Fischer: Wie die Börse auf den Krieg reagiert

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Herbert Fischer, Aktienclub Wasseralfingen

Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt im Gespräch Stellung zur aktuellen Lage an den Märkten. Von Matthias und Wilfried Kapfer

Aalen

Der russische Überfall auf die Ukraine und dessen Folgen haben die Finanzmärkte weltweit aus dem Gleichgewicht gebracht. Im Interview blickt Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, auf die aktuelle Lage.

Herr Fischer, aus dem Säbelrasseln in der Ostukraine wurde bitterer Ernst, Wladimir Putin versucht seit über einer Woche die Ukraine mit seinen russischen Streitkräften einzunehmen. Wie haben die Börsen auf das Ende von über 70 Jahren Frieden in Europa reagiert?

Seit Jahresbeginn bis heute (Stand 7. März) reagierten die Börsen   mit deutlich geringeren Kursrückgängen als bei der Pandemiepanik im ersten Quartal 2020. Damals verzeichnete der DAX ab 20. Februar bis Ende März einen Kursrückgang von circa 28 Prozent. Vergleichbar waren auch die Verluste der meisten großen Indizes. Die Kursverluste wurden im dritten Quartal wieder ausgeglichen. Aktuell haben wir beim DAX einen Kursrückgang von 19,19 Prozent, beim ESTX 50 sind es 18,43 Prozent. In den USA verzeichnete der Nasdaq 100 ein Minus von 17,61 Prozent; der DOW Jones deutlich weniger, ein Minus von 9,44 Prozent, der S & P 500 verlor 11,40 Prozent. Aus europäischer Sicht profitierte die USA-Börse vom Kursanstieg des Dollars gegenüber dem Euro mit einem Plus von 4,5 Prozent. Bei unserem WAC-Fonds verzeichnen wir einen Kursrückgang von 15,82 Prozent,  also deutlich  weniger als beim DAX.

 

Der Westen hat mit gezielt scharfen Sanktionen auf die völkerrechtswidrige Invasion geantwortet und versucht Russland wirtschaftlich und finanziell zu schaden. Welche Auswirkungen haben diese Sanktionen auf deutsche Anleger?

 

Es gibt Länder, die uns bedrängen, die Energieversorgung aus Russland mit Gas, Öl, und Steinkohle zu stoppen. Das hat eine andere Relevanz als das Einfrieren von Bankkonten,  Einreiseverbot oder Festsetzung von Luxusyachten der Oligarchen. Wirtschaftssanktionen sind keine Einbahnstraße, sie schaden immer beiden, wenn auch  unterschiedlich stark. Hier sollte mit Bedacht vorgegangen werden. Wirtschaftssanktionen sind ein Störfaktor für die Börse, umso wichtiger ist die Auswahl der Aktien. Die soeben bestärkte Verbindung zwischen der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt, China, und Russland sollten wir nicht übersehen. Ein Block aus zwei riesigen undemokratischen Ländern wäre nicht gerade ein Vorteil für uns.

 

Wie haben Sie als Fondmanager des WAC-1 Fonds auf diese Entwicklungen reagiert? Und welche Tipps haben Sie für unsere Leserinnen und Leser, welche seit Beginn des Krieges rote Vorzeichen in Ihren Aktienportfolios sehen?

 

Für fremde Aktienportfolios Tipps zu geben wäre leichtsinnig. Sparpläne, sofern vorhanden, sind bei rückläufigen Kursen im Vorteil. Für unseren Investmentfonds haben wir uns von Aktien getrennt, die ohne Zusammenhang mit der aktuellen Situation unter Druck geraten sind. Wir haben Liquidität aufgebaut und vorsichtig im Rohstoff- und Energiebereich investiert. In der schwer einschätzbaren Situation ist die tägliche Beobachtung der Geschehnisse an der Börse ein Muss.

 

Zu den bereits rekordverdächtigen Inflationszahlen und Rohstoffpreisen, sowie den Auswirkungen des Corona-Virus gesellt sich nun die Angst vor einem weiter eskalierenden Konflikt zwischen Russland und der NATO. Wie schätzen Sie als Experte die nächsten Tage, Wochen oder sogar Monate an den weltweiten Börsen ein?

 

Inflation, Pandemie, gestörte Lieferketten, Rohstoffpreise waren 2021 offensichtlich keine Hemmschwelle für die Börse und schon gar nicht  für unseren Investmentfonds, mit einem Plus von 25,78 Prozent als Jahresergebnis 2021.  Die aktuelle Situation verlangt nach neuen Schwerpunkten in der Zusammensetzung eines Depots. Aktien aus dem Energiebereich, Rohstoffaktien, aber auch Aktien aus dem Rüstungsbereich - den wir gemieden haben - und Aktien preisbestimmender Unternehmen verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Es bleibt zu hoffen, dass die Nato ihre Erklärung: „Militärisch in den aktuellen Krieg nicht eingreifen“ einhält, sonst wird es unübersehbar kritisch.

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