Filialisten auf dem Rückzug?

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Blick in die Aalener Innenstadt: Die Filiale von H&M wird etwa nach dem Lockdown wieder öffnen – sie ist von den Sparplänen der schwedischen Firma nicht betroffen.
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Zahlreiche Handelsketten kündigen die Schließung von Standorten an. Wie es mit H&M, Depot oder Pimkie im Ostalbkreis weitergeht.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Die Verzweiflung in der Einzelhandelsbranche wächst: "Der Lockdown geht leider einfach immer weiter", klagte Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg in dieser Woche bei einer Pressekonferenz, Mitarbeiter und Unternehmer seien psychisch am Ende, die Gefahr zahlreicher Insolvenzen steige mit jedem Tag. Ebenso jene, dass die Innenstädte veröden, weil immer mehr Händler aufgeben. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Sabine Hagmann, kritisiert scharf, dass der Einzelhandel in den Öffnungsperspektiven der Bundeskanzlerin nicht mal vorkomme. "Für uns ist das eine untragbare Situation", sagt Hutter. "Wir werden einfach hängen gelassen."

Nicht nur die familiengeführten Unternehmen bangen um die Zukunft, auch größere Mode- und Einzelhandelsketten sind bereits in Schwierigkeiten geraten und haben Filialschließungen angekündigt.

Der Parfümerie-Händler Douglas hat sich ein massives Sparprogramm auferlegt. Das Unternehmen schließt seine Filiale in Schwäbisch Gmünd, will an jenen in Aalen und Heidenheim aber festhalten. Insgesamt fallen 60 Standorte in Deutschland weg. Doch auch weitere Filialisten haben Schließungen angekündigt – oder werden ihre Läden nach Ende des Lockdowns nicht mehr öffnen.

Die Gries Deco Holding mit Sitz in Niedernberg betreibt unter dem Markennamen Depot ein Filialnetz, in dem Wohnaccessoires und Kleinmöbel verkauft werden. Laut Medienberichten will das Unternehmen, das über rund 500 Einzelhandelsfilialen verfügbar, bis Ende des Jahre deutschlandweit rund 35 Standorte schließen. Im Ostalbkreis gibt es Depot-Filialen in Aalen und Schwäbisch Gmünd. Ob diese Standorte den Schnitt überdauern werden, steht aber noch nicht fest. Die zuständige Pressestelle will sich auf Anfrage nicht zur Zukunft einzelner Filialen äußern.

Das Geschäft der schwedischen Modekette H&M verlagert sich derweil immer mehr ins Internet. 350 Filialen sollen weltweit geschlossen werden – jene in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim gehören jedoch nicht dazu. "Die genannten H&M-Standorte sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht von einer Schließung betroffen", erklärt eine Sprecherin.

Wir werden einfach hängen gelassen.

Hemann Hutter Handelsverband Baden-Württemberg

Auch der einst angesagte Modehändler Pimkie hat Schließungen im großen Stil angekündigt. Das Unternehmen hatte in Österreich Insolvenz angemeldet, in Deutschland sollen 40 der 75 Filialen schließen. Zum Vergleich: Vor drei Jahren betrieb das Unternehmen, das seinen deutschen Sitz im badischen Willstätt bei Offenburg hat, noch 150 Standorte in Deutschland.

Eine Anfrage, was mit der Filiale in Gmünd geschehen wird, ließ die Firma unbeantwortet. Wer indes im Netz nach dem Standort in der Region sucht, findet daneben stehend nur ein "Dauerhaft geschlossen". Auf der Webseite ist die einzige Filiale im Kreis nicht mehr gelistet.

Auch die Modefirmen Tom Tailor und Esprit haben erklärt, Filialen schließen zu wollen. Die von der chinesischen Fosun-Gruppe übernommene Tom Tailor hat sich ein anspruchsvolles Sparprogramm auferlegt und streicht bereits seit Jahren unrentable Standorte. Ob jener in Gmünd nach Ende des Lockdown wieder öffnet, ist ungewiss. Eine entsprechende Presseanfrage an Tom Tailor blieb erfolglos.

Esprit will laut Medienberichten die Hälfte der Filialen schließen. Eine Anfrage, ob der Standort in Aalen betroffen ist, ließ Esprit unbeantwortet. Beide Firmen waren in den vergangenen Jahren in Schwierigkeiten geraten – allerdings schon vor Pandemie.

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