GtA spart mit intelligenten Systemen

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GtA Neresheim
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Wärmerückgewinnung und eigene Stromerzeugung sorgen dafür, dass die Gesellschaft für textile Ausrüstung in Neresheim weniger Energie verbraucht.

Neresheim

Nicht erst, seitdem die Preise explodieren, hat sich der Neresheimer Unternehmer Andreas Niess in seiner Gesellschaft für textile Ausrüstung (GtA) das Energiesparen auf die Fahnen geschrieben. „Wir wollen andere Wege gehen, als bisher in der Textilindustrie üblich“, sagt der Geschäftsführer, der es als persönliche Motivation sieht, Ressourcen zu sparen. Sowohl in der Technik als auch in den Prozessen soll schonend mit Gas, Strom und Wasser umgegangen werden.

Die GtA rüstet Textilien aus, die von den Kunden digital bedruckt werden. Sie kommen als Fahnen, Banner, Deckenabspannungen oder Kunstelemente zum Einsatz, beispielsweise im Ladenbau, Messebau, bei Events, in der Werbung und im Objektdesign. Weil der Bereich Messebau rund 70 Prozent des Geschäfts ausmache, haben die Corona-Einschränkungen den Betrieb schwer getroffen. Niess schätzt, dass es insgesamt länger als ein Jahr dauert, bis die entsprechenden Einbußen hereingeholt sind. Das Team von rund 60 Beschäftigten – Tendenz steigend – sei dennoch gehalten worden. „Wir sind allen Verbindlichkeiten nachgekommen und brauchten keine Hilfe von Banken – die Gesellschafter haben alle finanziellen Belastungen persönlich getragen“, betont Niess.

Wasser mit Wärmerückgewinnung aufgeheizt

Glimpflich kommt das Unternehmen durch die aktuelle Krise, weil es bereits 2019 langfristig gültige Lieferverträge für Strom und Gas bis Ende 2023 beziehungsweise 2024 geschlossen hat. Der Druck, den Verbrauch zu drosseln, steigt dennoch. Deshalb hat sich Niess seit der Firmengründung 2015 zu mehreren Millioneninvestitionen im Energiebereich entschlossen.

Für eine gewaltige Energieeinsparung sorgt ein intelligentes System der Wärmerückgewinnung. Hier wird die Energie aus der heißen Abluft wiederverwendet. Die Prozessabluft etwa ist zunächst 190 bis 200 Grad heiß. Nachdem ihr die Energie für verschiednen Prozesse entzogen wurde, sind es nur noch 30 bis 34 Grad. So wird Wasser für den Waschprozess in einem 30 000-Liter-Behälter nur mittels dieser Abwärme von elf auf 81 Grad aufgeheizt. Ein Dampfkessel erledigt den Rest, um auf die benötigten 90 Grad zu kommen. „In der Planung für unsere drei Produktionslinien gingen wir von drei benötigten Dampfkesseln aus, aber mit diesem System reicht ein einziger Dampfkessel aus“, sagt der Firmenchef. Mithilfe von Wärmerückgewinnung wird ebenso die Außenluft, die ins Gebäude strömt, aufgeheizt.

Hohe Stromrechnung durch PV-Anlage gesenkt

Auch in die Stromversorgung hat die GtA investiert. Und das hat sich mehr als gerechnet. „Wir hatten vorher eine Stromrechnung über 40 000 bis 50 000 Euro monatlich“, erzählt Andreas Niess. Seit 2020 liefert eine Photovoltaikanlage mit mehr als 3000 Modulen und 985 kWp Leistung einen Teil des benötigten Stroms. „Damit haben wir im Jahr 2021 mehr als 53 Prozent unseres gesamten Strombedarfes abgedeckt – obwohl die Maschinen auch nachts laufen“, sagt Niess, der nun überlegt, zusätzlich in einen Speicher zu investieren, um den Anteil eigenproduzierten Stroms weiter zu steigern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können jetzt schon die firmeneigene Ladestation für ihre eigenen E-Autos benutzen.

Zwei der drei Produktionslinien können 5,60 Meter breite Stoffbahnen bearbeiten – das ist wesentlich breiter als branchenüblich: Man schafft in der gleichen Zeit die doppelte Menge, auch das spart Energie. Bei den Rohstoffen setzen die Neresheimer vermehrt auf Recyceltes, PET-Flaschen oder geschredderte Textilien als Ausgangsmaterialien. Zum Einsatz kommen lösemittelfreie Hilfsmittel, bei Flammschutzmitteln halogenfreie Chemie und bei den Waschmitteln keine Tenside, sondern biobasierte Tonerde-Produkte.

Eine Energieförderung hat das unternehmen für ein kleines Druckluft-Kraftwerk bekommen. Und natürlich helfen alle Beschäftigten in sämtlichen Prozessen mit, dass Maschinen nicht unnötig laufen, schalten das Licht aus und achten auch sonst darauf, unnötige Energiefresser zu deaktivieren.„Wir müssen immer fünf bis zehn Jahre vorausdenken“, meint Niess: „Energie sparen macht uns ein Stück weit stark, das sehen wir gerade auch in der Krise.“

Energie sparen macht uns ein Stück weit stark, das sehen wir gerade auch in der Krise.“

Andreas Niess, Geschäftsführer

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