Flächentarif für alle deutschen Zeiss-Standorte

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Zeiss-Zentrale in Oberkochen.
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Zeiss und die IG Metall wollen für ganz Deutschland Tarifbindung an die jeweiligen regionalen Flächentarifverträge der Metall- und Elektroindustrie.Sonderregelungen für bestimmte Gruppen.

Oberkochen

Der Zeiss-Konzern und die IG Metall haben ein Eckpunktepapier unterzeichnet. Danach sollen künftig alle deutschen Zeiss-Standorte tarifgebunden sein. Basis sind die jeweiligen regionalen Flächentarifverträge der Metall- und Elektroindustrie. Das bedeutet, dass zusätzlich für mehrere Hundert Beschäftigte auf der Ostalb, in anderen Teilen Baden-Württembergs und in ganz Deutschland tarifvertragliche Regelungen gelten. Details und genaue Ausgestaltungen sollen in den kommenden Monaten schrittweise weiter erarbeitet werden, so der Konzern.

Damit, so Zeiss in einer Pressemitteilung, werde der Flächentarifvertrag als Ordnungsrahmen für Zeiss weiter gefestigt, der in der Vergangenheit bereits an den großen Standorten der Zeiss-Gruppe wie etwa in Oberkochen zur Anwendung kam. „Der Flächentarifvertrag mit seinen attraktiven und standardisierten Beschäftigungsbedingungen hat sich für Zeiss als Ordnungsrahmen bewährt. Als umfassendes Tarifwerk bietet er Kontinuität und Arbeitsplatzsicherheit und steigert die Attraktivität von Zeiss als Arbeitgeber“, betont Franz Donner, Leiter Corporate Human Resources im Konzern. „Das Eckpunktepapier beinhaltet neben der Tarifbindung auch einige weitere Weichenstellungen in Bezug auf Flexibilisierung und Anpassungsmöglichkeiten, die für das zukünftige Wachstum der Zeiss-Gruppe sehr hilfreich sein werden", fügt er hinzu.

Im Eckpunktepapier vereinbaren Arbeitgeber und Gewerkschaft einerseits, dass Standorte, die bislang nicht an die Flächentarife angebunden waren, über sogenannte Heranführungsregelungen schrittweise mit dem jeweils regionalen Flächentarifvertrag harmonisiert werden können. Zudem sieht das Papier "angemessene Sonderregelungen" und Ergänzungen zum Flächentarifvertrag für besondere Beschäftigtengruppen vor. Dies sei nötig "um das weitere Wachstum der Zeiss-Gruppe gezielt zu unterstützen", heißt es aus dem Konzern. Betroffen sind von diesen Sonderregelungen Vertriebs- und Servicemitarbeiter, Beschäftigte von Gesellschaften der Zeiss-Gruppe mit stark internationaler Ausrichtung, Beschäftigte in Innovationsbereichen sowie die sogenannten übertariflich Beschäftigten. "Für diese Beschäftigtengruppen werden durch die Ausgestaltung wettbewerbsfähiger und moderner Arbeitsbedingungen Vorteile erwartet, von denen alle, Unternehmen und Beschäftigte, profitieren", teilt Zeiss mit. Die Sonderregelungen zielen unter anderem auf eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit sowie der Vergütungssystematik, beispielsweise durch erweiterte Nutzung der Vertrauensarbeitszeit, Einführung von Entgeltbändern oder angepasste Regeln für variable Gehaltsbestandteile.

Die IG Metall begrüßt das Eckpunktepapier: "Ein wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung" ist es für Kai Burmeister, den kommissarischen Geschäftsführer der IG Metall Aalen und für die Verhandlungen zuständigen Gewerkschafter: "In Zeiten zurückgehender Tarifbindung ist das Bekenntnis von Zeiss zur Tarifbindung ein wichtiges und richtiges Zeichen einer funktionierenden und gelebten Sozialpartnerschaft. Unternehmenserfolg, gewerkschaftliche Mitbestimmung und Tarifverträge gehören zusammen“, sagt er.

Auf Nachfrage erläutert Burmeister: "Auf der Ostalb ist Zeiss in den letzten Jahren stark gewachsen. In manchen Teilen des Konzerns fehlten aber auch hier Tarifverträge. Das Bekenntnis des Unternehmens zur Tarifbindung ist für die Beschäftigten wichtig, damit alle vom Tarifvertrag profitieren können. Das bringt Sicherheit, ordentliche Einkommen und bessere Regelungen bei der Arbeitszeit."

Aus Sicht der IG Metall wurde damit ein Vorbild geschaffen, das als Grundlage für die Tarifbindung auch bei anderen Technologieführern dienen kann. Gerade in innovativen Technologiefeldern sei jüngst mit Ausgründungen versucht worden, den Spielregeln des Tarifvertrags zu entgehen, so Barbara Resch, Tarifsekretärin der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführerin: "Die Vereinbarung mit ZEISS hingegen bietet einen erfolgversprechenderen Weg. Kollektive Regelungen des Tarifvertrags, Selbstbestimmung für die Beschäftigten und wirtschaftlicher Erfolg bedingen sich."

An den Standorten könne nun sukzessive mit der Umsetzung der Rahmenvereinbarung begonnen werden. „Die von der COVID-19-Pandemie geprägten vergangenen 18 Monate haben gezeigt, wie wesentlich Flexibilität und Dialog sind. ZEISS hat auch in diesen besonderen Zeiten gezeigt, wie das in Deutschland etablierte Modell der Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft erfolgreich gelebt werden kann, um unternehmerischen Erfolg zu unterstützen“, so Franz Donner. „Im gegenseitigen Dialog gelang es und gelingt es, angemessene und zukunftsfähige Arbeitsbedingungen zu gestalten. Das ist letztlich auch ein Wettbewerbsvorteil.“

"Das bringt Sicherheit, ordentliche Einkommen und bessere Regelungen bei der Arbeitszeit."

Kai Burmeister, IG Metall Aalen

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