Gmünd setzt E-Mobilitätsgesetz um

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Die Bevölkerung denkt um, die Akzeptanz für nachhaltige Mobilität wächst – die große Zahl von Besuchern, die OB Richard Arnold am Dienstag im Leutze-Saal des Congress-Centrums Stadtgarten zum "4. Gmünder Forum Elektromobilität" begrüßen durfte, war dafür der augenscheinliche Beweis.

Die spannende Frage, wie die elektromobile Normalität in 20 oder 30 Jahren tatsächlich aussieht, die konnte auch eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde nicht abschließend beantworten. Dafür hatten die Experten aus Wirtschaft und Politik sowie die interessierten Bürger zuvor die Gelegenheit, Elektromobilität in der Praxis auszuprobieren: Die Autohäuser Wagenblast, Baur, Hosch, Mulfinger und Mercedes-Benz stellten ihre E-Autos für Probefahrten zu Verfügung. Richard Arnold, der den angekündigten Verkehrsminister Winfried Hermann wegen Krankheit entschuldigte,dafür aber die künftige IHK-Hauptgeschäftsführerin Michael Eberle begrüßte, stellte Schwäbisch Gmünd als Stadt vor, "in der Tradition und Moderne zusammenfinden". Noch lange bevor das Trendthema Digitalisierung an Fahrt gewonnen habe, sei Gmünd 2011 eine von drei Modellkommunen für E-Mobilität in Baden-Württemberg geworden. Der OB wies auf eine Vielzahl von Projekten: "Dienstfahrten werden bei uns im E-Auto oder mit E-Roller gemacht, wir haben Dienst-Pedelecs und Segway." Mit dem Projekt Elektromobilität im Stauferland (EMiS) und durch die Stadtwerke seien inzwischen rund 50 Ladepunkte aufgebaut worden, ein Highlight sei die Schnell-Ladestation "Triple Charger". Ganz besonders stellte der OB das mehrfach ausgezeichnete "Mobile Schulungszentrum Elektromobilität" der Technischen Akademie heraus: "Dieses von TA-Chef Michael Nanz hervorragend umgesetzte Projekt hat bundesweit für Aufsehen gesorgt." Mit "namos – Nachhaltig mobiler Sonnenhügel" im Stadtteil Hardt wollte Gmünd nachhaltige Mobilitätsangebote etablieren, kündigte Arnold an: "Da wird erstmalig ein E-Carsharing-Fahrzeug im Quartier angeboten, das macht Elektromobilität in Gmünd für jeden erfahrbar." Ziele des Projekts "100 Stromer", gemeinsam mit den Modellkommunen Ludwigsburg und Offenburg initiiert, sei es, über ein Bündel an Maßnahmen und Vorteilen 100 zusätzliche E-Autos auf die Straßen zu bringen – Arnold: Wir sind damit die erste Stadt in der Region, die das Elektromobilitätsgesetz des Bundes konsequent umgesetzt hat". Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter "nachhaltige Mobilität", warb für den erkrankten Winfried Hermann für die Verkehrspolitik der Landesregierung. Er begrüßte den Umweltbonus und das 300-Millionen-Euro-Programm des Bundes zum Ausbau der Ladeinfrastruktur, "weil 30 Prozent der CO2-Emissionen in Baden-Württemberg aus dem Straßenverkehr stammen und wir das Ziel haben, diese bis 2030 um 40 Prozent zu vermindern" Die Bevölkerung denke um, sie fordere mehr Lebensqualität: "Die Menschen erwarten von guter Verkehrspolitik nicht schnellere Straßen, sondern mehr Verkehrssicherheit, mehr Klimaschutz und bessere Luft", sagte Erdmenger. Die Elektromobilität biete Chancen zur Verbesserung der Luftqualität. Ökonomisch sei Elektromobilität ebenfalls interessant: "Das weltweite Absatzpotenzial für elektrisch angetriebene Fahrzeuge wird bis 2030 auf 459 Milliarden Euro geschätzt." Zum aktuellen Stand der Elektromobilität sagte Erdmenger: "Die Neuzulassungen sind bundesweit 2015 um fast 50 Prozent gestiegen, allerdings mit 30.000 Elektrofahrzeugen und 150.000 Hybriden. Wir brauchen aber jetzt ein Marktwachstum von 100 Prozent pro Jahr, um das Ziel von einer Million E-Fahrzeugen bis 2020 zu erreichen." Das Land gehe voran: "Durch die Elektrifizierung des Fuhrparks haben wir den CO2-Ausstoß in den letzten vier Jahren um 16 Prozent reduziert, Baden-Württemberg verfügt über das erste rein elektrische car-sharing Angebot in Europa – die Verzahnung mit der Industrie im Cluster Elektromobilität Süd-West und die Landesinitiative Elektromobilität ist ein Erfolgsmodell". Ziel sei, bis 2020 ein flächendeckendes Ladenetz die in maximal zehn km Entfernung erreichbar, zu etablieren. Erdmenger forderte die Industrie auf, "mit attraktiven Angeboten mehr Nachfrage zu schaffen und E-Autos genauso zu bewerben wie Luxuswagen". Durch Digitalisierung werde Mobilität zur Dienstleistung, sagte Erdmenger, das Land gehe mit dem eigenem "Testfeld BW zu automatisiertem und vernetztem Fahren" voran – "leider ohne Unterstützung des Bundes". Die Finanzierung von Elektromobilität über eine höhere Besteuerung der "Spritschlucker" stellte Erdmenger "zur Diskussion". Staatssekretär Norbert Barthle überbrachte die Grüße von Bundesminister Alexander Dobrindt und betonte, dass Elektromobilität der Schlüssel zu einem nachhaltigen Verkehrssystem sei: "Diese Technologie ist uns wichtig, deshalb fördern wir auch technologieoffen." Ziel der Bundespolitik sei es, Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu entwickeln und bis 2020 über eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen: "Dabei sind die Kommunen, Verkehrsbetriebe und Flottenbetreiber vor Ort wichtige Partner". Um dem Markthochlauf weitere Dynamik zu geben, habe die Bundesregierung ein neues Förderprogramm für die Elektromobilität beschlossen – Barthle: "Die Stichworte dazu sind Kaufprämie, Förderprogramm zum Aufbau der Ladeinfrastruktur, Steuervorteile, Verlängerung der Kraftfahrzeugsteuer-Befreiung". Die Kaufprämie sei nicht unumstritten, "aber greifen Sie jetzt zu", fordert Barthle auf. Der Staatssekretär stellte abschließend klar: "Für das Bundesverkehrsministerium ist das Begriffspaar "Elektromobilität" und "automobile Normalität der Zukunft" nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem Ausrufezeichen zu versehen!" Bei der Podiumsdiskussion stellten sich Dr. Elisabeth Dütschke (Fraunhofer Institut Karlsruhe), Peter Siegert (Mitsubishi Deutschland), Jürgen Schenk (Daimler AG), Marcus Wagner (SAP) und Bernd Stark (Stark Gummiwalzen, Heidenheim) den Fragen von Moderator Peter Schwierz, Chefredakteur bei "electrive.net".

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