Feuer und Flamme für ein neues Produkt

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„typemyknife“ ist gestartet. Im Bild Claus Ermlich (links) und Thomas Raschke.
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Individualisierte Küchenmesser stoßen in eine Marktlücke. Die Gmünder Gründer Thomas Raschke und Claus Ermlich setzen die Idee in die Tat um.

Schwäbisch Gmünd

Die Flamme auf der Startseite von typemyknife.com, einem Startup-Unternehmen aus Schwäbisch Gmünd: Sie ist mehrfaches Symbol. Feuer und Flamme für ein neues Produkt, Flamme für ein Objekt, das in der Hitze entsteht und in der Küche gleich neben dem flammenden Gasherd zum Einsatz kommt: Es geht um Küchenmesser-Unikate, individualisiert durch grafische Elemente, eine Schrift oder ein Wunschbild. Das alles lässt sich online in einer 3D-Welt konfigurieren und bestellen. Hinter dem Unternehmen stehen Thomas Raschke, Goldschmiedemeister, Absolvent der Kunstakademie Stuttgart, Bildhauer, Zeichner, Messerschmied, Königlich Schwedischer Hoflieferant, Gewinner mehrerer Kunstpreise. Und Claus Ermlich, Küchenmeister und Hotelbetriebswirt, langjähriger freiberuflicher Berater und Projektentwickler mit Erfahrungen von Bordeaux bis Madagaskar.

Ein Zufall bringt die beiden auf die Idee: Thomas Raschke lebt Jahre lang in Stockholm, lernt dort das Handwerk des Messerschmiedens und der künstlerischen Gestaltung der Griffe. Zurück in Schwäbisch Gmünd laufen sich die einstigen Schulfreunde über den Weg und kommen nach einer Ausstellung in der Goldschmiede auf den Punkt. Individualisierte Messer gibt es so noch nicht. Für den Sternekoch mit seinem eigenen Logo und Design, für begeisterte Köchinnen und Köche zuhause, die gerne ihr Lieblingsmotiv auf dem Messer sehen würden.

Was einfach klingt, ist nicht ganz unkompliziert: „Wir haben alles ausprobiert“, sagt Thomas Raschke. Gravieren, Ätzen, Siebdruck bringen nicht den erhofften Erfolg. Entweder verblasst das Motiv bald, weil es der Nutzung nicht standhält. Oder die winzigen Vertiefungen lassen sich nicht mit der Küchenhygiene vereinbaren. Dann bleibt nur noch die Idee mit dem Laser. Die scheitert zunächst an der Hardware. „Wir haben mindestens zehn Laserfirmen abgeklappert, in keinem Fall war das zu realisieren. Das Problem: Es gibt zwar Lasergeräte für Edelmetall-Oberflächen. „Aber bei zehn Zentimeter Größe ist Schluss, weil das für die Anforderungen der Industrie ausreicht.“ Dort werden Laser etwa benutzt, um einen winzigen QR-Code aufs Metall zu bringen. Das Startup-Unternehmen aus Gmünd braucht aber mindestens 30 Zentimeter Bearbeitungsgröße, um alle möglichen Küchenmesser verändern zu können. „Zwei Jahre haben unsere Versuche gedauert“, so Thomas Raschke. Dann ging es plötzlich ganz rasch: Ein Unternehmen ist gefunden, das so ein Lasergerät bauen kann.

Während sich Thomas Raschke um die Fragen der Produktion kümmert, widmet sich Claus Ermlich dem digitalen Projekt. Parallel zur Entwicklung müssen Homepage und Marketingkonzept stehen. Tausende Fotos werden aufgenommen, mehrere hundert 3D-Bilder in den Online-Auftritt integriert. Das Programm wird speziell für das Unternehmen geschrieben. Es muss mit dem Kunden kooperieren können, dass Konfiguration und Bestellung möglich sind. Gleichzeitig ist es angebunden an die sozialen Medien, so kann ein selbst entworfenes Design rasch über eine Nachricht, etwa bei WhatsApp, an Freunde gesendet werden. Und das Programm muss sich mit dem Lasergerät verstehen, denn die Produktion soll möglichst automatisiert ablaufen. Inzwischen hat das Projekt „typemyknife.com“, wie es sich jetzt nennt, Hand und Fuß. Der Businessplan steht. Nicht ganz ohne Reibungsverluste: „Wir haben zum Beispiel 15 000 Euro an schlechte Programmierer verloren“, so Claus Ermlich. „Und wir haben Zeit verloren, auch das ist Geld.“ Die ursprüngliche Idee, die Produktion außer Haus zu geben, wird rasch aufgegeben, weil kurze Wege nur durch Prozesse in eigener Hand möglich sind. Thomas Raschke und Claus Ermlich haben das fertige Projekt Banken vorgestellt: „Und alle wollten uns finanzieren“, sagt Claus Ermlich, „wir konnten uns die Bank also aussuchen. Die Gesamtidee überzeugte. Auch das Land Baden-Württemberg. „Wir bewarben uns für den Innovationsfonds und wurden prompt mit einer Investitionsförderung geadelt“, sagt Claus Ermlich. Nachzulesen auf der Startseite von typemyknife.com: „Gefördert vom Land Baden-Württemberg, Invest bw“, heißt es dort.

Zum Businessplan gehört auch der Ausblick: Im ersten Schritt wendet sich das Unternehmen an den deutschsprachigen Raum. Schon bald soll Europa insgesamt dazu kommen. Der Onlineauftritt ist in fünf Sprachen übersetzt. Jetzt müssen noch die gesetzlichen Hürden der einzelnen Länder bedacht werden. „Dann können wir uns ein organisches Wachstum vorstellen, unsere Kapazitäten jeweils der Auftragslage anpassen. „Die automatisierten Prozesse kommen dem entgegen. Und die Zeit: „Wir haben einen Innovationsvorsprung von zwei Jahren“, sagt Thomas Raschke. Zeit genug, um mögliche Wettbewerber auf Distanz zu halten.

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