Gewerkschaft fordert: Mindestlohn in 100 Tagen

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Laut der Gewerkschaft NGG profitierten Beschäftigte in Hotels, Gaststätten, Bäckereien und Fleischereien besonders, wenn der Mindestlohn auf zwölf Euro steigt.

Aalen. Die Ampel-Koalition in Berlin plant einen deutlich höheren gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde – 2,40 Euro mehr als bislang. Allein im Ostalbkreis würden davon 24 370 Menschen profitieren – das sind 16 Prozent aller Beschäftigten im Landkreis. Das schreibt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und beruft sich auf eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover.

Danach arbeiten im Ostalbkreis derzeit 5390 Beschäftigte zum Mindestlohn von aktuell 9,60 Euro pro Stunde. Weitere 18 980 Menschen lägen zwar darüber, verdienen aber trotzdem weniger als zwölf Euro.

„Die versprochene Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro ist ein Meilenstein", sagt Karin Brugger, Geschäftsführerin der NGG-Region Ulm-Aalen-Göppingen: "Damit werden in der Region die Einkommen vieler Beschäftigter deutlich steigen – insbesondere in Hotels, Gaststätten, Bäckereien oder Fleischereien. Sie arbeiten häufig zu Löhnen, die zum Leben nicht reichen – auch weil Unternehmen ausgehandelte Tarifverträge unterlaufen“,

Die Gewerkschaft NGG fordert die neue Bundesregierung auf, die Erhöhung des Mindestlohns rasch auf den Weg zu bringen. „Ziel von SPD, Grünen und FDP muss es sein, den 12-Euro-Stundenlohn in den ersten ‚100 Ampel-Tagen‘ hinzubekommen. Vom Kellner bis zur Bäckereifachverkäuferin – wer jeden Cent zweimal umdrehen muss, um seine Miete bezahlen zu können, für den zählt jeder Monat“, betont Brugger. Die NGG mache sich schon seit Jahren für einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro stark

Die Erhöhung des Mindestlohns komme nicht nur Geringverdienern zugute, sondern auch der regionalen Wirtschaft: Nach Angaben des Pestel-Instituts würde die Kaufkraft im Ostalbkreis um knapp 39 Millionen Euro pro Jahr steigen und den Unternehmen höhere Umsätze bescheren, so die Gewerkschaft. „Wer ohnehin ein eher geringes Einkommen hat, kann meist nichts davon auf die hohe Kante legen. Damit fließt fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, in den Konsum. Ein Großteil davon wird vor Ort ausgegeben. Beim Restaurant- oder Kinobesuch – oder, um etwas Neues für den Haushalt anzuschaffen“, so Brugger.

Eine kräftige Anhebung der Lohnuntergrenze sei auch mit Blick auf die aktuell hohe Inflationsrate wichtig. „Wenn der Mindestlohn schnell auf 12 Euro klettert , dann hätten Beschäftigte trotz der Preissteigerung de facto deutlich mehr in der Tasche“, erläutert die Gewerkschafterin.

Die Chefin der NGG-Region Ulm-Aalen-Göppingen appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, der geplanten Mindestlohn-Erhöhung in Berlin zuzustimmen: „Dass nach einem jahrelangen Ausufern des Niedriglohnsektors Menschen wieder besser von ihrer Arbeit leben können, sollte keine Frage des Parteibuchs sein. Es ist in einem reichen Land wie Deutschland überfällig.“

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