Erneute Übernahme für Voith

+
Stammsitz von Voith in Heidenheim.
  • schließen

Mit der tschechischen Firma mit 500 Mitarbeitenden will Voith seine Turbo-Sparte weiter stärken. Am Stammsitz Heidenheim werden derweil die Weichen für den Umbau des Bereichs gestellt.

Heidenheim

Der Voith-Konzern plant die Übernahme der tschechischen Firma IGW Rail. Das hat das Heidenheimer Unternehmen mitgeteilt. Ein Kaufvertrag sei bereits unterzeichnet worden. Zu den finanziellen Details macht der Konzern keine Angaben. IGW Trail wird der Voith-Turbo-Sparte angehören. Bei dem Unternehmen arbeiten aktuell rund 500 Menschen. Unterdessen wurden die Mitarbeitenden bei Voith Turbo laut Heidenheimer Zeitung (HZ) über weitere Details des bereits im Jahr 2020 angekündigten geplanten Stellenabbaus am Stammsitz in Heidenheim informiert.

Das im tschechischen Brno ansässige Unternehmen IGW Trail ist auf Getriebe für Schienenfahrzeuge spezialisiert und Teil der BMT-Gruppe mit Sitz in Belgien. Durch den geplanten Erwerb würde einer der weltweit größten unabhängigen Hersteller von Schienenfahrzeuggetrieben entstehen, so Voith weiter. IGW Rail sei „ein weltweit agierendes High-tech-Unternehmen, das sich auf kundenspezifische Getriebe- und Kupplungslösungen für die Schienenfahrzeugindustrie fokussiert hat“.

Komponenten von IGW Trail kommen in allen Schienenfahrzeugarten, von schweren Lokomotiven bis zu Stadtbahnen, von Straßenbahnen und Metros bis hin zu Hochgeschwindigkeitszügen, zum Einsatz. „Da auch Voith verschiedenste Komponenten in diese Schienenfahrzeugmärkte liefert, ergänzt die IGW das Portfolio von Voith ideal. Für beide Unternehmen sind nachhaltige Antriebslösungen seit Jahrzehnten Bestandteil ihrer DNA. Zusammen wollen wir weltweit die Entwicklung von innovativen Getriebe-Systemlösungen für alle Schienenfahrzeughersteller vorantreiben“, sagt Cornelius Weizmann, Mitglied der Voith-Konzerngeschäftsführung sowie Vorsitzender der Geschäftsleitung von Voith Turbo.   

Weitzmann wandte sich vor einigen Tagen zudem an die eigene Belegschaft und erklärte den anstehenden Sparkurs, um „die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens Voith zu sichern“, wie die HZ zitiert. Konkret sollen in den kommenden 8 Jahren rund 170 Stellen im Konzernbereich Turbo abgebaut werden. Allerdings werde es keine Entlassungen geben, vielmehr nutze man die natürliche Fluktuation. Diese Reduzierung – insgesamt soll die Zahl der Voithianer von zuvor 4000 auf 3500 im Jahr 2028 sinken – wurde allerdings bereits vor knapp zwei Jahren im Rahmen des „Zukunftsvertrags Heidenheim 2026“ beschlossen. Klar sei, so zitiert die HZ Weizmann: „Heidenheim ist und bleibt der Hauptsitz von Voith und damit auch von Voith Turbo.“

Die angekündigte Neuausrichtung trifft laut des Medienberichts den Bereich der Schienenfahrzeug-Komponenten wie Motorgetriebeeinheiten oder Turbogetriebe. Beide Komponenten kommen lediglich in Schienenfahrzeugen mit konventionellem Antrieb zum Einsatz, einem Markt, in dem Voith in starkem Wettbewerb stehe. „Um Voith Turbo noch gezielter auf den Megatrend Elektrifizierung und Alternativantriebe auszurichten, ist eine Kapazitätsanpassung und Verbesserung der Produktkosten in diesem Bereich geplant“, zitiert die HZ Voith.

Mit IGW Trail baut Voith Turbo indes sein Portfolio weiter aus. Bereits vor einigen Wochen hatte die Sparte die Übernahme von Argo Hytos und 1600 Beschäftigten angekündigt, nun folgt das tschechische Unternehmen mit vier Produktionsstandorten in Brno (Tschechien), Pune (Indien), Zanesville (USA) sowie Suzhou (China), an denen rund 500 Mitarbeitende tätig sind. „Durch den Zusammenschluss versprechen sich beide Vertragsparteien eine noch größere Kundennähe“, heißt es bei Voith. Allein in den letzten 25 Jahren habe IGW Rail weltweit über 100 000 Getriebe und Kupplungen ausgeliefert. „Diese am Markt etablierten Komponenten müssen regelmäßig überholt und mit Ersatzteilen versorgt werden“, führt Rudy Thoma, Chef der IGW Rail aus und freut sich, „dass wir künftig in der Lage sein werden unseren Kunden durch die Service-Lösungen von Voith einen noch besseren Service zu bieten.“ Der Abschluss der Transaktion wird für den Beginn des vierten Quartals 2022 erwartet. Zuvor stehen noch behördliche Genehmigungen aus.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Kommentare