Gebr. Rieger setzt auf Propangas und PV statt Gas

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Der Gießofen von Gebr. Rieger.
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Besonders die Aluminiumgießerei der Firma ist von den gestiegenen Energiepreisen massiv betroffen. Die Aalener arbeiten deshalb an Alternativen zum Gas.

Aalen

 Noch laufen die Gasverträge bei Gebr. Rieger in Aalen. Doch der Preisschock ist nur noch eine Frage der Zeit: Die Gasumlage, die Gaskunden ab Oktober entrichten müssen (oder auch nicht), stellt dabei noch das kleinere Übel dar. Denn: „Aktuell gehen wir davon aus, dass sich der Gaspreis ab Januar verzehnfachen wird“, erklärt Geschäftsführer Andre Hoppe. Es sei aktuell eine „schwierige Lage“ für das Unternehmen, das am Standort Aalen eine Aluminiumgießerei mit 35 Beschäftigten betreibt.

 Seit Monaten laufen deshalb die Vorbereitungen für Alternativen. „Wir haben bereits seit einiger Zeit Gespräche mit unseren Kunden aufgenommen, um gemeinsam auszuloten, wie wir die gestiegenen Kosten umlegen können“, sagt der Geschäftsführer. Zudem arbeite man an Optionen, um unabhängig vom Energieträger Gas zu werden. Eine Alternative sei die Investition in eine Induktionsofenanlage. „Diese kann zu einem großen Teil energieeffizient mit Strom aus unserer PV-Anlage betrieben werden.“

 So käme das Unternehmen auf einen „vernünftigen Preis“ pro Kilowattstunde, der rund die Hälfte des drohenden Entgelts betragen wird – aber eben immer noch um ein Vielfaches höher als der Preis vor der Energiekrise. Dazu kommt: Bis solch eine Anlage inklusive notwendigem Genehmigungsverfahren in Betrieb gehen kann, muss auch noch der Betrieb umgebaut werden. Hoppe schätzt die Dauer dieser Umstrukturierungsmaßnahme auf rund ein Jahr. „Deshalb setzen wir als Zwischenlösung auf Propangas.“ Im Gegensatz zu Erdgas herrscht hier kein Mangel, da es als Nebenprodukt bei der Herstellung von Benzin entsteht. Doch auch hier ist die Liefersituation schwierig: Wer jetzt bestellt, bekommt das Propangas wohl frühestens im neuen Jahr.

 Was in jedem Fall feststeht: Die Kosten für Energie liegen für das Unternehmen ab dem nächsten Jahr bis zu zehnmal höher als noch zu Beginn des Jahres 2022. „Das ist natürlich eine Belastung, die wir – so wie die Energieversorger auch – an die Kunden weitergeben müssen“, sagt Hoppe. Die Rückmeldungen unserer Kunden, etwa Firmen aus der Automobilbranche oder dem Maschinenbau, fielen unterschiedlich aus. „Verständnis für die Situation hat jeder. Schließlich sitzen wir alle in einem Boot.“ Das gilt auch für die Konkurrenz, die aus Deutschland und Europa komme – und ebenfalls mit derselben Problematik zu kämpfen habe.

 In der Branche laufen Gespräche, unter anderem mit dem Verband der Gießereiindustrie VDG, einen pauschalen Energiekostenzuschlag einzuführen: Steigen die Kosten an den Energiemärkten, werden automatisch höhere Preise für die Gussprodukte fällig und natürlich auch umgekehrt. Ähnlich dem Legierungszuschlag, der monatlich neu festgelegt wird und in der Branche akzeptiert werde, so Hoppe.

 Das Unternehmen Rieger gehört zur Neumo Ehrenberg Gruppe. Am Standort in Aalen arbeiten 160 Mitarbeiter für das Unternehmen, 35 davon in der Aluminiumgießerei. Die übrigen im Bereich Prozesstechnik, der unter anderem Ventile und Anlagentechnik für die zukunftssicheren Branchen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie der Pharmazie herstellt. Die Sparten sind unterschiedlich stark von der Energiekrise betroffen: In der Prozesstechnik liegt der Energieeinsatz bei rund 3 Prozent der Kosten, in der Aluminiumgießerei ab Januar bei knapp 17 Prozent (seither rund 5 Prozent). Das Unternehmen wurde 1879 in Aalen gegründet und gehört mit seiner langen Firmengeschichte zu den traditionsreichen, mittelständischen Betrieben der Region.   

Der Gießofen von Gebr. Rieger.
Geschäftsführer Andre Hoppe.
Blick in die Fertigung von Gebr. Rieger in Aalen.

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