Gardena plant Großinvestition

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Der Gardena-Standort in Gerstetten wurde bereits vor kurzem erweitert. Der nächste Ausbau ist nun in Planung.
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Der Ulmer Gartengerätehersteller hatte vor kurzem seinen Standort in Gerstetten kräftig erweitert. Nun plant Gardena Investitionen von 100 Millionen Euro und bis zu 500 neue Jobs.

Gerstetten

Satte 15 Millionen hat Gardena im vergangenen Jahr in seinen Standort in Gerstetten-Heuchlingen investiert. Doch das war noch nicht der große Wurf: In den kommenden Jahren soll ein Betrag in dreistelliger Millionenhöhe in den Standort fließen, die Fläche der Fabrik auf der Schwäbischen Alb mehr als verdreifacht werden. Der Ulmer Gartengerätehersteller hat nun die ersten Planungen vorgestellt. Nach dem kompletten Ausbau könnten dann dort bis zu 900 Menschen für Gardena arbeiten, aktuell sind es etwas mehr als 300.

„Das Projekt ist das größte in der Gardena-Geschichte seit dem Bau des Standorts in Ulm in den 1980er-Jahren“, erklärt Wolfgang Engelhardt, verantwortlich für die weltweiten Produktionsstätten von Gardena. „Unser Unternehmen hat eine lange Tradition, ist in den vergangenen Jahren aber gewachsen wie ein Start-up.“ Im ersten Halbjahr hat Gardena einen Umsatz von 726 Millionen Euro erzielt, ein Plus von fast 100 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Marktführer in Deutschland, Österreich und der Schweiz sei man schon seit geraumer Zeit, hinzu käme die gute Entwicklung in den europäischen Märkten, so Engelhardt. Bislang, erklärt Hede-Marie Hauser, Projektverantwortliche, Mitglied des Managements und zugleich Nachhaltigkeitsbeauftragte von Gardena, habe man das enorme Wachstum „eher reaktiv“ gemanagt, die Erweiterung in Heuchlingen sei bereits voll ausgelastet. Mit den Ausbauplänen wolle das Unternehmen nun langfristig „den großen Wurf“ wagen. Neben dem Herzstück, der Produktion, werde Gardena in ein Logistikzentrum investieren. Auf die Kosten der anderen Gardena-Standorte in Ulm und Niederstützungen werde die Erweiterung nicht gehen. Beide Fabriken sollen weiter modernisiert werden, der Logistikstandort in Laichingen ebenfalls.

Konkret plant Gardena in Heuchlingen, die Gesamtfläche des Betriebsgeländes von bisher rund 48.000 Quadratmetern auf künftig 153.000 Quadratmeter zu erweitern. Die Fläche des bestehenden Produktionsgebäudes soll bis Anfang 2025 um rund 10.000 Quadratmeter erweitert und damit etwas mehr als verdoppelt werden. Hinzu kommen zwei Gebäude für die damit verbundene Logistik. Neben Lagerkapazitäten soll eine moderne Anlage für die Kommissionierung von Kundenbestellungen entstehen. Hängebahnen für einen automatischen Warenfluss verbinden die Gebäude miteinander. Das Ziel von Gardena: Im Laufe des kommenden Jahres soll zunächst der genaue Bebauungsplan feststehen, im Sommer rechnen die Ulmer mit der Baugenehmigung, so dass Anfang 2023 mit dem Ausbau begonnen werden soll.

Die Erweiterung wird bereits seit einigen Jahren geplant. Engelhardt erklärt, dass man auch andere Standorte, etwa in Osteuropa und Asien analysiert habe. Man sei jedoch zum Schluss gekommen, dass eine Investition in Deutschland, „nahe an den Kunden“ am sinnvollsten sei. „Wir bilden hier die komplette Wertschöpfungskette ab“, so Engelhardt. Ein wichtiger Grund für die Investition vor Ort seien zudem die Mitarbeitenden. „Ihr Engagement und Zuverlässigkeit sichert die hohe Produktionsqualität. Hier funktioniert es einfach.“ Auch Bevölkerung und Politik stünden voll hinter Gardena.

Wie viele neue Jobs entstehen, steht noch nicht abschließend fest, in der Hochsaison rechnet Engelhardt mit bis zu 900 Mitarbeitenden in Heuchlingen. Der Aufbau werde schrittweise über die kommenden Jahre erfolgen. Gleichzeitig, betont Unternehmenssprecher Heribert Wettels, werde man die Ausbildung am Standort weiter ausbauen. Einen besonderen Fokus will das Unternehmen auf die Nachhaltigkeit legen. Bereits jetzt decke das Werk in Heuchlingen seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus regenerativen Energien. „Gardena hat sich dazu verpflichtet, seinen Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2025 um 50 Prozent zu reduzieren. Das Bauvorhaben in Heuchlingen soll hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, zum Beispiel durch eigene Photovoltaikanlagen“, erklärt Hauser. Die Grünflächen würden naturnah und mit heimischen Gehölzen und Stauden gestaltet. Die Dachflächen sollen begrünt, sowie ein besonderes Augenmerk auf die Energieeffizienz aller Gebäude und Anlagen gelegt werden. Mit dem Neubau fielen zahlreiche Verkehre zwischen den Standorten des Unternehmens und seiner Dienstleister in der Region weg.

Die Gründe für den Erfolg von Gardena in den vergangenen Jahren sind vielschichtig. Bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts war das Unternehmen kontinuierlich gewachsen, seither hat sich die Entwicklung deutlich beschleunigt. „Neben der guten Entwicklung in den Stammmärkten sind wir vor allem in Frankreich, Südeuropa und Skandinavien stark gewachsen“, erklärt Wolfgang Engelhardt. Gardena profitiere zudem davon, dass zuletzt immer mehr junge Menschen die Bedeutung eines eigenen Gartens zu schätzen wissen. Die Corona-Pandemie habe dieser Entwicklung nochmals einen Schub verliehen. Ebenfalls stark gewachsen ist die Sparte der automatischen Mähroboter und die Nachfrage nach den smarten Bewässerungssystemen, wie Hede-Marie Hauser ergänzt. Und schlussendlich hat die gute Entwicklung auch interne Gründe: Durch eine Umstrukturierung innerhalb des schwedischen Mutterkonzerns Husqvarna agiert Gardena nun als eigenständige Geschäftseinheit. Heißt: Die zusätzliche Freiheit in Ulm nutzt die Firma nicht für Investitionen, sondern auch für weiteres Wachstum.

Das Projekt ist das größte in der Gardena-Geschichte."

Wolfgang Engelhardt, Gardena

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