Familienunternehmen Betzold wird 50

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Die Unternehmensführung (von links): Albrecht, Ulrich, Tina und Arnulf Betzold.
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Der Lehrmittelversand Betzold in Ellwangen feiert in diesem Jahr runden Geburtstag. Wie die Coronakrise das Geschäft verändert hat – und welche Ziele die Familie verfolgt.

Ellwangen

Die Ellwanger Arnulf Betzold GmbH wird 50 Jahre alt. Im Interview haben die Geschäftsführer Arnulf Betzold, Albrecht Betzold und Ulrich Betzold sowie Personalleiterin Tina Betzold über Ausrichtung und Zukunft des Unternehmens gesprochen.

Sie haben erneut Millionen Euro in Ihren Ellwanger Stammsitz investiert. Was sind die Hintergründe?

Ulrich Betzold: Im E-Commerce geht es viel um Lieferfähigkeit und Liefergeschwindigkeit. Beides wollen wir mit den 54 000 zusätzlichen Lagerplätzen deutlich verbessern, um unseren Wettbewerbsvorsprung im Bildungsmarkt auszubauen. Die Kommissionierung wurde umgestellt: Bisher bewegte sich der Mensch zur Ware, haben wir eine Ware-zu-Mensch-Kommissionierung, bei welcher die Produkte und die Verpackungen per Roboter zum Arbeitsplatz der Mitarbeiter transportiert werden. In unserer Branche, dem Versandhandel im Bildungsbereich, sind wir mit dieser Technologie führend.

Was sind die Verkaufsrenner?

Albrecht Betzold: Im Schulbereich ist es unser elektronischer Lernstift ‚Tellimero' für Kinder. Kindergärten bestellen am häufigsten die hochwertige Kinderküche. Bei den Lehrkräften ist der Lehrerkalender besonders beliebt. Ein Klassiker ist auch die Lärmampel, die im Klassenzimmer die Dezibel-Stärke misst und anzeigt. Die Kunden sind nicht nur Institutionen wie Schul- oder Kindergartenträger, sondern auch einzelne Schulen oder Lehrer. Wir liefern also vom einzelnen Radiergummi bis zum 120 Kilo schweren Klassenzimmerschrank.

Der Großteil der Kunden sind Schulen und Kindergärten. Wie groß waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Ihr Geschäft?

Ulrich Betzold: Im institutionellen Bereich war das schon stark spürbar, aber wir haben sehr schnell umgeschaltet. Das Thema Bildung war ja nicht weg, sondern im Gegenteil auf die da schon sehr bemitleidenswerten Eltern verlagert. Wir haben da sofort reagiert und sehr schnell ein sehr starkes Homeschooling-Sortiment geschaffen, wir sind einer der führenden Homeschooling-Experten geworden. Dies war so erfolgreich, dass wir auch während der Schulschließungen keine Einbußen hatten, sondern für die Abwicklung der vielen kleinen Aufträge sogar noch 15 Personen zusätzlich einstellen konnten.

Warum bestellen Kunden trotz Konkurrenz durch den globalen Online-Handel bei Betzold?

Tina Betzold: Viele unserer Produkte sind einzigartig, nicht nur die selbst gefertigten Möbel, sondern auch die vielen Eigenentwicklungen im Lehrmittelbereich. So hat zum Beispiel eines unserer selbst entwickelten Produkte, der Tellimero, 2018 mit dem Worlddidac Award eine international renommierte Auszeichnung bekommen. Solche Produkte findet man nur bei uns und das wissen unsere Kunden zu schätzen.

Sie haben einen Teil der Kunststoffproduktion vor einigen Jahren von China zurück nach Deutschland geholt. Hat sich dieser Schritt gelohnt?

Ulrich Betzold: Absolut. Die eigene Fertigung erlaubt uns nicht nur, viel mehr Neuprodukte zu entwickeln, sondern auch die Verwendung ganz neuer Materialien. Sehr erfolgreich sind wir zum Beispiel mit Produkten aus sogenannten Biopolymeren. Dies sind aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnene Biokunststoffe, die weitestgehend ohne Rohöl auskommen und die sehr umweltfreundlich sind. Derartige Produkte wären mit asiatischen Herstellern kaum zu entwickeln gewesen.

Betzold wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Was waren die wichtigsten Entscheidungen der Firmengeschichte?

Arnulf Betzold: Wichtig war immer, den Wandel frühzeitig zu erkennen und zu nutzen. Angefangen habe ich vor 50 Jahren, indem ich noch selbst die Schulen besucht habe. Später kamen dann Handelsvertreter hinzu. Die erste große Entscheidung in der Firmengeschichte war dann der Wandel hin zum Katalogversandhändler. Über die Kataloge konnten wir schlagartig viel mehr Kunden gleichzeitig erreichen. Die zweite große Entscheidung war der Wandel vom Katalogversender zum E-Commerce-Unternehmen. Bereits 1998, noch bevor Amazon in Deutschland aktiv wurde, haben meine Söhne unsere erste Webseite online gebracht. Diesen Weg sind wir in den folgenden Jahren dann sehr konsequent gegangen. Die dritte herausragende Entscheidung war sicher der Wandel vom reinen Händler zum Produktionsunternehmen. Der Aufbau unserer Möbelfertigung und der Spritzgussfertigung hat uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dies hilft uns nun unglaublich, während reine Händler oft Schwierigkeiten haben, sich vom Riesen Amazon abzuheben.

Was sind Ziele für die Zukunft?

Albrecht Betzold: Unser nächstes Ziel ist ganz klar die Digitalisierung der Bildung. Dort wurde ungeheuer viel verpasst und Corona hat dies bitter gezeigt. Im internationalen Vergleich ist Deutschland da unglaublich weit abgeschlagen. Wir wollen die nun folgenden Veränderungen der Bildungslandschaft aktiv mitgestalten. Der Auftakt ist unser digitaler Bildungskongress und bereits in diesem Jahr werden wir die ersten drei "Betzold DigiBiz" in Ellwangen, Berlin und Schaffhausen eröffnen. Dies sind Fortbildungszentren, in welchen Lehrkräfte sich über Digitalprodukte informieren können.

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