Fachkräftemangel: Eine regionale Allianz wird erneuert

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Die Mitglieder der Fachkräfteallianz Ostwürttemberg bei der Unterzeichnung der Vereinbarung.

Gemeinsam mit zahlreichen Partnern will sich die Region des Problems des Mangels an Arbeitskräften annehmen und belebt deshalb die Fachkräfteallianz wieder.

Heidenheim.

Vor knapp zehn Jahren war sie gestartet, doch zuletzt hatte die regionale Fachkräfteallianz an Schwung verloren. Das soll sich jetzt ändern: Bei einer gemeinsamen Veranstaltung haben die Partner der Fachkräfteallianz Ostwürttemberg die einst geschlossene Vereinbarung aktualisiert, mit Unterschriften neu besiegelt und einen Aktionsplan formuliert. In enger Anbindung an die Offensive „Zukunft Ostwürttemberg“ sollen konkrete Fachkräfte-Projekte in der Region gemeinschaftlich umgesetzt werden. Hintergrund ist der Fachkräftemangel, der vielen Unternehmen zu schaffen macht und der mit der Allianz angegangen werden soll.

So sehen die Partner, darunter IHK Ostwürttemberg, WiRO, Arbeitsagentur, beide Landkreise und die Gewerkschaften sowie Südwestmetall, angesichts des sich immer weiter verstärkenden Fachkräftemangels in Ostwürttemberg „dringenden Handlungsbedarf“. Die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels bekämen die Unternehmen der Region schon jetzt mit voller Wucht zu spüren, ein Wettbewerb um die besten Talente sei im Gange. Ohne Zuwanderung von Fachkräften werde die Region das Problem nicht lösen können, so der Tenor. Zusätzlich verändere die ökologische und digitale Transformation die Anforderungen an die Qualifizierung von Beschäftigten.

„Wir möchten der Fachkräfteallianz Ostwürttemberg neue Schlagkraft verleihen. Die im Jahr 2012 geschlossene Vereinbarung wurde nun erneuert und fortgeschrieben. Sie verdeutlicht, dass wir uns in einem breiten regionalen Schulterschluss der großen Herausforderung des Fachkräftemangels stellen werden und die formulierten Schwerpunkte gemeinsam bearbeiten – jede Institution kann dabei ihre Expertise und vorhandene Netzwerke einbringen“, erklärt Peter Polta, Landrat des Landkreises Heidenheim und Aufsichtsratsvorsitzender der WiRO.

„In Ostwürttemberg fehlen aktuell 1000 Fachkräfte – Tendenz steigend. Es gilt, alle Potenziale gleichermaßen in den Blick zu nehmen: Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland auszubilden, zu gewinnen, zu entwickeln und zu binden“, gibt Claudia Prusik einen Blick auf die Lage am Arbeitsmarkt. Markus Kilian, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ostwürttemberg, erklärt: „Für die Unternehmen der Region stellt der Fachkräftemangel eine hohe Belastung dar, weil Aufträge nicht angenommen oder nicht abgearbeitet werden können.“

Die neu belebte Fachkräfteallianz soll in die Offensive „Zukunft Ostwürttemberg“ eingebettet werden und mit einem Aktionsplan wichtige Impulse für die dort festgelegten Querschnittsziele „Qualifizierungs- und Beschäftigungsoffensive“ sowie „Standortmarketing und -entwicklung“ setzen. „Im Rahmen der Offensive haben wir uns mit den zukünftigen Herausforderungen auseinandergesetzt“, erläutert Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.  „Wir sind uns einig, dass wir die Ziele nur erreichen können, wenn wir auf dem Fundament unserer Qualifizierungs- und Beschäftigungsoffensive gemeinsam durchstarten. Die bewährte Fachkräfteallianz gibt uns dabei eine starke Struktur.“

Die Partner haben bereits eine Auswahl an Projektideen entwickelt. So will man die Auswirkungen der technologischen und ökologischen Transformation mit neu entstehenden Tätigkeits- und Qualifikationsfeldern in eine Chance verwandeln. Hier steht das jüngst gestartete und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg ebenso im Fokus, wie die Weiterentwicklung der Hochschulen. Zweitens sollen unterschiedliche Zielgruppen mit geringer oder ausbaufähiger Arbeitsmarktbeteiligung „umfassend“ ins Erwerbsleben integriert werden. Gleichzeitig will man, drittens, gezielt bei internationalen und inländischen Fachkräften für die Attraktivität des Lebens- und Arbeitsorts Ostwürttemberg werben. Hier sollen die existierende Standortmarketing- und Fachkräftekampagne ausgeweitet und weiterentwickelt werden oder das Welcome-Center gestärkt werden. Schlussendlich soll das Know-how der Allianzpartner „synergetisch“ genutzt und in anlassbezogenen, temporären Foren vertieft werden. Dazu gehören eine allgemeine Wohnbauoffensive, Speed-Dating für Fachkräfte und eine Stärkung des MINT-Angebots für Schüler.

Die Partner der Fachkräfteallianz

Sie wollen gemeinsam den Fachkräftemangel in der Region bekämpfen: Agentur für Arbeit Aalen, Arbeitgeberverband Südwestmetall, DGB Kreisverband Heidenheim, DGB Kreisverband Ostalb, DGB Region Ostwürttemberg, DHBW Heidenheim, Handwerkskammer Ulm, Hochschule Aalen, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, IG Metall Aalen/Gmünd, IG Metall Heidenheim, IHK Ostwürttemberg, Jobcenter Heidenheim, Jobcenter Ostalbkreis, Kreishandwerkerschaft Heidenheim, Kreishandwerkerschaft Ostalb, Landkreis Heidenheim, Landkreis Ostalbkreis, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, SRH Fernhochschule Riedlingen, Verdi Ulm-Oberschwaben, Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO).

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