"Es fehlen schlichtweg die Bewerber"

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Viele Betriebe blieben bei der Suche nach Bewerbenden für einen Ausbildungsplatz erfolglos.

Die Zahl der Auszubildenden in der Region geht wegen auch wegen der Corona-Pandemie zurück. Kaum Rückgänge gibt es überraschenderweise in der Hotellerie und Gastronomie.

Heidenheim

Am 1. September ist das Ausbildungsjahr gestartet. Doch die Abschlussbilanz für das Ausbildungsjahr 2021 in Berufen der IHK Ostwürttemberg fällt bedingt durch Corona nochmals schlechter aus als zum Vorjahr. 1429 Jugendliche haben sich für eine gewerblich-technische oder eine kaufmännische Ausbildung in einem IHK-Betrieb entschieden. Das entspricht einem Minus von 5,1 Prozent im Vergleich zu 2020 mit damals 1506 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen. Im Landesdurchschnitt beträgt der Rückgang 5,5 Prozent. Regionaler Lichtblick: In der Corona-bedingt stark beeinträchtigen Hotel- und Gastrobranche konnten die Ausbildungszahlen fast gehalten werden. Abmildern könnte sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt noch, da erfahrungsgemäß bis zum Jahresende und auch darüber hinaus mit weiteren Ausbildungsverträgen für 2021 gerechnet werden kann.

Nach den Rückgängen bei den Ausbildungszahlen in 2020 gibt es auch dieses Jahr also noch kein Aufatmen auf dem Ausbildungsmarkt in den IHK-Berufen in Ostwürttemberg. Corona wirkt sich weiter aus: So wurden bei der IHK bis zum Ausbildungsstart am 1. September 2021 insgesamt 77 Ausbildungsverträge weniger eingetragen als 2020. Die gewerblich-technischen Berufe gingen um 103 Ausbildungsverträge zurück, bei den kaufmännischen Berufen konnten dagegen 26 Verträge mehr eingetragen werden als 2020. Im Landkreis Heidenheim ist der Rückgang mit einem Minus von 6,5 Prozent, was 25 Ausbildungsverträgen entspricht, leicht höher als im Ostalbkreis. Dort wurden 52 Ausbildungsverträge weniger eingetragen, ein Minus von 4,6 Prozent.

Am deutlichsten ist der Rückgang bei den Metall- und Elektroberufen. Mit 117 Verträgen weniger, kommt das regionale Minus fast ausschließlich aus diesen beiden Branchen: -18,3 Prozent bei den Metallberufen und -17,0 Prozent bei den Elektroberufen. Hier dürfte auch die unsichere Lage in der Automobilindustrie eine Rolle gespielt haben. Bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen verzeichnen die Berufe im Handel ein Plus von 5 Prozent. Erfreulich sind laut IHK auch die Zahlen in der durch Corona stark beeinträchtigten Hotel- und Gastronomiebranche; diese zeigen sich gegenüber dem Vorjahr sehr stabil und legten um 6,1 Prozent zu. Auch in der Transportwirtschaft verzeichneten die IHK-Firmen mit 3 Prozent mehr Ausbildungsverträgen ein positives Ergebnis. Einen deutlichen Zuwachs wiederum verzeichnet die Versicherungsbranche. In der Region werden zwar nicht viele Ausbildungsverträge in dieser Branche jährlich eingetragen, dennoch hat sich deren Zahl von 9 auf 19 mehr als verdoppelt.

„Auch die diesjährige Bewerbungsphase vor dem Ausbildungsstart 2021 wurde von Corona geprägt. Einige Ausbildungsbetriebe sind zwar hinsichtlich Neueinstellungen vorsichtiger geworden, aber der größere Anteil der Unternehmen konnte die offenen Ausbildungsplätze nicht besetzen, weil sie keine geeigneten oder noch gravierender, überhaupt keine Bewerbungen erhalten haben“, fasst Thorsten Drescher, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, die vorliegenden Zahlen zusammen. „Wir haben schon mit einem weiteren Rückgang gerechnet, auch wenn es in den letzten Monaten noch sehr positiv ausgesehen hat. Die Ausbildungsbetriebe stehen zur dualen Berufsausbildung und versuchen nach wie vor, Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen. Es fehlen schlichtweg die Bewerber. Deshalb wird die IHK gemeinsam mit der Agentur für Arbeit in Aalen und der Handwerkskammer (HWK) ab September eine Matching-Aktion durchführen, um noch offene Ausbildungsplätze mit Ausbildungsplatzsuchenden zusammen zu bringen“, so Drescher weiter.

Matching-Aktion im September

Bei der Matching-Aktion treffen sich IHK, HWK und Agentur für Arbeit regelmäßig, um zielgerichtet individuelle Lösungen zu erarbeiten. André Louis, Leiter des Geschäftsfeldes Ausbildung bei der IHK: „Mit dieser Aktion werden die noch unversorgten Bewerber mit den bei der Agentur für Arbeit gemeldeten offenen Ausbildungsplätzen abgeglichen. Die Ausbildungsberater beider Kammern und die Berufsberater der Agentur werden dabei detailliert prüfen, welche Bewerberprofile auf welchen Ausbildungsplatz passen könnten. Danach werden die Bewerber sowie die Ausbildungsbetriebe kontaktiert, so dass ein erstes Treffen stattfinden kann.“ Zudem soll das Ziel verfolgt werden, drohende Ausbildungsabbrüche jetzt in der Anfangsphase der Ausbildung durch unterstützende Hilfsbrücken zu verhindern. Sollte es dennoch zu Abbrüchen kommen, so Louis, sollen diese Plätze ebenfalls durch die Matching-Aktion schnell wieder besetzt werden.

Späterer Ausbildungsbeginn möglich

„Auch wenn für den Start in die Ausbildung gemeinhin der 1. September als Datum gilt, so ist es überhaupt kein Problem, die Ausbildung auch zu einem späteren Zeitpunkt anzutreten. Die Berufsschulen in der Region sind auf diese Schüler vorbereitet, so dass dieses Angebot sehr gerne wahrgenommen werden kann“, so Louis.

Weitere Informationen: Für alle Jugendlichen, die davon Gebrauch machen wollen bzw. noch einen Ausbildungsplatz suchen, gibt es auf der IHK-Lehrstellenbörse unter www.ihk-lehrstellenboerse.de noch zahlreiche interessante Ausbildungsangebote. Darüber hinaus bietet die IHK Ostwürttemberg unter www.ihk-ausbildungsmesse.de eine virtuelle Ausbildungsmesse an. Nähere Informationen zu den vielfältigen Angeboten bei der IHK geben Lea Schmitt und Monika Schmid-Ritz, Tel. 07321 324-138 oder bildungsprojekte@ostwuerttemberg.ihk.de

Der größere Anteil der Unternehmen konnte die offenen Ausbildungsplätze nicht besetzen."

Thorsten Drescher, Stv. IHK-Hauptgeschäftsführer

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