Fahrbare Gemüsehallen vom Härtsfeld

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Große Anlagen und Spezialfahrzeuge zum Ernten und Pflanzen von Gemüse baut die Firma Josef Zeyer Stahlbau Agrarsysteme GmbH, die seit 1993 in Neresheim ansässig ist.
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Die Firma Zeyer liefert demnächst ihr 100. Spezialfahrzeug aus: Es kommt auf Salatfeldern zum Einsatz. Auf mobilen Anlagen wird Gemüse gepflanzt, geerntet und gleich verpackt.

Neresheim

Wer die Anlagen der Neresheimer Firma Zeyer in Aktion erspäht, reibt sich die Augen. Da gleiten kolossale Verpackungshallen gemächlich über Brokkoli-, Eissalat- oder Bohnenfelder. An Bord werkeln oft Dutzende Erntehelfer. Wo in großem Stil Gemüse gepflanzt oder geerntet wird, kommen die Sonderfahrzeuge und Anbaugeräte vom Zeyer zum Einsatz. Der Agrarspezialist mit 35 Mitarbeitern liefert demnächst sein 100. Fahrzeug aus. Es reist nach Spanien.

1956 startete der Betrieb als Landmaschinenhandel in Auernheim. In den Achtzigerjahren brachte der Spezialist Fritz Marschall Unternehmenschef Josef Zeyer auf die Idee, den Gemüsebau zu revolutionieren. Warum nicht Sellerie, Kopfsalat oder Spitzkohl gleich dort reinigen, sortieren, bearbeiten und verpacken, wo sie geerntet werden?

Bis heute ist das Unternehmen, das seine Agrarsysteme unter dem Markennamen Zema anbietet und den Stahlbau als zweites Standbein betreibt, in seiner Nische führend. Man sei der sogar der einzige, der entsprechende Spezialfahrzeuge mit mehr als zwei Achsen herstellt, sagt Andreas Zeyer. Er übernahm 2005 die Geschäftsführung des Unternehmens von seinem Vater - mit dem 54. Fahrzeug.

Nun steht 100. Fahrzeug in der Halle im Gewerbegebiet Riegel. Das dreiachsige Gefährt geht an einen Gemüsebaubetrieb aus Norddeutschland, der es zunächst in Spanien zum Pflanzen von Salat nutzen wird. In dem Mittelmeerland sind die Anlagen oft dann im Einsatz, wenn es in Deutschland gerade Winter ist.

Kunden in Russland und Israel

Die Fahrzeuge von Zeyer bewegen sich auf zwei bis vier Achsen oder auf Raupen fort. Zugeliefert werden lediglich Motoren, Getriebe und Achsen. Den Rest erledigt die Firma mit ihren Spezialisten für Elektrik, Elektronik, Hydraulik und Maschinenbau selbst: von der Konstruktion und der Konzeption der Hydraulik über den Stahlbau und den Einbau der Elektronik bis zur Versorgung mit Strom, Belüftungssystemen und Licht. Die Fahrzeuge müssen hinten manchmal neun Tonnen Gewicht anheben. Hydraulik sorgt dank automatischem Niveauausgleich für ruhiges Fahren auch auf unebenem Gelände. Die Mitarbeiter, von denen einige bereits seit Jahrzehnten im Betrieb sind, rüsten die Fahrzeuge mit GPS aus, so dass diese auch ohne Fahrer unterwegs sein können. „Wir bilden das komplette Maschinenbauspektrum ab“, sagt Andreas Zeyer. Service und Wartung übernimmt die Firma ebenfalls: Neuerdings können sich die Neresheimer auf ihre Geräte, die europaweit im Einsatz sind, auch online aufschalten. Eine Herausforderung bleibt: Auf dem Härtsfeld keine Gemüsefelder, wo die Fahrzeuge vor der Auslieferung ausprobiert werden könnten.

Rund sechs Monate sind die Neresheimer mit der Fertigung eines Spezialfahrzeugs zugange. Von den ersten Skizzen bis zur fertigen maßgeschneiderten kann es sogar einige Jahre dauern. Das gilt auch für die Anbaugeräte, die mit ihren Bänder, Plattformen, Sortiergeräten und Überdachungen kleine mobile Fabriken sind. Sie kommen nicht nur bei der Ernte zum Einsatz, sondern auch beim exakten Setzen der Pflänzchen und dem Dämpfen des Bodens zur schonenden. Und sie stehen nicht still: Nicht einmal, wenn mitten im Betrieb das fertig verpackte Gemüse abgeholt wird.

Wo immer möglich, entlasten die Maschinen auch die Helfer. Oft sind auf und an der Anlage 30 bis 40 von ihnen am Werk. Das meiste Gemüse muss weiterhin per Hand geschnitten werden. Nur bei wenigen Sorten - etwa Mini-Romanasalat - lohnen sich vollautomatische Systeme.

Die kompletten Anbau-Anlagen können zusammengeklappt auch über ganz normale Straßen fahren und so vom Härtsfeld zu ihrem Bestimmungsort reisen: etwa nach Norddeutschland aber auch Polen, Russland und bis nach Israel.

Wir bilden das komplette Maschinenbauspektrum ab.“

Andreas Zeyer, Geschäftsführer

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