Handwerk checkt die Bundestags-Kandidaten

+
Teilnehmer an "Handwerk und Politik im Austausch" (Screenshot, von links): Tim-Luka Schwab (SPD), Alexander Asbrock (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Inge Gräßle (CDU), Dr. Tobias Mehlich (Handwerkskammer Ulm), Edgar Horn (Kreishandwerkerschaft Ostalb), David
  • schließen

Bei einer Podiumsdiskussion stehen Politiker verschiedener Parteien Rede und Antwort.

Schwäbisch Gmünd

Was wollen die Parteien für das Handwerk tun? Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl haben die Kreishandwerkerschaft Ostalb und die Handwerkskammer Ulm Kandidaten und Vertreter der Parteien zur Diskussion eingeladen. Einhellig sprachen sie sich für Entlastungen in der Meisterausbildung und weniger Bürokratie für die Betriebe aus. Bei Themen wie Mindestlohn, Steuern und dem Kampf gegen den Klimawandel offenbarten sich unterschiedliche Strategien.

Mehr als 25.000 Mitarbeiter sind in den 4000 Handwerksbetrieben der Ostalb tätig. Stellvertretend für diese begrüßte Kreishandwerksmeister Alexander Hamler die Zuschauer. Die beiden Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ostalb und der Handwerkskammer Ulm, Edgar Horn und Dr. Tobias Mehlich, moderierten die Diskussion, die live aus Schwäbisch Gmünd im Internet übertragen wurde. "Bei Bürokratie und Genehmigungen sind unsere Handwerksbetriebe maßlos enttäuscht und massiv getrieben", mahnte Mehlich an. Für einen Bürokratieabbau sprachen sich denn auch alle Anwesenden aus.

Finanzen und Steuern

„Keine Steuererhöhungen, die den Aufschwung abwürgen“, forderte FDP- Kandidat David-Sebastian Hamm im Verlauf der Diskussion mehrmals. Der Aalener Alexander Asbrock (Bündnis 90/Die Grünen), der als Vertreter der Kandidatin Ricarda Lang an der Runde teilnahm, schlug andere Töne an: "Wir werden uns aus der Krise nicht heraussparen können", sagte er. Das Handwerk profitiere von einem 500-Milliarden-Investitionspaket für Modernisierungen in diesem Jahrzehnt, das seine Partei anstrebe. Gleichzeitig seien dafür aber neue Schulden nötig. Bündnis 90/Die Grünen planen außerdem höhere Steuern für Gutverdiener. „Die SPD verspricht keine unseriösen Steuererleichterungen", betonte Tim-Luka Schwab, der für die Sozialdemokraten ins Rennen geht. Die SPD möchte sehr hohe Einkommen - mehr als 250.000 Euro pro Person im Jahr - ebenfalls höher besteuern. CDU-Kandidatin Dr. Inge Gräßle warf ein: "Mit Rot-Grün fährt der Inflationszug." Während jene Parteien eine höhere Verschuldung planten, wolle die CDU mittelfristig die Schuldenbremse wieder in Kraft setzen. Ihre Partei stehe für "planbare Rahmenbedingungen und eine Deckelung der Sozialabgaben bei 40 Prozent. Andreas Wörner (AfD) plädierte dafür, vor allem Schulden zurückzuzahlen.

Klimapolitik und Energiewende

"Wir sollten den Markt machen lassen und politisch nur Rahmenbedingungen setzen", sagte AfD-Kandidat Wörner über Anstrengungen, den CO2-Ausstoß zu senken. Eine CO2-Steuer verhindere Innovation, weil das Geld an den Staat gehe und nicht in den Unternehmen für Investitionen bleibe. Inge Gräßle (CDU), mahnte zu einem planmäßigen Vorgehen. Angesichts von Atomausstieg und nahendem Kohleausstieg gelte es, eine Grundlastfähigkeit zu erhalten. Gas als Energieträger spiele eine Rolle, ebenso solle man auf E-Fuels, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe setzen - und auch den Verbrennungsmotor nicht aufgeben. "Die SPD hat den Fehler gemacht, Kohle so lange zu subventionieren", merkte Sozialdemokrat Schwab selbstkritisch an. Klimaschutz dürfe nicht dem Markt überlassen werden: "Wir brauchen den aktiv handelnden Staat." Das Handwerk sei essenzieller Bestandteil bei der Bewältigung der Klimakrise. Grünen-Politiker Alexander Asbrock schlug bei der Klimapolitik einen Mix aus Fördern, Setzen von Preissignalen und ordnungspolitischem Eingreifen vor. "Ziel ist, zwei Prozent des Landes mit Photovoltaik und Windkraftanlagen zu bebauen", sagte er. Die Bürger sollten in Form von Bürgerenergiegenossenschaften eingebunden werden. David Sebastian Hamm (FDP) warb für die Idee, dass deutsche Firmen Kapazitäten für erneuerbare Energien im Ausland aufbauen.

Fachkräfte- und Nachwuchsmangel

Klimaschutz, E-Mobilität, Smart Homes – das alles funktioniert nur mit Handwerk, führte Edgar Horn aus. Aber wie Nachwuchs und Fachkräfte bekommen? Nach Baden-Württemberg flössen vom Bund im Rahmen des Hochschulpaktes drei Milliarden Euro für die akademische Bildung, aber gerade einmal 100 Millionen Euro für die berufliche Bildung, kritisierte Handwerkskammer-Geschäftsführer Mehlich. Der Forderung nach einer Gleichbehandlung von Studierenden und Handwerks-Azubis schlossen sich alle Diskussionsteilnehmer an – ebenso wie dem Vorhaben, Gebühren für Meister- und Technikerkurse abzuschaffen. Es gelte, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und mehr junge Frauen für Handwerksberufe zu begeistern, so Inge Gräßle, die für diese Forderungen weitgehend Zustimmung erntete. Der Mindestlohn müsse von derzeit 9,60 auf deutlich über 12 Euro steigen, forderte SPD-Kandidat Schwab – ein Vorschlag, dem sich Grünen-Politiker Asbrock im Grundsatz anschloss. Die übrigen Diskussionsteilnehmer plädierten dafür, der Mindestlohnkommission der Tarifpartner diese Entscheidung zu überlassen.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare