Grünes Rechenzentrum für die Region

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Gründer Julian Hauber (li.) und INNO-Z-Geschäftsführer Andreas Ehrhardt.

Julian Hauber ist noch keine 30, beschäftigt als Geschäftsführer von JH-Computers sieben Mitarbeiter, hat mehr als zwei Millionen Euro investiert bietet mit seinem Geschäftsmodell großen Konzernen die Stirn.

Aalen

Seit sechs Jahren erhalten am Innovationszentrum (INNO-Z) an der Hochschule Aalen junge Gründer Unterstützung, um sich als Start-up in der freien Wirtschaft bewähren und wachsen zu können. „Wir haben eine ganze Reihe von jungen Wilden in unserer Region“, so INNO-Z-Leiter Dr. Andreas Ehrhardt, „die nicht nur Hoffnungsträger für die Zukunft sind, sondern früh zur Stärkung der Wirtschafts- und Innovationskraft unserer Region beitragen. Für mich sind das die Helden unserer Gesellschaft.“

Ein Beispiel dafür ist der 28-jährige Master in Elektrotechnik und Informatik, Julian Hauber, und seine JH-Computers GmbH mit Sitz in Stödtlen. Grundlegende Idee des Betreibers von Rechenzentren ist es, den Kunden „IT made in Germany“, Datenschutzkonformität und Datensicherheit anzubieten: „Wir brauchen Rechenzentren dort, wo die Industriestandorte sind“, erklärt Hauber. Zukunftsthemen wie 5G oder maschinelles Lernen werden die Menge an täglich generierten Daten exponentiell stark wachsen lassen. „Auch das beste Glasfasernetz kommt so früher oder später an seine Grenzen. Dezentrale Rechenzentren sorgen hier für eine geringe Latenz und zusätzlich können die Datenschutzbestimmungen sehr viel einfacher eingehalten werden, wenn das Rechenzentrum nicht im Ausland steht.“ Das ist für den Kundenkreis von JH-Computers, der sich überwiegend aus regionalen Firmen mit einigen wenigen Mitarbeitern bis hin zu tausenden Mitarbeitern zusammensetzt, wichtig.

Das junge Unternehmen beschäftigt sieben Mitarbeiter. „Gute Mitarbeiter sind für mich wertvoll, deshalb ist die Entlohnung bei uns überdurchschnittlich in der Branche“, betont Hauber. Das Unternehmen erwirtschaftet trotz Coronakrise wachsenden Umsatz dank immer mehr Kunden, vornehmlich kleinere und mittlere Unternehmen aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern. Damit bietet JH-Computers einen Standortvorteil. „Ohne die Unterstützung und die Netzwerke des INNO-Z mit Andreas Ehrhardt sowie von Markus Schmid von der IHK hätte ich den Durchbruch so schnell nicht geschafft“, betont Hauber.

Tatsächlich zeichnen den jungen Existenzgründer aber auch grundlegende Eigenschaften aus, die unabdingbar sind, um sich in der heutigen Wirtschaftswelt als Newcomer zu behaupten: Hauber hat den leidenschaftlichen Willen zur Selbstständigkeit. Er hat eine klare Vision, die sich in einem schlüssigen Businessplan, der Banken und Partner überzeugt, niederschlägt.

In Ellwangen geboren, absolvierte Hauber nach der Realschule eine Lehre zum Elektroniker bei der Zeiss AG in Oberkochen. Danach erwarb er über das einjährige Berufskolleg Technik an der technischen Schule in Aalen die Hochschulreife. Von 2013 bis 2017 studierte Hauber Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Aalen und an der Technischen Universität München. Parallel zum Studium gründete Hauber 2019 die JH-Computers GmbH mit dem Schwerpunkt „Bereitstellung von Serverressourcen“ in der Garage seiner Eltern. Die Geschäfte liefen vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda gut an, ein Server reichte schnell nicht mehr aus – er wagte den Bau eines Rechenzentrums, das im August 2019 nach einjähriger Bauzeit am Waldrand in seiner Heimatgemeinde Stödtlen bezogen wurde. Zur Gesamtinvestition von über zwei Millionen Euro steuerten seine Eltern einen Zuschuss in Form von Sicherheiten bei, den Rest finanziert eine regionale Bank: „Mein Businessplan hat überzeugt“, freut sich Hauber.

Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Effizienz – auch mit diesen Themen beschäftigt sich Hauber intensiv. Deshalb war für ihn klar: „Green IT, also die ressourcenschonende Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie, muss effizient und unkompliziert bereitgestellt werden.“ Der Energieverbrauch von Rechenzentren wird laut einer Studie in der EU bis 2030 auf 3,2 Prozent am Gesamtenergieverbrauch anwachsen, 2018 waren es 2,7 Prozent. „Ich bin überzeugt, dass die Kühlung von Rechenzentren optimiert werden muss“, sagt Hauber. Man könne Rechenzentren zwar auch in kühlen Regionen bauen und die kalte Luft dort für das Thermalmanagement nutzen, „aber langfristig wird das dort Auswirkungen auf die Umwelt haben.“

Seine Lösung: eine einzigartige klimatechnische Anlage bestehend aus einem mit Biogas betriebenen, hocheffizienten Blockheizkraftwerk, einer Adsorptionskälteanlage, einer Photovoltaik-Anlage sowie einer selbst entwickelten Steuer- und Regelungstechnik, welche alle Komponenten mit maximalem Wirkungsgrad miteinander kombiniert. Im Land mit den höchsten Stromkosten weltweit sind eben innovative Lösungen zur wirtschaftlichen Darstellung eines Rechenzentrums gefragt. Zusätzlich wird die Abwärme des Blockheizkraftwerks sowie der Server im Winter zur Beheizung der umliegenden Wohn- und Gewerbeimmobilien eingesetzt. „Wir setzen im Kälteprozess so früh wie möglich auf eine Wasserkühlung und können so die Abwärme der Server effizient nutzbar machen“ erklärt Hauber das Konzept.

Mein Business-Plan hat überzeugt.“

Julian Hauber, Gründer und Geschäftsführer

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