Handwerk ist keine Resterampe

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Bernhard Hampp

Kommentar von Bernhard Hampp

Dass die Handwerksbetriebe sauer sind auf die Industrie, die ihnen jahrelang zahlungskräftig die besten Lehrlinge weggeschnappt hat - und deshalb Bäckereifilialen schließen und Installateurbetriebe ihre Kunden vertrösten mussten - ist verständlich. Und wer rein marktorientiert denkt, wird der Analyse der Handwerkskammer zustimmen: Arbeitskräfte, die über Kurzarbeit subventioniert in Industriebetrieben gehalten werden, stehen Zimmereien, Steinmetzbetrieben und Konditoreien nicht zur Verfügung. Aber was soll aus dieser Argumentation folgen? Dass die Industrie in großem Stil Arbeitskräfte entlassen soll, damit möglichst viele Bürokräfte als Metzgereiverkäuferinnen und Facharbeiter als Bauhelfer anheuern? Nein. Hier geht es eben nicht um irgendeine anonyme Arbeitskraftmasse, die von einem Bereich in den anderen verschoben werden kann, sondern um Menschen, ihre Familien, ihre Lebensinhalte und Zukunftspläne. Wer sich ein Leben lang um seine Aus- und Weiterbildung bemüht, Einsatz gezeigt und Opfer gebracht hat, ist nun heilfroh, wenn er oder sie Kurzarbeitergeld erhält - weil es im Betrieb gerade nicht so gut läuft. Je mehr Menschen die Entscheidung für einen Job im Handwerk aus freien Stücken treffen - und nicht aus schierer Not - desto besser. Das Handwerk kann hier selbstbewusst auftreten: Es bietet hochattraktive Jobs und ist keine Resterampe für Aussortierte.

Mehr zum Thema:

-Kurzarbeit: Handwerk greift Industrie an

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