Eurotech: Suche nach Investor beginnt

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Die Fabrik von Eurotech im Westen von Schwäbisch Gmünd.

Dem Unternehmen fehlen bereits Jahren Umsätze und Aufträge. Was der Insolvenzverwalter jetzt plant.

Schwäbisch Gmünd. Die Gießerei Eurotech mit ihren 142 Mitarbeitenden steckt in der Insolvenz. Das Unternehmen hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Für Peter Yay-Müller von der Gewerkschaft IG Metall ist dieser Schritt noch die bessere Option unter den bestehenden. „Immerhin wurde keine Eigenverwaltung beantragt.“ Dort würde ein Sanierungsspezialist die Geschäftsführung bei der Restrukturierung unterstützen. In einem klassischen Insolvenzverfahren ist der Insolvenzverwalter für die Sanierung zuständig. Nun ist es Jochen Sedlitz von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger, der eine Perspektive für Eurotech erarbeiten soll. Derzeit analysiert Sedlitz unter anderem die Kundenstruktur, sichert die Aluminium- sowie Energieversorgung und erarbeitet ein Sanierungskonzept.

„Der Gießereimarkt ist nicht einfach“, sagt Sedlitz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Preissensitivität der Kunden ist enorm, deutsche Firmen können angesichts der relativ hohen Lohn- und Energiekosten hierzulande nur dann mit der ausländischen Konkurrenz mithalten, wenn sie hochqualitative Produkte herstellen.“ Das sei bei Eurotech der Fall, allerdings habe die Firma zuletzt deutlich weniger Umsätze erwirtschaftet als geplant.

Diese Entwicklung ist nicht neu. Das Unternehmen kränkelt seit Jahren. Zahlen zu Umsatz und Gewinn kommuniziert Eurotech nicht, doch die im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz des Geschäftsjahres 2018 der Gmünder GmbH konstatiert, dass das Umsatzniveau des Vorjahres „deutlich verpasst“ wurde. So lag der Umsatz bei 30,8 Millionen Euro, als Jahresfehlbetrag werden 2,8 Millionen Euro ausgewiesen. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet Eurotech mit Bauteilen für die Energie- und Wärmetechnik. Für den Bosch-Konzern und dessen Standort Wetzlar werden Wärmetauscher hergestellt. Es ist der einzige Auftrag dieser Größe, die Fabrik im Gmünder Westen gilt als nicht ausgelastet.

Grundstück und Immobilie wurden bereits verkauft

Bereits vor einem Jahr war das Unternehmen in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte es zwischen Gewerkschaft und Unternehmensführung Gespräche über die Perspektive des Standorts gegeben. Eurotech, das zum niederländischen MGG-Konzern gehört, wollte seine Immobilie und das Grundstück in Schwäbisch Gmünd verkaufen. Die Gewerkschaft forderte, die Mutterfirma solle den Standort finanziell besser unterstützen. Der Verkauf an eine Investorengesellschaft wurde im April 2021 vollzogen, die Immobilie dann in einem sogenannten Sale-and-Lease-Modell zurückgemietet. Der Erlös aus dem Verkauf hat Eurotech nicht vor der Insolvenz bewahrt.

Gewerkschaft und Betriebsrat fordern seit Monaten, dass MGG dem Standort mehr Aufträge erteilen soll. Stattdessen, so Yay-Müller, würden andere Niederlassungen bevorzugt. MGG betreibt Fabriken in Tegelen (wo die Konzernzentrale sitzt), Nieuw-Bergen, Venlo-Blerick (alle Niederlande), Trest (Tschechien), Herzogenburg (Österreich) sowie Stahlhofen am Wiesensee. Einen eigenen Vertrieb, um neue Aufträge zu erhalten, gibt es bei Eurotech in Gmünd nicht mehr, so Yay-Müller. Die Abteilung sei nach der Übernahme durch MGG aufgelöst und die Funktionen zentralisiert worden. Ähnliches berichtet Insolvenzverwalter Sedlitz. „Im Bereich des Neugeschäfts ist zu wenig passiert.“ Der Anwalt räumt deshalb neben der Sanierung der Suche nach einem neuen Investor eine hohe Priorität ein. Er ist trotz des nicht einfachen Gießereimarkts optimistisch, dass es für Eurotech eine Lösung geben wird. Robert Schwarz

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