehen einen Netzausbau von rund 7500 Kilometer vor, durch Neubau, aber auch durch Ertüchtigung bestehender Trassen." Der Freileitungsbau sei durch Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung gescheitert. Durch den Übergang auf die Erdverkabelung habe sich die Debatte beruhigt. Jetzt gelte es, den Umfang des Netzausbaus durch Erhöhung der Transportleistung zu reduzieren. Großes Potenzial hätten Großbatterien, sogenannte Netzbooster. Innerhalb von Millisekunden könnten diese Batterien das Netz so lange stützen, bis schnell einsetzbare Erzeugungsanlagen einspringen. Allerdings bestünden derzeit nur Pilotanlagen.

Perspektivisch nennt Franke Entwicklungen wie die Elektromobilität, die zu einem deutlichen Anstieg des Energieverbrauchs führen werde. Gleichzeitig stagniere der Windkraftausbau an Land wegen massiver Akzeptanzprobleme. "Es gibt praktisch keinen Zubau mehr", beklagte Peter Franke. Marktwirtschaftliche Steuerungsinstrumente durch Ausschreibungen kämen daher nicht zum Tragen.

Franke streifte auch noch das Thema Wasserstoff. "Im künftigen Energieversorgungssystem wird der Wasserstoff eine viel aktivere Rolle einnehmen müssen", ist sich der Experte sicher. Abschließend ging Franke auf arbeitsteilige Systemdienstleistungen und die Chancen durch die Digitalisierung für den Netzbetrieb ein. Darunter könne man die digitale Vernetzung weiterer Marktakteure verstehen und sich beispielsweise ein virtuelles Kraftwerk vorstellen.

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