Fahrradparken in fünf Metern Höhe

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Die Unternehmensgründer Lukas Gold und Nico Tesche zeigen am Aalener Rathaus ihren sicheren Fahrradständer. Sie demonstrieren dies mit dem Mountainbike von MTB Weltmeister Simon Gegenheimer.
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Nico Tesche und Lukas Gold haben mit „ParkPillar“ eine app-gesteuerte Parksäule für Fahrräder aller Art entwickelt. Sie möchten damit in Serie gehen.

Aalen

Es geht nach oben. Mit den Fahrrädern, die am „ParkPillar“ – also dem „Parkpfeiler“ – in fünf Meter Höhe an einer Aluminiumstange geparkt werden. Aber hoffentlich auch mit dem Start-up von Nico Tesche und Lukas Gold, die mit der Idee vom Fahrradparkplatz in luftiger Höhe Furore machen wollen. Am Aalener Rathaus haben die beiden Gründer ihr app-gesteuertes Radparksystem bereits präsentiert. Am Tag der offenen Tür der Hochschule Aalen am 21. Mai sowie bei der Mountainbike-WM in Aalen gibt es weitere Möglichkeiten, es zu bestaunen.

Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Wer parken möchte, steuert die Aluminiumsäule per App an und die Aufhängung kommt nach unten gefahren. Das Rad an Schienen eingehängt, Helm und kleine Gegenstände in die zugehörige Box gepackt und der App die Anweisung gegeben: ab nach oben. Außer Rennrädern kann das Gerät  alle gängigen Radtypen und E-Bikes aufnehmen – sicherer und platzsparender geht es nicht.

Die Idee zum Parkpfeiler kam dem Neresheimer Nico Tesche 2020 am Gardasee. Ein kleiner Ortsbummel stand an, doch Tesches Freundin wollte ihr neues E-Bike nicht einfach irgendwo anketten. Also schoben die beiden ihre Räder über die Piazza, durch die Gässchen und zwischen engen Verkaufsbuden durch: extrem unpraktisch.

Für Nico Tesche, der 2021 seinen Master Mittelstandsmanagement an der Hochschule Aalen abschloss, war es die Initialzündung. Der 25-jährige entwickelte die Idee vom frei stehenden oder befestigten Parkpfeiler. Sein Vater Peter Tesche stand ihm zunächst zur Seite. Dann fand er im 24-jährigen Aalener Lukas Gold – an der DHBW Heidenheim studierter Maschinenbauingenieur – einen Mitstreiter. Tesche gründete eine GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er ist, und meldete ein EU-Patent an. In der Halle eines weiteren Freundes bastelten die zwei zunächst am ersten Prototypen: „Wir verwendeten dabei noch einen Rollladenmotor mit Funkbedienung“, erinnert sich Gold. Im Februar zog das Team in das Innovationszentrum der Hochschule Aalen ein und tüftelte weiter. Die größte Herausforderung, erinnert sich Tesche, war es, per App einen Motoren anzusteuern und der App die genauen Informationen zu liefern, in welchem Zustand sich der Motor gerade befindet.

„Wir haben uns von Anfang an dazu entschieden, dass wir vieles outsourcen möchten“, betont Nico Tesche, der sich im Team mit Lukas Gold auf Forschung, Entwicklung und Vermarktung konzentrieren will. In Kempten fanden die beiden einen App-Entwickler sowie einen Steuerungsentwickler für den Motor. Auch die Produktion der Fahrradparksäulen aus Aluminium sollen externe Spezialsten übernehmen: „Uns haben schon verschiedene Unternehmen besucht“, sagt Nico Tesche.

Am letzten Aprilwochenende konnten sie ihren Prototypen vor dem Aalener Rathaus präsentieren und testen. Zwei Tage lang probierten Passanten mit ihren Fahrrädern das app-gesteuerte Hochparken aus. Die Reaktionen: durchweg positiv. Nun soll eine Nullserie entstehen. Tesche und Gold haben bereits  Pilotprojekte mit den Städten Aalen, Heidenheim und Gmünd vereinbart, um das System weiter zu optimieren und zu testen. Großstädte, für die das System besonders interessant ist, sollen folgen. Die zuständigen Stellen, beispielsweise Stadtwerke, erwerben dann eine Lizenz und betreiben das Parksystem selbst. Deshalb soll auch ein Bezahlmodell integriert werden: „Das wird wahrscheinlich auf einen Dienst wie Paypal hinauslaufen“, sagt Nico Tesche.

Investoren gesucht

Aber auch Firmen, die Radparkplätze für ihre Beschäftigten zur Verfügung stellen, haben die Jungunternehmer im Visier. Diese könnten die Parkpfeiler etwa in Unternehmensfarben gestalten. Die Schienen könnten aber auch an Gebäudefassaden befestigt werden und so gleich von weitem signalisieren, dass das Unternehmen auf  umweltfreundliche Mobilität setzt.

Die Investorensuche läuft. Zusammen mit der Ellwanger Beratungsfirma Eura AG haben Gold und Tesche eine Präsentation, ein Pitch Deck, erarbeitet. Von verschiedenen Seiten kommen Verbesserungsvorschläge, die sogleich mitbedacht werden: eine integrierte Lademöglichkeit für E-Bikes. Ein Dach mit Solarpanel, das nicht nur vor Regen schützt, sondern auch Strom liefert. Ein Fahrradbaum für vier Räder gleichzeitig – eines pro Himmelsrichtung.

Bei der Mountainbike-WM in Juli Aalen werden vier Parkpfeiler entlang der Strecke präsentiert. Vermittelt hat die Präsentation der Radprofi Steffen Thum.

Wir haben uns von Anfang an dazu entschieden, dass wir vieles outsourcen möchten.“

Nico Tesche, Gründer

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