Erneutes Rekordjahr für Zeiss

+
Rekordjahr für Zeiss.
  • schließen

Nicht nur dank der starken Nachfrage nach Technologien für die Chip-Fertigung hat Zeiss Umsatz und Gewinn weiter gesteigert. Das Wachstum der SMT-Sparte wird aber durch einen anderen Bereich getoppt.

Oberkochen

Der Zeiss-Konzern schreibt weiter Rekorde. Davon profitiert die Ostalb: Die Zahl der Menschen, die für Zeiss an den Standorten Oberkochen und Aalen arbeiten, hat sich im vergangenen Geschäftsjahr um 900 erhöht. Inzwischen sind im Ostalbkreis fast 10 000 Menschen bei dem Konzern beschäftigt, weitere sollen folgen: Allein in der Halbleitersparte SMT sind derzeit 250 freie Stellen zu besetzen. „Der Standort Ostwürttemberg hat sich sehr gut entwickelt und ist weiter auf Wachstum programmiert“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht bei der Vorlage der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2020/21. Weltweit steigt die Zahl der Mitarbeitenden um 10 Prozent auf mehr als 35 000.

Auf Wachstum programmiert sind ebenso die Bilanzzahlen des Konzerns. Der Umsatz steigt um 20 Prozent auf mehr als 7,5 Milliarden Euro, davon bleiben rund 1,5 Milliarden Euro als operativer Gewinn – beides Höchststände in der Zeiss-Geschichte. „Das sind gesunde Zahlen. Wir wachsen profitabel“, sagt Lamprecht. Der Auftragseingang wächst sogar noch deutlicher um 32 Prozent auf 9 Milliarden Euro. Die Weichen stehen entsprechend auf weiterem Wachstum. Vor allem in Asien (China ist der größte Markt) und den USA ist die Nachfrage nach Zeiss-Technologie ungebrochen. Mehr als 90 Prozent seines Umsatzes erzielt Zeiss mittlerweile im Ausland. Der Heimatmarkt Deutschland trägt lediglich knapp 600 Millionen Euro zum Umsatz bei, ein Plus von 2 Prozent.

Wie in den Vorjahren treibt vor allem die Nachfrage nach der Halbleitertechnologie von Zeiss die Entwicklung. Zeiss stellt jene optischen Systeme her, mit denen die kleinsten, schnellsten und leistungsfähigsten Chips der Welt produziert werden können. Die neue EUV-Technologie ermöglicht dabei Halbleiterstrukturen, die 5000mal dünner sind als ein menschliches Haar. Die Technik wird dann in die Chipfertigungs-Maschinen des niederländischen ASML-Konzerns eingebaut.

Die neuste Chipgeneration kommt vor allem in den neuen Generationen von technischen Geräten, wie etwa Smartphones von Apple und Samsung, zum Einsatz. „Erfreulich ist, dass auch die Nachfrage nach früheren Generationen weiter gut ist“, erklärt Lamprecht. „Wir müssen unsere Kapazitäten weiter ausbauen.“ Parallel forscht Zeiss bereits an der nächsten Generation dieser Technik, der sogenannten „HighNA“-Technologie. Die Zeiss-Sparte SMT, die ihren größten Standort weltweit in Oberkochen hat, wächst im Geschäftsjahr 2020/21 um 25 Prozent auf den Umsatz von 2,3 Milliarden Euro.

Noch stärker, um 27 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, legt der Zeiss-Bereich „Consumer Markets“ zu, in dem der Konzern sein Objektiv- oder Brillenglasgeschäft zusammengefasst hat. Das liegt unter anderem daran, dass die Sparte deutlicher von Lockdowns im vergangenen Jahr betroffen war als andere Unternehmensbereiche. „Das Geschäft hat sich extrem gut erholt“, sagt Lamprecht. Mit einer Ausnahme.

Die Nachfrage nach Objektiven für klassische Kameras, wie sie Zeiss herstellt, sinkt seit Jahren. Immer mehr Menschen greifen fürs Fotografieren auf Ihr Smartphone zurück. Diese Entwicklung trägt auch Zeiss Rechnung und hat reagiert. „Wir versuchen den Rückgang mit strategischen Partnerschaften zu kompensieren“, erklärt Lamprecht. Mit dem Smartphone-Hersteller Vivo hat das Unternehmen ein Kamerasystem entwickelt, das in Tests weltweit großes Lob einheimste. Weitere Kooperationen sollen folgen.

Ebenfalls positiv ist die Entwicklung der Messtechnik- und Mikroskopiesparte IQR (plus 10 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro) sowie der Medizintechnik (plus 18 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro). „Wir decken mit unseren Technologien wichtige Zukunftstrends ab“, sagt Lamprecht. Zwei Beispiele: Die Messtechnik von Zeiss kommt bereits jetzt bei zahlreichen Automobilfirmen und ihren Zulieferern zum Einsatz und überprüft ebenso die Qualität der Fertigung von Batteriezellen. Die Medizintechnik wiederum ist vor allem in den Bereichen Augenheilkunde und Mikrochirurgie zu Hause, die beide angesichts des demografischen Wandels immer größere Bedeutung bekommen. „Das zweistellige Wachstum aller Sparten zeigt, dass wir mit unserem ausbalancierten Portfolio und unserer Agenda auf dem richtigen Weg sind“, so Lamprecht.

Fast eine Milliarde Euro hat Zeiss im zurückliegenden Geschäftsjahr in Forschung und Entwicklung investiert, rund 750 Millionen Euro zusätzlich in Sachanlagen wie neue Standorte, wie Zeiss-Finanzchef Christian Müller ausführt. Nicht nur auf der Ostalb wird gebaut, im US-Bundesstaat Kalifornien hat Zeiss eine neue Niederlassung eröffnet, in Jena laufen die Arbeiten an einem neuen Standort.

Besonderen Fokus legt Zeiss auf die Nachhaltigkeit. Bis zum Jahr 2025 sollen weltweit „die eigenen Tätigkeiten“ CO2-neutral sein, bis dahin will Zeiss zusätzlich 20 Prozent weniger Energie und 15 Prozent weniger Wasser verbrauchen und den Abfall um 10 Prozent reduzieren.

Trotz der Investitionen wächst das Eigenkapital weiter: auf mittlerweile rund 5,5 Milliarden Euro. „Das ist eine solide Ausgangsposition“, formuliert Lamprecht.

Zeiss-Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare