Insolvente Traditionsfirma findet Investor

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Stammsitz von Schuck in Steinheim.
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Das Steinheimer Unternehmen Schuck findet nicht nur einen Übernehmer für die kränkelnde Pipeline-Sparte. Ein Investor aus Südtirol übernimmt die komplette Firmengruppe. Was das für die Beschäftigten bedeutet.

Steinheim

Vor knapp einem halben Jahr zog die Steinheimer Firmengruppe die Notbremse: Wegen des kriselnden Geschäftsbereichs der Großkugelhahnfertigung für Pipelines musste das Unternehmen sich sanieren und stellte einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Geschäftsführer Michael Schuck, Sanierungsspezialist Jochen Sedlitz sowie Sachwalter Prof. Dr. Martin Hörmann kündigten an, einen Käufer für die defizitäre Sparte zu finden. Nun vermelden sie einen Erfolg: Doch der Investor übernimmt nicht nur das Pipeline-Geschäft, sondern die gesamte Firmengruppe mit rund 200 Mitarbeitenden. 25 Jobs fallen im Zuge des Verkaufs jedoch weg.

Bei dem Investor handelt es sich um die Max Valier Holding aus Südtirol. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bozen und ist laut eigenen Angaben auf den Erwerb und die Entwicklung von mittelständischen Engineering-, Fertigungs- und Dienstleistungsunternehmen im gewerblichen und industriellen Bereich spezialisiert. Laut Schuck brächten die neuen Inhaber ein großes Know-how und ein breites Netzwerk in das Unternehmen ein. Die Holding plane zudem weitere Investitionen am Standort in Steinheim.

„Das weltweit bekannte Traditionsunternehmen Schuck genießt mit seinen innovativen Produkten den Ruf als Qualitätsführer“, erklärt der Geschäftsführer der Max Valier Holding, Hannes Mahlknecht. „Wir werden mit den motivierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darauf aufbauen und bedanken uns für das Vertrauen von Familie Schuck, der Arbeitnehmervertretung und der Eigenverwaltung.“ Mit dem Unternehmen übernimmt Max Valier 200 Mitarbeitende. 25 Beschäftigte verlieren indes ihren Arbeitsplatz, die Verhandlungen über den Abbau sehen im Rahmen eines Interessensausgleichs eine Transfergesellschaft mit einer zehnmonatigen Laufzeit vor. Von den einst 300 Beschäftigten hatten sich bereits einige vor und während der Krise neue Tätigkeitsfelder gesucht.

„Man muss ehrlich sein, wir hätten den Bereich Großkugelhahn nicht weiterführen können und daher mit unserem Konzept einen deutlich größeren Personalabbau vornehmen müssen, als dies jetzt der Fall ist“, erläutert Geschäftsführer Michael Schuck. Aus diesem Grunde habe sich die Familie Schuck dazu entschieden, der Lösung mit Max Valier den Vorzug zu geben und diese zu unterstützen – „auch wenn dies für uns schweren Herzens bedeutet, dass wir das Unternehmen aus der Hand geben werden“, so Schuck weiter.

Verantwortlich für die Schieflage der Traditionsfirma war das in Folge der globalen Krisen massiv kränkelnde Geschäft mit Großkugelhähnen für Pipelines. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hatte den Geschäftsbetrieb fast zum Erliegen gebracht. Eine geplante Expansion in den südamerikanischen Markt entwickelte sich bereits zuvor zu einem millionenschweren Desaster: So hatte Schuck für die Erschließung des Marktes einen südamerikanischen Konzern als Partner ins Auge gefasst. Dieser musste aufgrund von Bestechungsskandalen Insolvenz anmelden. Ergebnis: Nicht nur die Expansion endete, bevor sie begann. Schuck verlor nicht nur sicher geglaubten Umsatz, sondern laut eigenen Angaben zudem einen hohen einstelligen Millionenbetrag. Allein im Jahr 2020 hat Schuck einen Verlust von mehr als 5 Millionen Euro erwirtschaftet, der Umsatz sank damals von 55 auf 48 Millionen Euro.

Eigentlich hatten die Verantwortlichen nach der im Mai bekannt gewordenen Insolvenz in Eigenverwaltung angestrebt, das Pipeline-Geschäft zu veräußern und sich auf das rentable, zweite Standbein, die Hausanschlusstechnik, zu konzentrieren. Schließlich gilt Schuck in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Marktführer für Hausanschlüsse für Wasser, Gas und Strom. Für den Investor dürfte dieser Bereich angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage der wesentlich attraktivere sein. Aktuell beschäftigt das Unternehmen über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Umsatzvolumen von knapp 30 Millionen Euro pro Jahr.

„Wir haben alle gemeinsam für die nun gefundene Lösung gekämpft und trotz der wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der vergangenen Monate eine Sanierung umsetzen können, die den Betrieb zukunftsfähig in neue Hände übergibt“, sagt Rechtsanwalt Sedlitz. „Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen und so dem Unternehmen eine Zukunft gegeben.“ Besonderer Dank gelte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Betriebsrat, der IG Metall und dem Sachwalter Prof. Dr. Hörmann für Einsatz und Unterstützung. Neben Sedlitz war dessen Kollege Sebastian Schottmüller federführend für die Eigenverwaltung tätig.

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