Finanzierung vorerst geplatzt: ZEI-Tec muss in Insolvenz

+
Luftbild vom SHW-Areal in Wasseralfingen.
  • schließen

120 neue Jobs sollten auf dem SHW-Areal entstehen: Mit großen Plänen gestartet, muss das Aalener Start-up einen herben Rückschlag hinnehmen. Warum der Insolvenzverwalter dennoch überzeugt ist, dass die Firma eine Zukunft hat.

Aalen

Die Pläne sind ehrgeizig: Innerhalb weniger Jahre wollte die ZEI-Tec GmbH auf dem SHW-Areal in Wasseralfingen eine Produktion für sogenannte Eisenkerne für Transformatoren aufbauen. Rund 35 Millionen Euro soll das kosten, gefördert wurde das Vorhaben unter anderem vom Bundesumweltministerium mit einer Summe von rund 7,4 Millionen Euro. Nun muss das Vorhaben von Gründer Dr. Bertram Ehrmann einen herben Dämpfer hinnehmen: Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Aalen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht den Aalener Rechtsanwalt Henning Necker ernannt. Aktuell analysiert er die Lage des Unternehmens. Die Gehälter der insgesamt fünf Mitarbeiter des Start-ups sind für die Monate Dezember, Januar und Februar über das Insolvenzgeld abgesichert. „Ausschlaggebend für die Insolvenz sind strukturelle Fehler bei der Finanzierung des Unternehmens“, erklärt Necker. Akuter Auslöser der Insolvenz: Einer der Gläubiger hat laut Necker eine Forderung fällig gestellt, die das Start-up nicht bedienen konnte. „Die Zahlungsunfähigkeit war damit gegeben und deshalb musste ich den Insolvenzantrag stellen“, erklärt Ehrmann. Er hofft, „dass der Insolvenzverwalter eine Fortführungslösung aufzeigen kann“. Ehmann sagt, dass Provisionsforderungen eines Beratungsunternehmens in erheblicher Höhe angefallen seien, "die vor Auszahlung der verprovisionierten Leistung fällig gestellt wurden und damit für die Krise mitursächlich sind".

Der Anwalt ist optimistisch, für das Unternehmen eine Lösung zu finden. „Es gibt bereits interessierte Investoren, die bei ZEI-Tec einsteigen wollen“, so Necker. Die Insolvenz sei zwar „ein Rückschritt, aber nicht das Ende“ des Unternehmens. Zusätzlich zu Anwalt Necker will ZEI-Tec-Gründer Ehmann sich durch die Schröder-Consult GmbH mit Sitz in Berlin beraten lassen.

Noch vor einigen Wochen hieß es vom Unternehmen selbst, dass die Finanzierung gesichert sei und der Umbau der Produktionshallen auf dem SHW-Areal noch in diesem Jahr beginnen soll. Auf gut 35 Millionen Euro, davon 7,4 Millionen Euro aus Fördermitteln des Innovationsprogramms des Bundesumweltministeriums, soll sich das Finanzvolumen der jungen Firma belaufen haben, die in die Büro- und Produktionshallen der ehemaligen SHW Casting Technologies in Wasseralfingen eingezogen war.

ZEI-Tec plant dort eine Produktionsanlage für neuartige und höchst effiziente weichmagnetische Eisenkerne für Transformatoren in Stromnetzen, Generatoren und E-Motoren. Die Innovation von ZEI-Tec: In den Stromnetzen Europas werden aktuell Transformatoren mit einem Kern aus Elektroblech eingesetzt. Die Herstellung und der Betrieb von Elektroblechkernen sind mit hohem Energie- und Materialverbrauch verbunden. Mit den neuen Folien, die das Start-up in Wasseralfingen herstellen will, wird der Energieverlust reduziert, etwa um den Faktor 10. Pro Jahr will ZEI-Tec rund 250 Millionen Meter produzieren. Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesumweltministerium sprach bei der Übergabe des Bewilligungsbescheids im Juli von einem „Leuchtturmprojekt für die Energieinfrastruktur mit Strahlkraft weit über die Region hinaus, da es Energie und wertvolle Ressourcen einspart“.

Die Fördermittel waren zwar Teil der Finanzierung, wurden aber laut Insolvenzverwalter Necker noch nicht ausbezahlt. „Dieses Geld fließt über einen bestimmten Zeitraum und die Auszahlung der Tranchen ist an bestimmte Bedingungen geknüpft“, so der Anwalt.

Nach dem Produktionsstart in diesem Jahr sollten bis Ende 2022 erste Produktmuster an Anwender der Energieversorgung geliefert werden. Ende 2023 wollte ZEI-Tec mit dem industriellen Produktionsstart beginnen. Bis dahin sollten rund 120 Mitarbeitende eingestellt werden. Im Laufe des Jahres 2022 soll diese Zahl auf 40 bis 50 steigen. Diese Pläne werden nun durch die Insolvenz massiv ausgebremst.

Wie Anwalt Necker erklärt, sei die Insolvenz eines Start-ups trotz der Interessenten „eine Herausforderung“. Schließlich haben Unternehmen in diesem frühen Stadium kaum oder im Falle von ZEI-Tec keine Einnahmen. Er will nun Kontakt zu den interessierten Investoren aufnehmen.

Lesen Sie auch

Neue Fabrik auf dem SHW-Areal entsteht

ZEI-Tec legt auf SHW-Areal los

Es gibt bereits interessierte Investoren, die bei ZEI-Tec einsteigen wollen.“

Henning Necker, Insolvenzverwalter
ZEI-Tec hat die ehemaligen Räume der SHW CT in Wasseralfingen übernommen.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare