Gardena: Erst die Grabung, dann die Mega-Investition

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Die neuen Pumpen und Hauswasserwerke sollen sich vor allem durch einen geräuscharmen Betrieb und einen reduzierten Energieverbrauch auszeichnen.
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Trotz diverser Widrigkeiten ist Gardena weiter auf Wachstumskurs. Die größte Investition der Firmengeschichte in Ostwürttemberg könnte von archäologischen Grabungen verzögert werden.

Gerstetten/Heuchlingen

Der Gartengerätehersteller Gardena bleibt auf strammen Wachstumskurs. Wie das Unternehmen mit Sitz in Ulm und großen regionalen Standorten in Heuchlingen sowie Niederstotzingen mitteilt, sind die Erlöse im ersten Halbjahr 2022 auf 930 Millionen Euro gestiegen. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lagen die Erlöse bei rund 726 Millionen Euro. Allerdings hat das Unternehmen wie andere Firmen auch mit immer größeren Widrigkeiten zu kämpfen – und auch der geplante Neubau am Standort in Heuchlingen, wo Gardena einen dreistelligen Millionenbetrag investieren und damit die größte Investition der Firmengeschichte tätigen will, droht sich zu verzögern.

Zufrieden ist man dennoch mit dem ersten Halbjahr, wie Pär Åström, Chef der Gardena Division beim Mutterkonzern Husqvarna, erklärt. „Es ist uns gelungen, das während der Pandemie erreichte starke Umsatzniveau zu behaupten, obwohl das erste Halbjahr mit einem kühlen Frühjahr begann und die allgemeine Wirtschaftslage sich verschlechtert hat.“ Zudem hat das Ulmer Unternehmen von einem Einkauf profitiert. „Durch die Übernahme von Orbit Irrigation in den Vereinigten Staaten und der Einführung neuer smarter Funktionen bei der Bewässerung und bei Mährobotern konnte Gardena seine internationale Expansion und das technologiegetriebene Wachstum erfolgreich fortsetzen“, so Åström weiter.

Dennoch wirken sich die konjunkturelle Entwicklung und die generelle Abschwächung der Verbrauchernachfrage in vielen Branchen auf Gardena aus. Zudem hatten die Ulmer zuletzt ebenfalls mit Lieferkettenproblemen zu kämpfen. So sei es etwa zu Versorgungsengpässen bei Komponenten für Mähroboter gekommen, berichtet die Firma. Nicht die einzige Widrigkeit: „Gestiegene Preise für Rohstoffe, Komponenten, Transporte und Energie verursachen weiterhin einen erheblichen Kostendruck auf das Unternehmen. Zur Kompensation hat dies Preissteigerungen für unsere eigenen Produkte erforderlich gemacht“, erläutert Tobias M. Koerner von Gardena. Ungeachtet dessen halte die Firma an ihrer langfristigen Wachstumsstrategie und den geplanten Zukunftsinvestitionen fest.

Dazu gehört auch die größte Investition in der Gardena-Geschichte: Am Standort Heuchlingen will Gardena einen dreistelligen Millionenbeitrag investieren, um die Fläche zu verdreifachen und die Produktion erheblich auszubauen. Geplant sind unter anderem ein Logistikzentrum im Westen des Standorts zwischen Heldenfingen und Heuchlingen sowie ein Kommissionierungslager im Osten. Allerdings könnte sich der für Anfang des kommenden Jahres geplante Baustart verzögern. Grund sind die laufenden archäologischen Ausgrabungen auf dem Firmengelände. Hier wurden Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit gefunden. Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Funde zwar als beachtlich, nicht jedoch von landesweiter oder gar internationaler Bedeutung eingestuft.

„Die archäologischen Untersuchungen dauern an. Derzeit haben wir noch keinen definitiven Termin, zu dem wir eine Freigabe des Baugeländes erwarten dürfen“, erklärt Unternehmenssprecher Heribert Wettels. Gardena gehe „nach jetzigem Stand der Dinge“ jedoch weiter davon aus, dass der Baubeginn wie geplant im Frühjahr 2023 stattfinden könne. „Ein konkreteres Datum können wir derzeit unter den gegebenen Umständen jedoch noch nicht nennen“, so Wettels weiter.  

Das Ende des Verbrenners

Mit dem Wachstum in den vergangenen Jahren ist auch die Zahl der Mitarbeitenden im Konzern stark gestiegen. Husqvarna beschäftigt an den deutschen Standorten in Ulm, Heuchlingen, Niederstotzingen und Laichingen rund 2560 Menschen, das sind rund 280 mehr als Ende des vergangenen Jahres. Insgesamt 2280 Menschen sind davon für Gardena an diesen Standorten tätig, weltweit arbeiten rund 3610 Menschen für die Firma.

Nicht nur die Autoindustrie verabschiedet sich in den kommenden Jahren vom Verbrennungsmotor, sondern auch Gardena. Wie das Unternehmen mitteilt, hat man sich entweder von Produktsegmenten wie Gartentraktoren und benzinbetriebenen Rasenmähern getrennt oder stellt deren Produktion ein: Ab dem kommenden Jahr produziert Gardena keine handgeführten Geräte wie Kettensägen, Rasentrimmer und Laubbläser mehr. „Damit verabschiedet sich die Gardena Division vollständig vom Geschäft mit benzinbetriebenen Geräten und fokussiert sich bei Motorgeräten ausschließlich auf kabelgebundene und vor allem Akkugeräte“, so Koerner. Damit leiste man zudem einen Beitrag zur Erreichung der firmeninternen Nachhaltigkeitsziele. So will der Mutterkonzern Husqvarna bis zum Jahr 2025 die klimaschädlichen Treibhausgase zunächst um 35 Prozent senken, bis 2050 wollen Husqvarna und Gardena klimaneutral arbeiten.

Tobias M. Koerner (links), Senior Vice President Global Sales der Gardena Division, und Pär Åström, President der Gardena Division, präsentierten das Halbjahresergebnis.

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