Gerüchte um Schleich-Verkauf an Playmobil

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Dinosaurier gehörten auch 2021 zu den beliebtesten Spielzeugen von Schleich.
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Laut eines Medienberichts ist der Playmobil-Konzern an einer Übernahme von Schleich interessiert. Das sagt das Gmünder Unternehmen zu den Gerüchten.

Schwäbisch Gmünd.

Das Manager Magazin hat berichtet, dass der Playmobil-Konzern aus dem fränkischen Zirndorf an einer Übernahme des Gmünder Spielwarenherstellers Schleich interessiert sein soll. Wie das Medium berichtet, wolle Playmobil, nach Umsatz der zweitgrößte Spielzeughersteller in Deutschland, den ungleich kleineren Konkurrenten kaufen – und so dem eigenen, zuletzt schwächelnden Geschäft Auftrieb verleihen wollen.

Schleich reagiert mit einer deutlichen Absage: „An den Gerüchten, dass sich Playmobil in ersten Gesprächen mit der Partners Group bezüglich einer Übernahme von Schleich befindet, ist nichts dran“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung. Schleich-Chef Dirk Engehausen habe als CEO eine hervorragende Zusammenarbeit und Partnerschaft mit dem Eigentümer Partners. „Beide Seiten haben den Plan, die gemeinsamen Ziele auch in den nächsten Jahren gemeinsam zu erreichen und sehen noch weiteres, signifikantes Wachstums- und Entwicklungspotenzial“, erläutert sie weiter.

Völlig aus der Luft gegriffen dürften die Gerüchte von einem Interesse Playmobils dennoch nicht sein – das liegt auch daran, dass eine Übernahme vor allem für den fränkischen Spielzeughersteller Sinn ergeben würde, wie ein Blick auf die Entwicklung beider Unternehmen in den vergangenen Jahren zeigt.

Der Vergleich. Der Playmobil-Konzern hat laut des letzten verfügbaren Konzernabschlusses im Geschäftsjahres 2020/21 einen Umsatz von 687 Millionen Euro erzielt, ein Minus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Schleich hingegen ist mit einem Erlös von 255 Millionen Euro zwar kleiner, jedoch mit einem Plus von 20 Prozent im Geschäftsjahr 2021 wesentlich wachstumsstärker. Schleich kommuniziert zwar keine Gewinnzahlen, gilt aber traditionell als äußerst renditestark.

Laut der bislang letzten, im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz für das Jahr 2019 weist das Unternehmen einen Gewinn von rund 30,5 Millionen Euro aus. Macht bei einem Erlös von knapp 179 Millionen Euro in jenem Jahr eine Umsatzrendite von rund 17 Prozent. Bei Playmobil war das operative Ergebnis 2020/21 laut Bundesanzeiger hingegen um knapp 30 Prozent auf 65,6 Millionen Euro zurückgegangen, das entspricht einer operativen Umsatzrendite von 9 Prozent. Diese Rentabilität hat Schleich in den vergangenen Jahren auch für Investoren zu einem beliebten Ziel gemacht.

Die Eigentümer. Playmobil gehört zur Holding des Unternehmensgründers Horst Brandstätter, der 2015 gestorben war. Brandstätter hatte laut Manager Magazin sein gesamtes Vermögen im Unternehmen belassen, wohl rund 1,4 Milliarden Euro. Seit seinem Tod laufen die Geschäfte jedoch nicht mehr so rund wie früher, unter seiner Ägide hatte Playmobil laut dem Blatt regelmäßig eine Umsatzrendite von jenseits der 20 Prozent erzielt. Dennoch: Für Zukäufe steht laut Magazin rund eine Milliarde Euro bereit. Dafür habe Playmobil eigens eine Beteiligungsgesellschaft namens AKOH-Holding gegründet.

Schleich wiederum gehört seit Jahren zu Investorengesellschaften. Derzeit hält die Partners Group die Mehrheit an dem Unternehmen. Laut eigenen Angaben ist die Firma „einer der größten globalen Manager von Privatmarktanlagen“. Partners hatte die Gmünder im Juli 2019 für kolportierte 400 Millionen Euro von der Ardian-Gruppe übernommen. Die hatte wiederum 5 Jahre zuvor rund 220 Millionen Euro für 80 Prozent der Anteile an Schleich bezahlt. Zuvor war Schleich zum Teil im Besitz von HG Capital.

Die Finanzreserven von Playmobil sind zwar enorm und der Eigentümer von Schleich wiederum eine Beteiligungsgesellschaft, die von Natur aus renditeorientiert ist. Die bekennt sich aber wohl klar zu Schleich. Zudem gibt es angesichts des fortgesetzten Rekordkurses derzeit auch kaum einen Grund für einen Verkauf. Denn: Schleich kann aktuell aus eigener Stärke heraus wachsen. So hat das Unternehmen erst vor kurzem mehrere Millionen Euro in den Ausbau des Logistikzentrums in Schwäbisch Gmünd investiert.

Ein Interesse Playmobils dürfte dennoch durchaus vorhanden sein, denn die Übernahme würde den Franken nicht nur ein renditestarkes Investment sichern – sondern auch zum neuen Kurs der Firma passen. Bereits vor zwei Jahren hatte Konzernchef Steffen Höpfner im Wirtschaftsmagazin Capital erklärt, dass seine Firma offen für Joint Ventures und Zukäufe sei. Die Chancen, dass Schleich zur ersten großen Übernahme für Playmobil wird, stehen aber angesichts des klaren Dementis aus Schwäbisch Gmünd derzeit: eher schlecht.

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