Zeiss: Mit versteckter Kamera Zellen bei der Teilung zusehen

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Mit dem Mikroskopiesystem Lattice Lightsheet 7 des Oberkochener Optikkonzerns können Zellen zerstörungsfrei beobachtet werden.

Oberkochen. Zellen sind die Grundbausteine aller Lebewesen. Wer Leben verstehen will, muss sie beobachten. Bisher war das schwierig: Denn Mikroskope, die Einblicke in diese winzigen Dimensionen erlauben, waren auf Laserstrahlung, tausendmal stärker als Sonnenstrahlen, angewiesen. Zu viel Licht aber schädigt Zellen. Mit seinem Lattice Lightsheet 7 hat der Optikkonzern Zeiss ein neuartiges Produkt geschaffen, das er nun bei der er Bilanzvorstellung in Oberkochen zeigte. Was äußerlich aussieht wie ein Drucker oder Kopierer ist ein Mikroskopiesystem, das Zellen beobachten lässt, ohne dass diese von Licht beeinträchtigt werden.

„Die Zelle fühlt sich unbeobachtet“, drückt es Dr. Yilmaz Niyaz, Leiter des Zeiss Microscopy Customer Center Europe in Oberkochen, aus. Vor kurzem hat das Supermikroskop den Deutschen Zukunftspreis – ausgestattet mit 250 000 Euro – erhalten. Namentlich die Zeiss- Enwickler Dr. Thomas Kalkbrenner, Dr. Jörg Siebenmorgen und Ralf Wolleschensky wurden ausgezeichnet. "Die Forschung hat mehr als zehn Jahre gedauert, nun ist das Lattice Lightsheet 7 industrietauglich und zugänglich für die Alltagsforschung gemacht“, freute sich Zeiss-Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht.

Yilmaz Niyaz führte das System im Mikroskopiezentrum vor: Bei seinem Einsatz werde die Lichtstruktur so verändert, dass fast keine Energie in die Zelle eintritt. Licht werde nur in den Bereich der Probe eingebracht, der sich im Fokus des Objektivs befindet. Und dieses Licht treffe in einem schrägen Winkel auf die Probe, die beispielsweise in einer Petrischale liegt. Die technische Lösung bestehe auch darin, Abweichungen wieder zu entfernen und das Beobachtete optisch erlebbar zu machen. Auf einem Bildschirm sind die Zellen dann in 3D und verschiedenen Farben sichtbar. Entscheidend, so Niyaz, sei nicht die Vergrößerung, sondern die Auflösung – zeitlich und räumlich – bei möglichst geringem Energieaufwand.

Mit dem Mikroskop kann Zellen über Stunden und Tage bei der Teilung zugesehen werden: „Wir haben schon bis zu fünf Zellgenerationen beobachtet“, so Niyaz. Forscherinnen und Forscher können so Mechanismen in den Zelle von Nematoden, Fruchtfliegen, aber auch Menschen verstehen. Wichtig ist das beispielsweise, um herauszufinden, welche Effekte Medikamente auf Körperzellen haben.

Bei der Erforschung der Immuntherapie zur Krebsbehandlung hat ein Team mit dem Lattice Lighsheet bereits das Verhalten von Abwehrzellen studiert. Ein anderes Team beobachtete, wie Blutzellen von einem Malaria-Erreger infiziert werden.

Auf die Journalistenfrage, was das Lattice Lightsheeet 7 denn koste, lässt sich Niyaz ein „über eine halbe Million“ entlocken. Die Interessenten aus Forschung und Industrie – 60 bis 70 Interessierte haben sich das Produkt schon angesehen, mehr als die Hälfte entscheidet sich laut Niyaz für das System – kaufen natürlich nicht von der Stange. Es wird höchst individuell für den jeweiligen Zweck gebaut und variiert darum auch stark im Preis.

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